Leapmotor: Mit Zweitmarke und LEAP 5.0 zum Apple-Moment

Leapmotor Tech Day 2026
Quelle: Stellantis Germany GmbH
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Auf dem Tech Day 2026 im chinesischen Huzhou hat Leapmotor-Gründer Zhu Jiangming eine Ankündigung gemacht, die in der Branche für reichlich Diskussionsstoff sorgt. Der chinesische Hersteller plant für das vierte Quartal 2027 den Start einer völlig eigenständigen Zweitmarke. Dabei bedient sich das Management ungeniert bei Vergleichen aus der Konsumelektronik: Das Ziel ist schlicht der Bau des „iPhone der Autoindustrie“. Das Fahrzeug soll sich vom reinen Transportmittel zum vernetzten, mobilen Lebensraum wandeln.

Wer die Entwicklung des Unternehmens verfolgt, sieht in diesem Schritt eine bewusste Weiterentwicklung. Leapmotors aggressiver Expansionskurs im Plattform-Geschäft setzt etablierte Konkurrenten in China und Europa bereits gehörig unter Druck. Mit der zweiten Marke will man nun gezielt eine Klientel ansprechen, für die digitale Integration und Raumgefühl schwerer wiegen als traditionelle Autowerte.

LEAP 5.0 schafft Raumkonzept im Loft-Stil

Als technisches Fundament für die neue Marke dient die frisch vorgestellte Architektur LEAP 5.0, die ab 2027 in die Serie einzieht. Leapmotor bricht bei dieser Plattform mit gewohnten Konstruktionsmustern und setzt auf ein extrem tief gebautes Skateboard-Chassis mit durchgehend ebenem Boden. In Kombination mit einer geänderten Dachlinie steigt die Innenraumhöhe im Vergleich zu bisherigen Konzepten um beeindruckende 63,7 Prozent.

Das Ziel der Konstrukteure ist ein offener Innenraum im Loft-Stil, der Insassen ein völlig neues Raumgefühl vermitteln soll. Auch im Bereich der Vorderachse haben die Ingenieure den Rotstift an alten Platzfressern angesetzt. Durch eine vertikale Anordnung der Stoßdämpfer mit speziellen Aluminiumtürmen wird spürbar Bauraum im Vorderwagen frei. Für die Passagiere in der ersten Sitzreihe bedeutet diese Umgestaltung laut Werksangaben ein Plus von 37,5 Prozent bei der seitlichen Beinfreiheit.

Bisher machte sich der Hersteller vorrangig als Preisbrecher einen Namen, was der Leapmotor B03X als günstiger Stromer im europäischen Alltag unter Beweis stellt. Mit LEAP 5.0 will das Unternehmen beweisen, dass man nicht mehr nur über den Verkaufspreis, sondern über echte Raum- und Komfortkonzepte Kunden gewinnen kann.

CTC 3.0 gestattet den Verzicht auf die 12-Volt-Batterie

Neben der reinen Fahrzeugarchitektur präsentierte der Hersteller in seinem Batteriewerk in Huzhou die nächste Evolutionsstufe der Akku-Integration: die CTC 3.0 High Low Fusion Battery. Das herausragende Merkmal dieser neuen Batteriegeneration ist die vollständige Zusammenlegung von Hoch- und Niedervoltkreisläufen direkt im Akkupack.

Dieser Schritt macht ein Bauteil überflüssig, das seit Jahrzehnten in nahezu jedem Pkw mitgeschleppt wird: die klassische 12-Volt-Blei-Säure-Batterie. Durch den Entfall des separaten Stromspeichers sinkt nicht nur das Gesamtgewicht des Fahrzeugs, sondern auch der Wartungsaufwand während der Haltungsdauer. Zudem entfällt eine der Hauptursachen für unverhoffte Pannen bei Elektroautos, da schwächelnde 12-Volt-Akkus regelmäßig für Systemausfälle sorgen.

Für die Produktion bedeutet das kompaktere Design vereinfachte Montageabläufe in den Fertigungshallen. Auch die eng gekoppelte Stellantis-Kooperation mit Opel-Modellen könnte von dieser schlankeren Batterietechnik profitieren, falls Stellantis die neue Plattform für europäische Ableger übernimmt.

Vom Preiskämpfer zum digitalen Lebensraum

Der angestrebte Zeitplan für die neue Submarke ist stramm gesteckt. Für Q4 2027 ist die offizielle Premiere der ersten Serienfahrzeuge vorgesehen. Noch hält sich Leapmotor mit konkreten Modellbezeichnungen, Leistungsdaten oder Karosserieformen bedeckt. Fest steht lediglich, dass die neuen Fahrzeuge exklusiv auf der LEAP 5.0-Plattform aufbauen werden.

Der Vergleich mit Apple ist im Automobilsektor zwar eine beliebte Metapher, birgt jedoch erhebliche Risiken. Ein Raumkonzept mit Loft-Anmutung entfaltet seine Wirkung erst dann, wenn die Software auf den zentralen Bordsystemen fehlerfrei und intuitiv läuft. Die Hardware-Ansätze rund um das Skateboard-Chassis und die CTC 3.0-Batterie wirken durchdacht, nun muss die Software-Konnektivität mit dem hohen Anspruch Schritt halten.

Die Ansage aus Huzhou ist eindeutig. Leapmotor gibt sich nicht mehr mit der Rolle des günstigen Verfolgers zufrieden, sondern will die technologische Speerspitze besetzen. Ab 2027 wird sich zeigen, ob Kunden dem chinesischen Hersteller den Wandel vom Pragmatiker zum Premium-Tech-Pionier abkaufen.

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