Google Fitbit Air Testbericht

Nach mehreren Jahren ohne neues Fitbit-Gerät meldet sich Google mit dem Fitbit Air zurück – und wählt dafür bewusst ein Format, das den Markt gerade aufmischt: den Tracker ohne Bildschirm. Das Prinzip kennt man vom Whoop-Band. Es sammelt rund um die Uhr Gesundheitsdaten, meldet sich aber nicht mit Nachrichten, Anrufen oder blinkenden Displays am Handgelenk. Der große Unterschied zum Vorbild: Das Fitbit Air wird einmalig bezahlt und kostet 99,99 Euro, ein Pflicht-Abo gibt es nicht.
Parallel führt Google die neue Google Health-App ein, die die bisherige Fitbit-App ablöst. Das Herzstück ist ein KI-Coach auf Gemini-Basis, der Fragen zu Training, Schlaf und Gesundheit beantwortet und Pläne erstellt. Genau dort liegt allerdings auch der Haken: Der Coach gehört zu Google Health Premium und ist nach drei Gratismonaten kostenpflichtig.
Für den Test habe ich das Fitbit Air kostenlos von Google zur Verfügung gestellt bekommen. Vielen Dank dafür, dies hat jedoch keinen Einfluss auf das Testergebnis.
Technische Daten
| Merkmal | Spezifikation |
|---|---|
| Bauform | Kleiner Sensor-„Puck“ aus recyceltem Kunststoff, der in ein Armband eingelegt wird |
| Maße Tracker | ca. 35 × 17 × 8 mm |
| Gewicht | ca. 5 g (Tracker) / ca. 12 g mit Textilarmband |
| Display / Tasten | Keine; Bedienung per Doppeltipp (LED-Akkuanzeige, Wecker beenden) |
| Sensoren | Optischer Herzfrequenzsensor (Messung im 2-Sekunden-Takt), 3-Achsen-Beschleunigungssensor, Gyroskop, Rot-/Infrarot-Sensor für SpO₂, Hauttemperatursensor |
| Gesundheitsdaten | Puls, Ruhepuls, Herzfrequenzvariabilität, Blutsauerstoff, Atemfrequenz, Hauttemperatur, Schlafphasen |
| Herz-Warnungen | Hoher/niedriger Puls, Hinweise auf Vorhofflimmern – kein EKG |
| Feedback am Handgelenk | Vibrationsmotor (2 Stufen), intelligenter Wecker nach Schlafphase |
| GPS / NFC | Nicht vorhanden (Strecken nur über das gekoppelte Smartphone) |
| Konnektivität | Bluetooth 5.0 |
| Wasserschutz | Bis 50 Meter; Hersteller rät, das Band nach Schweiß oder Wasser zu trocknen |
| Kompatibilität | Android ab 11, iOS ab 16.4; Google-Konto, Internet und Standortfreigabe erforderlich |
| Speicher im Tracker | Minutengenaue Bewegungsdaten für 7 Tage |
| Akkulaufzeit | Herstellerangabe bis 7 Tage (Tests: 7–10 Tage) |
| Laden | Magnetisches Spezialkabel (USB-C-Ende), 0–100 % in ca. 65–90 Min. |
| Armband | Textil mit Klettverschluss und Edelstahlschnalle, passend für 130–210 mm Handgelenkumfang; Silikonbänder separat |
| Farben | Obsidian (Schwarz), Berry (Rot), Lavender (Blau), Fog (Türkis) |
| Premium-Abo (optional) | Google Health Premium, 3 Monate im Kaufpreis enthalten, danach rund 9–10 Euro im Monat bzw. 99,99 Euro im Jahr |
| Preis | 99,99 Euro (UVP); im Handel zeitweise ab ca. 78–97 Euro |
Design & Tragekomfort
Das Fitbit Air versteht sich eher als Accessoire denn als Gadget. Der eigentliche Tracker ist ein flacher, ovaler Kunststoffkörper, der sich unkompliziert aus dem Armband nehmen lässt. Mit nur etwa 12 Gramm inklusive Band gehört das Gerät zu den leichtesten Wearables überhaupt. Das Band ist bereits nach wenigen Minuten nicht mehr zu spüren – besonders im Schlaf ein klarer Vorteil, denn nur ein Tracker, den man vergisst, liefert ungestörte Nachtdaten.
