Kia EV6 GT: Zersägt Tesla Model Y im deutschen Vergleichstest

Ich hätte vor diesem Testbericht jede Wette verloren: Wer gegen Tesla und die anrollende China-Welle auf die Rennstrecke geht, zieht fahrwerkstechnisch meist den Kürzeren. Doch der jüngste Härtetest der Fachzeitschrift Auto Motor und Sport belehrt mich eines Besseren: Der Kia EV6 GT holt sich mit 585 Punkten den Gesamtsieg und verweist das Tesla Model Y Performance (576 Punkte) auf Platz zwei. Für mich ist das mehr als ein Achtungserfolg – es ist eine Abrechnung auf der Rundstrecke.
Die Ergebnisse des AMS-Vergleichstests im Überblick
| Rang & Modell | Gesamtpunkte | Fahreigenschaften | Antrieb | Sicherheit | Preis (Deutschland) |
| 1. Kia EV6 GT | 585 Pkt. (Sieger) | 96 Pkt. | 105 Pkt. | 89 Pkt. | 69.990 Euro |
| 2. Tesla Model Y Performance | 576 Pkt. | 76 Pkt. | – | – | 63.970 Euro |
| 3. Zeekr 7GT Privilege AWD | 569 Pkt. | – | – | – | – |
| 4. Polestar 4 Coupe Dual Motor | 531 Pkt. | – | – | – | – |
| 5. BYD Sealion 7 AWD Excellence | 508 Pkt. | – | – | – | – |
20 Punkte Vorsprung: Wo Kia den Platzhirsch alt aussehen lässt
Auf dem Gesamtzettel wirken die Abstände trügerisch eng. Tesla landet mit 576 Punkten nur 9 Zähler hinter dem Koreaner. Dahinter folgen der Zeekr 7GT (569 Punkte), der Polestar 4 Coupe Dual Motor (531 Punkte) und der BYD Sealion 7 AWD Excellence mit mageren 508 Punkten. Bewertet wurden alle fünf Stromer in sieben Kategorien: Karosserie, Sicherheit, Komfort und Bedienung, Antrieb, Fahreigenschaften, Umwelt sowie Kosten.
Entschieden wurde das Duell nicht an der Ladesäule, sondern in den Kurven. Kia sicherte sich drei Teildisziplinen: Sicherheit, Antrieb und Fahreigenschaften. Vor allem bei der Querdynamik fiel das Urteil vernichtend aus: Der Kia EV6 GT kassierte 96 Punkte, während das Tesla Model Y Performance mit 76 Punkten regelrecht abgehängt wurde.
20 Punkte Differenz bei den reinen Fahreigenschaften sind in dieser Leistungsklasse eine Welt. Dass Kia mit dem überarbeiteten Fahrwerk und dem 84-kWh-Akku gezielt nachgebessert hat, zahlt sich auf anspruchsvollen Streckenprofilen voll aus. Während der Koreaner bei harten Lastwechseln satt auf dem Asphalt liegt, wirkt der Tesla spürbar nervöser.
Die Überlegenheit belegen auch die harten Bremsmessungen von Auto Motor und Sport. Aus Tempo 100 km/h stand der EV6 GT mit kalten Bremsen nach 34,5 Metern und mit warmer Anlage nach 33,5 Metern – Bestwerte im gesamten Testfeld. Auch im Slalom und beim doppelten Spurwechsel setzte der Koreaner die Bestmarken.
Debakel für BYD: Reine PS-Zahlen gewinnen keine Tests
Während an der Spitze um Zehntel gekämpft wurde, erlebte China ein handfestes Debakel. Dass der BYD Sealion 7 AWD Excellence mit 508 Punkten und 77 Punkten Rückstand als Schlusslicht ins Ziel trudelt, überrascht mich kaum. Schon im ausführlichen Fahrbericht zeigte sich, dass der BYD Sealion 7 auf der Straße spürbar patzt, sobald Querdynamik und Lenkpräzision gefordert werden. Reine Datenblatt-Power ersetzt eben keine feinfühlige Dämpferabstimmung.
Die Klatsche reiht sich nahtlos in die aktuellen Hiobsbotschaften des Konzerns ein. Erst vor wenigen Wochen sorgte der Verkaufsstopp für den elektrischen Seal U für Unruhe im Händlernetz. Wenn das sportliche Aushängeschild der Sealion-Reihe nun selbst gegen den Polestar 4 und den Zeekr 7GT keinen Stich sieht, zeigt das schonungslos: Hohe Systemleistung auf dem Papier gewinnt in Europa keinen Blumentopf mehr.
650 PS und Getriebesimulation gegen Teslas Reichweitenvorteil
Unter dem Blech packt der Kia EV6 GT die Brechstange aus: 650 PS (478 kW) und 770 Nm Drehmoment treiben beide Achsen an. Der Spurt von 0 auf 100 km/h gelingt in 3,5 Sekunden – exakt gleichauf mit dem Kontrahenten aus Grünheide. Ein echter Gewinn für Rundstrecken-Fans ist das vom Hyundai Ioniq 5 N spendierte Virtual Gear Shift. Das System simuliert über Lenkradpaddel die Schaltstufen und Zugkraftunterbrechungen eines Sechsgang-Getriebes samt passender Soundkulisse. Was nach alberner Spielerei klingt, verschafft beim Anbremsen vor Kurven verblüffend viel Orientierung.
Im Cockpit zieht Kia mit dem ccNC-System (connected car Navigation Cockpit) und zwei gebogenen 12,3-Zoll-Displays nach. Dazu lädt der neue 84-kWh-Akku dank 800-Volt-Technik in nur 18 Minuten von 10 auf 80 Prozent.
Die Kehrseite bleibt der Preis. In Deutschland startet der Kia EV6 GT bei 69.990 Euro. Das Tesla Model Y Performance ist mit 63.970 Euro rund 6.000 Euro günstiger und bietet mit 580 Kilometern (360 Meilen) nach WLTP gegenüber Kias 279 Meilen spürbar mehr Ausdauer. Obwohl das Tesla Model Y bei der Effizienz und der Alltagsreichweite vorn bleibt, liefert Kia das kompromisslosere Sportgerät. Für mich ist das Ergebnis eindeutig: Wer echte Fahrdynamik will, muss den Aufpreis zahlen.
Schmidtis Blog zu Deiner bevorzugten Quelle bei Google hinzufügen
Links mit einem * sind Partner-Links. Durch einen Klick darauf gelangt ihr direkt zum Anbieter. Solltet ihr euch dort für einen Kauf entscheiden, erhalte ich eine kleine Provision. Für euch ändert sich am Preis nichts. Danke für eure Unterstützung!
