Reichweiten-Angst war gestern: Mercedes C-Klasse und BMW i3 knacken die 800 Kilometer

Wer heute über Elektroautos in der Mittelklasse spricht, meint nicht mehr den mühsamen Verzicht, sondern Technik-Exzesse, die den Verbrenner alt aussehen lassen. Wir stehen im Jahr 2026 an einem Punkt, an dem die elektrische C-Klasse (W520) und BMWs „Neue Klasse“ (i3) zeigen, dass Effizienz kein Zufallsprodukt ist. Mercedes geht im Mai mit dem C 400 4MATIC an den Start. Rund 70.000 Euro sind eine Ansage, aber dafür gibt es 489 PS und eine WLTP-Reichweite von 762 Kilometern. Das Spannende passiert jedoch eine Etage tiefer: Der C 300+ EQ wird mit Heckantrieb und der großen 94-kWh-Batterie die 800-Kilometer-Marke reißen.
Mercedes schraubt nicht einfach nur größere Akkus unter das Blech, sondern optimiert mechanisch. Der Clou ist ein Zwei-Gang-Getriebe an der Hinterachse. Während die Konkurrenz bei Autobahntempo oft im ineffizienten Drehzahlbereich der E-Maschine verharrt, schaltet der Benz bei etwa 110 km/h in den zweiten Gang. Das senkt die Drehzahl und damit die Verluste. In Kombination mit Siliziumkarbid-Invertern kommt eine Effizienz von 93 Prozent von der Batterie bis zum Rad zustande. Wer das mit dem älteren Mercedes EQE vergleicht, sieht den Fortschritt: Trotz kleinerem Akku schafft die neue C-Klasse über 100 Kilometer mehr. Aerodynamik ist hier die halbe Miete. Ein cw-Wert von 0,22 sorgt dafür, dass selbst bei konstant 130 km/h auf der Autobahn noch echte 542 Kilometer Reichweite übrig bleiben.
BMW kontert im Herbst 2026 mit dem i3 und setzt auf rohe Gewalt bei den Daten. Bis zu 900 Kilometer Reichweite stehen im Lastenheft. Die Münchner erreichen das jedoch primär über einen massiven 108,7-kWh-Akku mit neuen Rundzellen. Das ist eine andere Philosophie als der Effizienz-Drang von Mercedes: BMW schleppt mehr Energie mit, lädt diese aber dank 800-Volt-System mit bis zu 400 kW nach. Zehn Minuten am Schnelllader bringen Saft für 400 Kilometer. Das ist ein Wort.
Für Leute ohne eigene Wallbox in der Stadt ändert das alles. Wer 800 Kilometer Reichweite im Auto hat, muss bei einer durchschnittlichen Fahrleistung nur noch alle zwei bis drei Wochen an die Säule. Das Elektroauto rückt damit in den gewohnten Nutzungsrhythmus eines Diesels. Da hilft es, dass die Ladegrenze für die 0,25-Prozent-Dienstwagenbesteuerung auf 100.000 Euro angehoben wurde. Damit werden diese Langstrecken-Spezialisten auch für Flottenkunden finanziell hochattraktiv.
Am Ende ist es ein Duell der Konzepte. Mercedes trimmt den Antriebsstrang auf das letzte Prozent Wirkungsgrad und nutzt mechanische Kniffe wie die Entkoppelung des Frontmotors beim Allradler, um Schleppverluste zu eliminieren. BMW hingegen setzt auf maximale Energiedichte und Rekord-Ladewerte. Beides führt dazu, dass die Reichweiten-Diskussion endgültig in der Schublade für gelöste Probleme verschwinden kann.
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