Kia Niro EV: 97 % Akku nach 100.000 km – und Tesla schmiert ab

schräge Frontansicht eines weißen Kia Niro EV 2023
Quelle: Kia
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Wer heute ein gebrauchtes E-Auto kauft, hat eine Zahl im Kopf, die alles andere plattmacht: den State of Health der Batterie. Nicht die Lackierung, nicht die Sitzheizung. Der Akku. Und genau da liefert eine schwedische Auswertung mit fast 10.000 Tests jetzt harte Zahlen, die das Narrativ vom schnell sterbenden E-Auto-Akku endgĂĽltig beerdigen.

Überraschend ist dabei nicht, dass die Batterien halten. Überraschend ist, wer ganz oben steht – und wer schwächelt.

Ein Koreaner schlägt alle

Carla.se, ein schwedischer Gebrauchtwagenhändler, hat 9.954 Batterietests ausgewertet. Alle gemessen zwischen 2022 und 2026 mit der Diagnose-Hardware von Aviloo. Nur Fahrzeuge mit mehr als 100.000 Kilometern auf dem Tacho und ausreichend großer Datenbasis schafften es ins Ranking. Kein Cherry-Picking.

Und ganz oben? Kein Tesla. Kein Porsche. Der Kia Niro EV mit 64-kWh-Batterie hält nach über 100.000 Kilometern im Schnitt noch 97,3 Prozent seiner ursprünglichen Kapazität.

Direkt dahinter folgt der Hyundai Kona Electric mit 97,2 Prozent, gefolgt vom Kia EV6 mit 96 Prozent. Auch der Volvo XC40 Recharge und der Polestar 2 (beide mit CATL-Akkus) kratzen an der 94-Prozent-Marke. Selbst das Schlusslicht der Top 20, der VW ID.3 mit 58-kWh-Akku, liefert mit knapp 92 Prozent noch solide ab.

Ich fahre selbst seit Jahren elektrisch. Ich erinnere mich noch gut an die Nissan-Leaf-Ära, wo die Reichweite nach 60.000 Kilometern spürbar einbrach. Was Kia und Hyundai hier abliefern, ist das Ergebnis jahrelanger, unaufgeregter Ingenieursarbeit.

Die lahme Kehrseite der Medaille

Aber wo Sonne ist, ist auch Schatten. Den phänomenalen Akkuzustand erkauft sich der Niro EV mit einem dicken Haken im Alltag. An der Schnellladesäule brennt der Stromer schlicht kein Feuerwerk ab.

Bei etwa 85 kW Peak ist Schluss. Danach sackt die Ladekurve zügig auf 60 kW ab. Das schont die Zellen ungemein. Es nervt aber gewaltig, wenn ich im fiesen Nieselregen an der Raststätte stehe und Däumchen drehe. Schnarchiges Laden rettet zwar das Zellleben. Ein fieser Kompromiss bleibt es trotzdem.

Tesla: Gleiche Hülle, völlig andere Zell-Realität

UngemĂĽtlich wird es fĂĽr die Marke, die sich jahrelang als Batterie-Pionier inszeniert hat. Das Tesla Model 3 beweist in der Auswertung, dass Model 3 nicht gleich Model 3 ist.

Steckt der LFP-Akku von CATL im Unterboden, stehen nach 100.000 Kilometern noch 93,3 Prozent auf dem Tacho. Solide. Mit LG-Chem-Zellen fällt der Wert jedoch auf 91,5 Prozent, mit Panasonic auf 89,8 Prozent. Die kleine 52,4-kWh-Batterie von Panasonic landet sogar bei mageren 88,2 Prozent.

Das sind keine Rundungsfehler. Zwischen dem besten und dem schlechtesten Model 3 liegen über fünf Prozentpunkte Kapazität. Das bedeutet im Alltag 20 bis 30 Kilometer Reichweite weniger. Jeden einzelnen Tag.

Hier höre ich auf zu relativieren. Tesla hat über Jahre hinweg verschiedene Zelllieferanten verbaut, ohne dass der Käufer beim Neuwagenkauf transparent erfahren hat, welche Chemie in seinem Auto steckt. Wer 2021 ein Model 3 bestellt hat, wusste schlicht nicht, ob er CATL-LFP oder Panasonic bekommt. Das ist kein Kavaliersdelikt. Das ist ein fundamentales Transparenzproblem, das sich jetzt knallhart im Restwert niederschlägt. Punkt.

Warum Zellchemie und Ladekurven den Restwert diktieren

Die Carla.se-Zahlen legen offen, was in der Industrie seit Jahren unter der Oberfläche brodelt: LFP (Lithium-Eisenphosphat) altert langsamer als NMC (Nickel-Mangan-Cobalt) oder NCA, verträgt mehr Ladezyklen und ist thermisch stabiler. Der Preis dafür ist eine geringere Energiedichte – das Auto wird schwerer. CATL hat LFP jedoch so weit skaliert, dass der Kostenvorteil von 20 bis 30 Prozent pro kWh den Gewichtsnachteil für den Massenmarkt kompensiert.

Dahinter stecken zwei völlig verschiedene Philosophien: Kia und Hyundai setzen auf ein extrem konservatives Batteriemanagement und geringere Peak-Ladeleistungen, um die Zellen nie an ihre thermischen Grenzen zu treiben. Tesla optimierte dagegen jahrelang auf maximale Energiedichte, Beschleunigung und Ladeperformance. Die Langzeitdaten zeigen jetzt schwarz auf weiß, welche Philosophie sich im Geldbeutel des Zweitbesitzers niederschlägt.

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