Pixel 11: Google will Face Unlock aufmöbeln – aber ohne neue Hardware
Google hat da ein echtes Problem. Das Face Unlock bei den Pixel-Smartphones läuft super – solange draußen die Sonne scheint. Aber wehe, es wird dunkel oder auch nur ansatzweise schummrig. Dann ist das Feature im Alltag praktisch unbrauchbar. Die Lösung für den kommenden Herbst? Nein, kein Infrarot-Projektor oder eine Punktmusterkamera wie bei Apple. Google glaubt ernsthaft, das Ganze über smarte Software und einen neuen Bildsignalprozessor (ISP) zu regeln. Ganz ehrlich? Mutig. Oder verdammt naiv.
Ich hab Face Unlock auf meinem Pixel 9 Pro XL schon nach ein paar Tagen komplett abgeschaltet. Warum? Weil der Fingerabdrucksensor einfach sitzt – schnell, zuverlässig und ohne Drama genau da, wo er hingehört. Face Unlock ist dagegen oft ein reines Lottospiel. Mal klappt’s, mal steht man im Dunkeln. Und genau dann, wenn man es braucht, versagt die Kiste kläglich.
Apple hat das Thema schon 2017 abgehakt. Mit Hardware, und zwar einer ordentlichen Portion davon. Die „Dynamic Island“ beim iPhone ist ja nicht aus Spaß so riesig – da sitzen ein echter Infrarot-Sensor und ein Punktprojektor drin. Das sorgt dafür, dass Face ID selbst bei absoluter Dunkelheit blind funktioniert.
Google will mit der Pixel 11 Serie jetzt denselben Erfolg, aber ohne diese klobigen Bauteile. Stattdessen soll der neue Tensor G6 mit seinem überarbeiteten GXP-Bildsignalprozessor die Daten der normalen Frontkamera so clever berechnen, dass die Erkennung auch im Düstern blitzschnell und sicher läuft. Die Infos stammen übrigens von Mystic Leaks, der ja erst kürzlich den Tensor G6 für das kommende Pixel 11a bestätigt hatte.
Warum Google nicht einfach Apple kopiert (Kohle & Design)
Warum man in Mountain View einen Bogen um die teuren Sensoren macht? Das hat vor allem zwei handfeste Gründe: Geld und das Display-Design.
- Der Platzfaktor: Apples Face-ID-Komponenten fressen extrem viel Platz im Gehäuse, treiben die Produktionskosten hoch und zwingen Apple zu dieser markanten Aussparung im Display.
- Die Pixel-Vergangenheit: Google hat das Spiel beim Pixel 4 ja schon mal mitgemacht und echte Infrarot-Hardware verbaut. Nur um sie ein Jahr später wieder einzustampfen. Zu teuer, zu komplex.
- Das Timing-Pech: Pünktlich zum damaligen Release kam Corona samt Maskenpflicht – und hat das teure Hardware-Konzept im Alltag komplett ausgehebelt.
Seitdem verlässt sich Google stur auf die normale Frontkamera und Machine Learning. Pixel 7, 8, 9, 10 – immer derselbe Ansatz. Die Software wurde zwar mit jedem Jahr besser und sicherer, aber das Grundproblem bleibt: Ohne Licht sieht die Kamera halt nix. Das Pixel 11 soll diesen Fluch brechen. Nicht durch ein Hardware-Upgrade der Kamera, sondern durch die nackte Power des neuen Tensor G6. Der Chip wird im topmodernen 2nm-Verfahren bei TSMC gefertigt (1+4+2-Core-Cluster mit bis zu 4,11 GHz) und bringt eben jenen neuen GXP-ISP mit.
Tensor G6 im Check: Software stößt an physikalische Grenzen
Hier kommen wir zum Knackpunkt im Alltag. Das aktuelle Face Unlock von Google ist tagsüber verdammt schnell, fast auf Augenhöhe mit Face ID. Uns hat also nie die Geschwindigkeit bei bestem Wetter gestört, sondern die Zuverlässigkeit im Dunkeln. Und genau das bügelt man mit reinen Software-Tricks eben nicht mal so eben aus.
Klar, der Tensor G6 und sein GXP-Prozessor können die Bildverarbeitung optimieren, das Bildrauschen bei Low-Light filtern und die Algorithmen schärfen. Aber machen wir uns nichts vor: Wenn eine winzige Frontkamera im Dunkeln kaum noch Photonen einfängt, kann auch die beste Software der Welt keine Bilddaten herbeizaubern. Das ist einfache Physik. Entweder hat Google hier einen absoluten Geniestreich in Sachen computational photography gelandet – oder wir kriegen am Ende wieder einen Kompromiss, der sich im Marketing super anhört, im Alltag aber an derselben Stelle scheitert wie eh und je.
