Xiaomi Pad 9: Größerer Akku, lahmere Ladezeiten – der Haken an der 3C-Zertifizierung

Ein größerer Akku klingt auf dem Datenblatt nach einem klaren Sieg. Im Alltag bringt mehr Kapazität aber vor allem eines: längere Pausen an der Steckdose, wenn der Saft weiterhin im Schneckentempo fließt. Die frische Zertifizierung des Xiaomi Pad 9 legt genau diesen wunden Punkt offen.
In den Datenbanken der chinesischen 3C-Behörde ist das Tablet unter der Modellnummer M656BA aufgetaucht. Als Auftragsfertiger steht die BYD-Tochter Xi’an BYD Electronics Co., Ltd. in den Unterlagen. Leaker Digital Chat Station hat die restlichen Daten nachgeschoben. Ein Detail sticht sofort ins Auge – und sorgt für Frust. Geladen wird weiterhin mit maximal 45 Watt.
Mehr Kapazität erzeugt schlechtere Ladezeiten
Der Blick auf die Zahlen entlarvt die Marketing-Falle. Das Xiaomi Pad 8 kam noch mit 9.200 mAh auf den Markt. Beim Pad 9 wächst der Energiespeicher auf 9.720 mAh an.
Das ist ein Plus von 520 mAh oder knapp 5,6 %. Klingt nett. Physik lässt sich aber nicht austricksen. Wer eine größere Batterie mit unveränderten 45 Watt füttert, wartet schlicht länger. Statt der gewohnten Ladezeit hängt das Tablet nun gut 15 bis 20 Minuten länger am Kabel, bis die 100 Prozent stehen. Für mich unterwegs ein echter Rückschritt.
Leistungssprung nur im teuren Pro-Modell
Beim Prozessor zieht Xiaomi die gewohnte Trennlinie. Im regulären Pad 9 steckt voraussichtlich der Snapdragon 8s Gen 4. Das ist derselbe Chip, der schon im Vorgänger seine Runden dreht. Zero Innovation im Basismodell.
Wer spürbar mehr Leistung will, muss zum Pad 9 Pro greifen. Dort verbaut der Hersteller den Snapdragon 8 Gen 5. Das Tablet soll noch Ende dieses Jahres zusammen mit den Flaggschiffen der Xiaomi 18 Serie in China starten. Wer beim Standard-Modell spart, kriegt eben nur aufgewärmte Hardware.
Warum Xiaomi beim Laden bremst und BYD die Regie führt
Dass Xiaomi die Ladeleistung bei 45 Watt einfriert, ist kein Versehen. Das ist knallharte Betriebswirtschaft. Die Fertigung über den ODM-Partner BYD Electronics zwingt beide Seiten zu extrem knappen Margen. Höhere Ladeleistungen würden teurere Lade-ICs, aufwendigere Kühllösungen und dickere Platinen-Kupferbahnen erfordern.
Zusätzlich schützt Xiaomi die eigene Bilanz. Aggressives Schnellladen stresst die Akkuchemie und erhöht die Garantiequote nach ein bis zwei Jahren. Das Sparprogramm schlägt hier doppelt zu: Xiaomi spart Komponentenkosten bei der Fertigung und schiebt das Risiko längerer Ladezeiten komplett auf den Kunden ab.
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