Das mitgelieferte Textilarmband wird mit einem Klettverschluss fixiert und lässt sich schnell enger oder weiter stellen. Die Ränder des Nylonbands hinterlassen aber in den ersten Tagen sichtbare Abdrücke am Handgelenk und auch die Ende des Klettverschlusses kann ein wenig abstehen.

Zur Wahl stehen vier Farben: Obsidian, Berry, Lavender und Fog. Alternative Bänder – etwa aus Silikon, die nach dem Schwimmen nicht trocknen müssen – verkauft Google separat ab rund 45 Euro. Da der Tracker in einer eigenen Halterung sitzt, passen beliebige Uhrenarmbänder nicht. Passende Drittanbieter-Bänder gibt es aber zu Hauf bei Amazon, und das auch deutlich günstiger .
Pflegehinweis von Google: Nach dem Schwitzen oder nach Wasserkontakt sollte das Band abgenommen und vollständig getrocknet werden. Für ein Gerät, das rund um die Uhr getragen werden soll, ist das nicht immer praktikabel. Technisch ist der Tracker bis 50 Meter wasserdicht; Duschen und Schwimmen übersteht der Tracker also problemlos.
Bedienung ohne Bildschirm
Direkt am Gerät gibt es kaum etwas zu bedienen: Ein Doppeltipp lässt eine kleine LED aufleuchten, die anzeigt, ob der Akku über oder unter 20 Prozent liegt, und beendet Vibrationsalarme. Alles andere läuft über die App. Wer Uhrzeit, Puls oder Schrittzahl am Handgelenk ablesen oder Benachrichtigungen erhalten möchte, ist hier an der falschen Adresse. Die Vibration kennt nur zwei Intensitätsstufen; Tiefschläfer sollten den Wecker deshalb vor wichtigen Terminen ausprobieren. Denn meiner Meinung nach könnte der Fitbit Air ruihg noch ein wenig intensiver vibrieren.
Sensorik & Messgenauigkeit
Für ein 99-Euro-Gerät ist das Sensorpaket großzügig: Neben der Herzfrequenz erfasst das Fitbit Air die Herzfrequenzvariabilität, den Blutsauerstoffgehalt, die Atemfrequenz und Schwankungen der Hauttemperatur – Letztere können beispielsweise auf eine nahende Erkältung hindeuten. Die Pulsdaten werden im Zwei-Sekunden-Takt aufgezeichnet.
Unterm Strich misst der Tracker den Puls gut bis sehr gut. Bei Ruhepuls und gleichmäßiger Belastung liegt das Fitbit Air sehr nah an anderen Trackern; schnelle Pulswechsel bleiben aber die Achillesferse optischer Sensoren – so auch hier.
Der Tracker kann die Herzfrequenz zudem an andere Geräte weitergeben, etwa an ein Trainingsgerät. Dieser Modus geht allerdings spürbar zulasten der Akkulaufzeit. Dennoch für Sportler sicherlich ein interessantes Feature.

Herzgesundheit & Gesundheitsfunktionen
Das Fitbit Air warnt bei einem zu hohen oder zu niedrigen Puls sowie bei Anzeichen von Vorhofflimmern. Google hat für diese Funktion sogar eine behördliche Zertifizierung eingeholt. Gerade weil Vorhofflimmern häufig unbemerkt bleibt, kann die Warnung für Menschen mit erhöhtem Risiko – etwa durch Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen – ein sinnvolles Frühwarnsystem sein.
Wichtig zur Einordnung: Das Fitbit Air ist kein Medizinprodukt im Sinne einer Diagnose. Eine EKG-Funktion fehlt komplett, ein Verdacht lässt sich also nicht per Messung selbst überprüfen. Bei Warnungen oder Beschwerden gehört die Abklärung zum Arzt. Zusätzlich sollten Nutzer wissen, dass ihre Gesundheitsdaten über die Google-Health-App im Google-Ökosystem landen.
Ferner wurden nun erweiterte „Health-Guardian“-Funktionen angekündigt und ausgerollt, die Trends bei Blutdruck, Insulinresistenz und Atemqualität liefern sollen. Auch die Synchronisation mit Krankenakten gibt es zum Start nur in den USA.