Besonders bitter: Im Hintergrund existiert ja das „Project Toscana„. Googles echtes, hardware-basiertes Face-Unlock mit IR-Support. Das wurde in Mountain View bereits getestet, soll genauso schnell sein wie Face ID und in jeder Lebenslage funktionieren. Das wäre die perfekte Antwort auf Apple gewesen. Aber laut den Leaks ist Toscana schlichtweg noch nicht bereit für den Massenmarkt: „Simply still not ready for release.“ Bedeutet für uns: Das Pixel 11 bekommt eine aufgemotzte Zwischenlösung. Software-Tuning statt der erhofften Hardware-Revolution.
Pixel 11 im Alltag: Warum ich den Fingerabdrucksensor vorziehe
Für mich steht fest: Ich bleibe beim Fingerabdrucksensor. Nicht aus Prinzip oder weil ich neue Technik ablehne. Sondern weil das Ding einfach abliefert. Egal ob im Dunkeln, im strömenden Regen, mit leicht feuchten Fingern oder wenn ich das Telefon schräg aus der Hosentasche ziehe. An der Supermarktkasse drücke ich blind auf das Display, während die iPhone-Fraktion ihr Gerät noch im passenden Winkel vors Gesicht jongliert. Das ist kein Fanboy-Gequatsche, sondern schlichte Alltagsrealität.
Mag sein, dass Googles verbessertes Software-Face-Unlock beim Pixel 11 in 80 Prozent der Fälle super funktioniert. Aber es sind genau die restlichen 20 Prozent, in denen man es eilig hat oder es stockdunkel ist, die nerven. Das ist der feine Unterschied zwischen „klappt meistens“ und „klappt immer“. Apple hat das „immer“ über Hardware gelöst, Google versucht uns das „meistens“ über smarte Software zu verkaufen.
Immerhin: Der Tensor G6 wird abseits der Biometrie ein echtes Biest. Die 2nm-Fertigung und das neue MediaTek M90 Modem (endlich weg vom alten Samsung Exynos-Modem, das bei älteren Pixeln gerne mal für Verbindungsabbrüche und Akku-Hunger gesorgt hat) sind für mich die eigentliche Top-Nachricht des Jahres. Das Handy wird dadurch schneller, effizienter und hoffentlich endlich stabil im Netz stehen. Aber beim Thema Face Unlock bleibt es eben ein – wenn auch cleverer – Kompromiss.
Warum die Android-Konkurrenz vor Face ID kneift
Die gesamte Android-Welt hat seit Jahren ein seltsames Verhältnis zu Face Unlock. Apple hat 2017 mit Face ID die Latte extrem hoch gelegt – und seitdem hat im Android-Lager kaum jemand nachgezogen. Warum? Weil die Sensoren teuer sind, wertvollen Platz auf der Frontseite wegnehmen (Stichwort: Punch-Hole) und der echte Mehrwert gegenüber einem guten In-Display-Fingerabdrucksensor für viele Hersteller den Aufwand nicht wert ist.
Dass Google nun „Toscana“ verschiebt und voll auf die Software-Karte setzt, zeigt ganz klar die interne Philosophie in Mountain View: KI und Algorithmen sollen die Hardware-Defizite ausbügeln. Das ist typisch Google. Aber bei der Biometrie, wo es um Sicherheit, Banking-Apps und sensible Daten geht, ist „gut genug“ eben manchmal nicht sicher genug.
Im Herbst muss der Tensor G6 zeigen, ob Googles Software-Glaube die Gesetze der Optik überlisten kann. Oder ob wir doch bis zum Pixel 12 warten müssen, bis Google wieder den Schraubendreher ansetzt und vernünftige Hardware verbaut.
Und jetzt zu euch: Wie seht ihr das Ganze? Nutzt ihr Face Unlock aktuell auf eurem Smartphone oder habt ihr es wegen Aussetzern im Dunkeln längst verbannt? Wäre ein echtes, sicheres Hardware-Face-Unlock für euch ein Grund, zum Pixel 11 zu greifen, oder reicht euch der Fingerabdrucksensor völlig aus? Lasst es mich unbedingt in den Kommentaren wissen!
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