VW ID.7 vs. Hyundai Ioniq 6: Lade-Debakel auf der Langstrecke

Auf dem Papier deklassiert die 800-Volt-Architektur des Hyundai Ioniq 6 die veraltete 400-Volt-Technik des VW ID.7 Pro S. An der Schnellladesäule drückt der Koreaner mit bis zu 240 kW und schießt seinen 84,0 kWh Akku (80,0 kWh netto) in 18 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Volkswagen kontert im ID.7 Pro S mit spärlichen 200 kW Peak-Leistung und 28 Minuten Ladezeit für denselben Hub. Das wirkt rückschrittlich, entpuppt sich auf der echten Autobahn aber als schlauere Taktik.
| Merkmal | Hyundai Ioniq 6 RWD | VW ID.7 Pro S |
| Architektur | 800 Volt | 400 Volt |
| Batterie (brutto / netto) | 84,0 kWh / 80,0 kWh | 91,0 kWh / 86,0 kWh |
| Max. Ladeleistung (DC) | 240 kW | 200 kW |
| Ladezeit (10–80 %) | 18 Minuten | 28 Minuten |
| WLTP-Reichweite | 625 km | 709 km |
| Autobahn-Reichweite (~130 km/h) | ca. 380 km | ca. 460 km |
| Startpreis | 54.000 Euro | 58.985 Euro |
Auf der A9 verpufft der 800-Volt-Vorteil
Auf der 800-Kilometer-Strecke von Hamburg nach München kippt das Kräfteverhältnis. Der VW packt dank 91,0 kWh Brutto-Kapazität (86,0 kWh netto) und der sparsamen APP550-Antriebseinheit mit einer Füllung ca. 460 Kilometer bei Richtgeschwindigkeit 130 km/h. Der ID.7 muss über die gesamte Distanz exakt einmal für 28 Minuten an den Stecker.
Der Hyundai stragelt mit seinem kleineren Akku und streckt nach ca. 380 Kilometern die Flügel strecken. Folge: Du musst die A9-Etappe auf zwei Ladestopps von je 18 Minuten aufteilen. Unterm Strich verbringst du im Ioniq 6 36 Minuten an der Ladesäule – der VW steht 28 Minuten. Die angeblich überlegene Ladetechnik kostet dich auf dieser Distanz also reale 8 Minuten Zeitverlust.
Windkanal-Tricksereien und die Frunk-Blamage von VW
Beide Stromer genehmigen sich bei 130 km/h rund 20 kWh pro 100 Kilometer. Physikspezialisten stutzen hier: Der Ioniq 6 schneidet mit einem cW-Wert von 0,21 die Luft viel besser als der VW mit seinem cW-Wert von 0,23. Allerdings fällt die Stirnfläche des Wolfsburgers mit A = 2,45 m² deutlich breiter aus als beim flachen Koreaner (A = 2,05 m²). Dass der effektiv 30 Prozent höhere Luftwiderstand des VW (0,56 zu 0,43) nicht im Verbrauch durchschlägt, liegt einzig an der extrem effizienten Abstimmung des neuen VW-Heckmotors.
Bei Alltagswert und Nutzwert sieht der Hyundai kein Land. Sein schmaler Stufenheck-Kofferraum schluckt magere 401 Liter und lässt sich bescheiden beladen. Der VW frisst über seine riesige Klappe 532 bis 1.586 Liter weg. Immerhin spendiert Hyundai einen 45-Liter-Frunk unter der Fronthaube. VW liefert beim ID.7 keinen Frunk aus – verharzte Ladekabel fliegen somit direkt in den Kofferraum.
Tasten-Erfolg gegen Slider-Frust
Im Fond fordert die Tropfenform des Ioniq 6 Opfer: Passagiere ab 1,85 Meter Körpergröße stoßen trotz 2.950 mm Radstand mit dem Kopf an den Dachhimmel. Im ID.7 sitzt man dank 2.971 mm Radstand und hoher Dachlinie wie auf der Rückbank einer Chauffeurs-Limousine.
Bedienungstechnisch fährt Hyundai dem Volkswagen davon. Zwei 12,3-Zoll-Displays kombiniert mit physischen Tasten für die Klimaanlage sorgen für fehlerfreie Bedienung ohne Ablenkung. VW baut zwar ein 15-Zoll-System mit Software 5.0 und serienmäßigem Augmented-Reality-Head-up-Display ein, vertraut aber weiterhin auf Touch-Bedienung. Die Beleuchtung der Slider rettet die Umständlichkeit im Alltag nicht.
Preisschock bei VW, Garantie-Klatsche für Wolfsburg
Mit einem Basispreis von 54.000 Euro unterbietet der Hyundai Ioniq 6 den 58.985 Euro teuren VW ID.7 Pro S um satte 4.985 Euro. Der reine Kapazitätspreis liegt mit 643 Euro pro kWh beim Hyundai und 648 Euro pro kWh beim VW nahezu gleichauf. Der Aufpreis des ID.7 fließt fast eins zu eins in die größere Batterie.
Der finale K.o. für Vielfahrer folgt beim Blick ins Kleingedruckte: Hyundai gewährt auf das Fahrzeug 5 Jahre Garantie ohne Kilometerbegrenzung. VW speist Käufer mit der gesetzlichen Mindestgarantie von 2 Jahren ab. Lediglich die Akku-Garantien sind mit 8 Jahren oder 160.000 Kilometern auf identischem Niveau.
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