Training & Sport
Training aufzuzeichnen funktioniert ohne Display anders als bei einer Smartwatch: Man startet die Einheit in der Google Health-App – oder überlässt es der automatischen Erkennung. Die App bietet dazu zahlreiche vorgefertigte, geführte Workouts, und der KI-Coach kann eigene Pläne erstellen. Wer sein Training lieber mit einer Smartwatch aufzeichnet, kann den Coach auch nachträglich informieren; er verbucht die Einheit dann rückwirkend.
Die automatische Trainingserkennung hat bei einigen Spaziergängen in die Stadt problemlos geklappt. Jedoch dauert es eine ganze Weile, ca. 15 Minuten, bis die Erkennung sauber funktioniert. Wer mag, startet Einheiten dennoch manuell in der App. Habe ich auch so gemacht.
Da ein eigenes GPS fehlt, zeichnet das Fitbit Air Laufstrecken zudem nur mit dem Smartphone auf. Ambitionierte Sportler sind laut inside digital mit einer klassischen Sportuhr besser bedient.

Google-Health-App & KI-Coach
Die Google-Health-App löst die bisherige Fitbit-App ab und läuft auf Android ab Version 11 und iOS ab 16.4; ein Google-Konto ist Pflicht. Das Material-You-Design mit vier klaren Bereichen (Dashboard, Fitness, Schlaf, Gesundheit) und ein anpassbares Dashboard ist intuitiv und deutlich besser als die alte Fitbit-App. Es lassen sich auch Mahlzeiten per Foto an den Coach für eine Auswertung schicken.
Was ist kostenlos, was kostet extra?
| Ohne Abo (kostenlos) | Mit Google Health Premium |
|---|---|
| Schritte, Kalorien, Distanz, Cardio-Belastung | KI-Gesundheitscoach (Gemini) mit Chat |
| Tagesform-Index, Schlafindex, Schlafphasen | Personalisierte Fitness- und Trainingspläne |
| Herzfrequenz, HRV, Atemfrequenz, SpO₂ | Ausführliche Schlafzusammenfassungen, proaktive Auswertungen |
| Warnungen zu Puls und Vorhofflimmern | Workout-Videos, Meditationen, Rezepte |
Preis des Abos: Drei Monate Premium sind im Kaufpreis enthalten. Danach kostet es 8,99 Euro im Monat oder 99,99 Euro im Jahr. Das Fitbit Air funktioniert aber auch ohne Abo.
Der KI-Coach im Praxistest
Der KI-Coach ist wohl die größte Neuerung in diesem Bereich seit Jahren: Er erstellte nach einem Gespräch über knappe Zeit und Prioritäten eine passende Sport- und Schlafroutine und passte sie ohne Vorwürfe an, wenn eine Einheit ausfiel. Der Coach lernt den Nutzer laut Google mit der Zeit besser kennen und gibt persönlichere Tipps. Wie bei jedem KI-Assistenten gilt: Gesundheitsaussagen nicht ungeprüft übernehmen.
Praktisch: Das Fitbit Air arbeitet gut mit der Pixel Watch zusammen, die dieselbe App nutzt. Wer die Uhr nachts nicht tragen möchte, legt sie ab, und der Tracker übernimmt nahtlos das Schlaftracking. Beide Geräte lassen sich sogar gleichzeitig tragen; die App sortiert die Daten automatisch.



Akkulaufzeit & Laden
Ohne Display schont das Fitbit Air den Akku. Google verspricht bis zu sieben Tage, und man erreicht locker diesen Wert. Ich habe nach 1 Woche kontinuierlichen Tragens am Ende noch immer knapp 20 Prozent Restakku gehabt. Das variiert natürlich, wenn man z.B. täglich Trainingseinheiten absolviert, da kann es sein, dass dass vielleicht doch ein paar Prozentpunkte weniger übrig sind.
Der Tracker muss zum Laden vom Handgelenk genommen und an ein magnetisches Spezialkabel gehängt werden – ein gewöhnliches USB-C-Kabel passt nicht, Ersatz kostet bei Google knapp 30 Euro, ein Netzteil liegt nicht bei.

