Kia EV5 Facelift: Erlkönige enthüllen radikalen Cockpit-Umbau

Kia fackelt beim Kia EV5 nicht lange und schiebt überraschend früh eine umfassende Modellpflege an. Obwohl das kompakte Familien-SUV in vielen westlichen Ländern gerade erst bei den Händlern ankommt, drehen in Südkorea bereits völlig ungetarnte Prototypen ihre Runden. Die Spyshots machen schnell klar: Die Koreaner warten gar nicht erst auf die übliche Halbzeit im Modellzyklus, sondern krempeln das Cockpit schon jetzt einmal komplett auf links.
Auf den ersten Blick wirkt die Eile ungewöhnlich, doch der internationale Druck im Segment zwischen Tesla Model Y und den aufstrebenden China-Stromern ist gewaltig. Kia greift daher tief in den Baukasten und spendiert dem EV5 eine Cockpit-Architektur, die sich grundlegend vom bisherigen Layout unterscheidet.
Pleos-Cockpit und Breitwand-Kino bis zum Beifahrersitz
Bisher vertraute der Stromer auf die bekannte Display-Kombi aus zwei 12,3-Zoll-Bildschirmen und einem kleinen 5,3-Zoll-Klimablock. Bei den ungetarnten Testwagen zeigt sich nun ein komplett anderer Aufbau: Hinter dem Lenkrad sitzt lediglich ein flaches, eigenständiges Instrumenten-Display, während ein gigantischer Widescreen von der Mittelkonsole bis weit vor den Beifahrersitz reicht. Das erinnert stark an Hyundais neues Pleos-Infotainmentsystem und das ultrabreite 27-Zoll-Panel.
Wer im Auto gerne echte Knöpfe drückt, muss jetzt allerdings stark sein. Kia räumt die Mittelkonsole rigoros auf: Die bisherigen physischen Funktionstasten fliegen raus und weichen einem geschlossenen Rollo-Fach mit cleaner Oberfläche. Die gesamte Bedienung wandert fast ausnahmslos in die Menüs des Touchscreens.
Dass Kia den Innenraum derart umkrempelt, ist auch eine Antwort auf die wachsende Kritik an bisherigen Software-Lösungen. Ähnlich wie ich es schon beim Schwestermodell Kia EV3 im Alltags-Check beobachtet habe, wo die Koreaner noch tapfer an physischen Tasten festhielten, wagt Kia beim EV5 nun den Schritt zur volldigitalen Kommandozentrale.
Robuste WKNDR-Front und das hartnäckige 800-Volt-Gerücht
An der Front hält Kia die Füße weitgehend still: Die kantige Motorhaube und die schmalen Scheinwerfer bleiben unangetastet, dafür greifen die Designer bei der Schürze tiefer ins Regal. Der Stoßfänger wirkt deutlich robuster und übernimmt sichtbare Anleihen der Offroad-Studie EV5 WKNDR, inklusive dunkler Schutzleisten und angedeutetem Unterfahrschutz.
Unter dem Blech bleibt die spannendste Frage vorerst unbeantwortet: Zieht Kia endlich die 800-Volt-Karte? Bislang basiert das Modell auf der abgespeckten 400-Volt-Plattform N3 eK, was die maximale Ladeleistung auf magere 140 bis 150 kW begrenzt. An der HPC-Säule braucht der große 81,4-kWh-Akku von 10 auf 80 Prozent rund 38 Minuten.
Rechnet man diesen Wert mal eben gegen die echten 800-Volt-Geschwister auf, wird der Klassenunterschied brutal deutlich: Ein sportlicher Kia EV6 GT zieht dieselbe Ladung von 10 auf 80 Prozent in gerade einmal 18 Minuten durch. Der EV5 steht mit gut 20 Minuten zusätzlicher Standzeit mehr als doppelt so lange an der Raststätte. Zwar halten sich Gerüchte über ein Upgrade auf die vollwertige E-GMP-Architektur hartnäckig in der Gerüchteküche, offizielle Bestätigungen dafür gibt es für das Facelift aber noch nicht.
Starttermin 2027: Was bedeutet das für den deutschen Markt?
Geduld ist trotzdem gefragt. Erste Vorserienmodelle des Facelifts wurden mit Aufklebern für den asiatischen Raum gesichtet. Da der reguläre EV5 in China bereits 2023 an den Start ging, folgt der reguläre Facelift-Zyklus dort planmäßig für das Modelljahr 2027.
Für deutsche Interessenten sorgt das Timing für eine reichlich kuriose Lage: In Südkorea spult die Modellpflege schon ihre Testkilometer ab, während bei uns gerade erst die Bestellbücher für den Kia EV5 mit Allrad und GT-Trims geöffnet wurden. Wer hierzulande heute unterschreibt, bekommt also einen Stromer vor die Tür gestellt, dessen großes Innenraum-Update am Horizont schon mit den Hufen scharrt.
Ob das ultrabreite Beifahrer-Display und der radikale Tasten-Verzicht am Ende ein echter Fortschritt sind oder beim Fahren schlicht nerven, muss sich erst noch zeigen. Für mich steht jedenfalls fest: Wenn Kia die 38-Minuten-Ladezeit nicht spürbar drückt, nützt auch das schönste Breitwand-Kino im Cockpit wenig.
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