Mercedes E-Klasse: Schluss mit Seifenschale, 1000 PS Elektro

Ich habe mir die ersten Erlkönigaufnahmen der neuen elektrischen E-Klasse angesehen, über die zuerst AutoExpress berichtet hat. Das rundgelutschte Seifenschalen-Design des bisherigen EQE war schlicht ein optischer Reinfall, der viele Stammkunden zur Konkurrenz getrieben hat.
Stuttgart korrigiert diesen Kurs nun grundlegend. Die nächste Generation des Business-Stromers verabschiedet sich vom fließenden Aero-Look und setzt wieder auf eine echte Stufenhecklimousine. Die offizielle Premiere ist für 2027 angesetzt, der Einstiegspreis dürfte bei rund 65.000 Pfund (ca. 77.000 Euro) liegen. Damit nimmt der Stern direkt den BMW i5 und den Audi A6 e-tron ins Visier.
Schluss mit der Ei-Form: Warum das klassische Stufenheck zurückkehrt
Die Proportionen des Prototyps sprechen eine klare Sprache. Statt einer flachen Monobox-Silhouette zeigt die kommende Elektro-Klasse eine lange Motorhaube, eine klar definierte Fahrferzelle und einen eigenständigen Kofferraumdeckel. Mercedes hat intern umsteuern müssen und bereits das Aus für den EQE beschlossen, um die Markenidentität im Oberklasse-Segment wieder scharfzuzeichnen. Verbrenner und E-Auto werden künftig visuell viel enger aneinanderrücken.
An der Front unterscheiden sich die beiden Antriebswelten dennoch deutlich. Ähnlich wie bei der Technik der elektrischen C-Klasse nutzt die elektrische E-Klasse den neu gestalteten, beleuchteten Kühlergrill. Die Scheinwerfer tragen bereits das doppelte Stern-Motiv der S-Klasse. Spannend wird es am Heck: Statt des durchgehenden Leuchtenbands verbaut das Team rund um den neuen Designchef Bastian Baudy schmale, horizontal geschichtete Lichtleisten. Das erinnert auffällig an die gerippten Rückleuchten der legendären Bruno-Sacco-Ära aus den 70er- und 80er-Jahren – eine erfrischende Abkehr vom bisherigen Design-Einheitsbrei.
39-Zoll-Screen und flacher Boden: MB.EA macht den Innenraum frei
Im Cockpit übernimmt der Schwabe das digitale Schwergewicht der kleineren Geschwister. Ein gigantisches 39 Zoll breites Display erstreckt sich von A-Säule zu A-Säule über das gesamte Armaturenbrett. Das wirkt zwar extrem futuristisch, lässt dem Käufer allerdings kaum noch Raum für individuelle Designausstattungen.
Der wirkliche Vorteil der neuen Elektro-Plattform MB.EA zeigt sich im Fond. Die Ingenieure nutzen die dedizierte Architektur für einen komplett flachen Innenraumboden in der zweiten Sitzreihe. Zusammen mit der deutlich kastenartigeren Dachlinie und dem steiler stehenden Heckfenster wächst die Kopffreiheit spürbar.
Auch beim Energiespeicher legen die Entwickler nach. Um Zielreichweiten von 450 bis 500 Meilen (bis zu 800 Kilometer) im Alltagsbetrieb zu knacken, wandert ein Akku mit geschätzten 110 bis 120 kWh Kapazität in den Unterboden. Während BMW beim i5 weiterhin auf eine Mischarchitektur setzt, verschafft sich Mercedes hier einen echten Konstruktionsvorteil.
Axialflussmotoren aus Affalterbach: Über 1.000 PS im Business-Stromer
Das Motoren-Portfolio startet mit einer breiten Palette aus Heck- und Allradantrieben. Als Speerspitze deutet sich eine extrem potente AMG-Ausführung an. Für die Spitzenmodelle steht die Integration der extrem kompakten Axialflussmotoren im Raum, die ursprünglich für den elektrischen AMG GT 4-Türer entwickelt wurden.
Mit dieser Leistungsdichte könnte die elektrische E-Klasse in ihrer stärksten Auslegung die Grenze von 1.000 PS (736 kW) durchbrechen. Dass Mercedes die Verbrenner-E-Klasse 2027 parallel mit einem umfassenden Modellpflege-Update ausstattet, sichert die Übergangsphase ab. Die Rückkehr zu einer klassischen Silhouette zeigt jedoch deutlich, dass der Ausflug in die formlose Aerodynamik-Welt endgültig zu Ende ist.
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