Fitbit Air vs. Whoop
| Kategorie | Google Fitbit Air | Whoop (Strap 5.0 / MG) |
|---|---|---|
| Kosten | Einmalig ca. 100 €, Abo optional | Nur im Abo: ab 199 €/Jahr, MG 399 €/Jahr |
| Nutzbar ohne Abo | Ja, Basisdaten inklusive | Nein |
| Trainingserkennung | Uneinheitlich, oft manueller Start | Automatisch und zuverlässig |
| EKG | Nicht vorhanden | Nur im MG-Modell |
| Akkulaufzeit | 7–10 Tage | Bis zu 2 Wochen (5.0) |
| Ladekonzept | Tracker muss abgelegt werden | Laden im Betrieb per Zusatzakku |
| Verarbeitung / Tragegefühl | Sehr leicht, 17 mm schmal | Netzwelt: wirkt klapprig und unausgereift |
| GPS / NFC | Nein | Nein |
| KI-Coach | Gemini-Coach, nur mit Premium | Im Abo enthalten |
Weitere Alternativen im Segment der Tracker ohne Display sind auch das Amazfit Helio Strap, der Polar Loop und der Garmin Cirqa.
Stärken & Schwächen
✓ Stärken
- Extrem leicht (12 g) und unauffällig, ideal für die Nacht
- Genaue Pulsmessung im Alltag und beim Training
- Akku hält 7–10 Tage durch
- Schnellladen: wenige Minuten reichen für einen weiteren Tag
- Viele Gesundheitsdaten dauerhaft ohne Abo nutzbar
- Warnung bei möglichem Vorhofflimmern
- Bis 50 m wasserdicht, Duschen und Schwimmen möglich
- Einmaliger Kaufpreis statt Pflicht-Abo
- Harmoniert mit Pixel Watch, Daten werden automatisch zusammengeführt
✗ Schwächen
- Kein Display – jede Information nur über das Smartphone
- Kein GPS, kein NFC, kein EKG
- Trainingserkennung uneinheitlich, oft manueller Start nötig
- KI-Coach und viele beworbene Funktionen nur mit Premium-Abo
- Coach laut Tests zu nachsichtig bzw. drängt sich auf
- Google-Konto, Internet und Standortfreigabe zwingend
- Spezialkabel zum Laden, Ersatz ca. 30 €, kein Netzteil im Karton
- Nylonband für manche Handgelenke unbequem
- Vibration nur in zwei Stufen
Für wen eignet sich das Fitbit Air?
Kaufempfehlung für:
- Menschen, die Schlaf, Erholung und Herzgesundheit diskret im Blick behalten wollen
- Fitness-Einsteiger, die den Wert eines KI-Coachs ausprobieren möchten
- Träger einer analogen Uhr oder Pixel Watch, die einen zweiten Tracker für die Nacht suchen
- Alle, die ein Whoop-Konzept ohne teures Jahres-Abo wollen
- Nutzer, die bewusst keinen weiteren Bildschirm am Handgelenk möchten
Lieber nicht kaufen, wenn:
- Uhrzeit, Puls oder Benachrichtigungen am Handgelenk gebraucht werden
- GPS-Läufe ohne Smartphone oder kontaktloses Bezahlen wichtig sind
- Jede Trainingseinheit zuverlässig automatisch erfasst werden soll
- Ein EKG oder echte Medizinprodukt-Funktionen gewünscht sind
- Datenschutzbedenken gegen Googles Gesundheitsökosystem bestehen
Fazit
Das Google Fitbit Air erfüllt seine Kernaufgabe überzeugend: Es ist federleicht, hält länger durch als versprochen und liefert schon ohne Abo einen ungewöhnlich umfangreichen Datensatz mit sehr ordentlicher Pulsgenauigkeit. Für knapp 100 Euro und ohne Zwangs-Abo ist es eine echte Alternative zum deutlich teureren Whoop.
Die Schwächen liegen vor allem im Drumherum: Die Google-Health-App mit dem KI-Coach ist hinter dem Premium-Abo versteckt, die automatische Trainingserkennung ist nicht verlässlich und ohne GPS, NFC und EKG bleibt die Ausstattung schlank. Wer den Tracker langfristig mit Premium nutzen will, sollte die Folgekosten von rund 100 Euro pro Jahr von Beginn an einplanen.
Der Kauf lohnt sich für alle, die Gesundheits- und Schlafdaten unauffällig sammeln möchten, ohne eine Smartwatch am Handgelenk zu tragen. Ambitionierte Sportler oder Nutzer, die ein Display brauchen, sind mit einer klassischen Sport- oder Smartwatch besser beraten.
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