Renault: 84,7 Prozent Elektro-Boom kaschieren Absatz-Dämpfer

Wenn ich mir den aktuellen Quartalsbericht der Renault Group ansehe, liefert der französische Autobauer das beste Lehrstück für die zwei Geschwindigkeiten der Branche. Während europäische Konkurrenten über eine schleppende Nachfrage stöhnen, prescht Renault im dritten Quartal 2026 mit einem Zuwachs von 84,7 Prozent bei reinen Elektroautos nach vorn.
Für mich zeigt dieser Kurvensprung an der Ladesäule aber nur die halbe Wahrheit: Hinter dem steilen Elektro-Wachstum verbirgt sich ein handfestes Mengenproblem im automobilen Kerngeschäft.
Elektroquote explodiert, das Blechgeschäft tritt auf der Stelle
Der Anteil reiner Stromer kletterte im dritten Quartal um 12,2 Prozentpunkte auf 25,8 Prozent. Zählt man Vollhybride und Plug-in-Hybride hinzu, rollen inzwischen 54,9 Prozent aller Neuwagen mit Stecker oder E-Unterstützung vom Band. Gut jedes vierte ausgelieferte Auto fährt rein batterieelektrisch – ein Wert, den viele Wettbewerber aktuell vergeblich anpeilen.
Gleichzeitig sackte das weltweite Gesamtabsatzvolumen über alle Antriebsarten hinweg um sechs Prozent ab.
Dass dieser Mengeneinbruch das Konzernergebnis nicht zerreißt, verdankt Renault der gezielten Verlagerung auf rentable Privatkunden in Europa. Die Verkäufe an Privatleute stiegen um fünf Prozent und erreichen nun einen Anteil von 64,8 Prozent (plus 4,6 Prozentpunkte). Margenschwache Kanäle wie Kurzzeitvermieter und Vorführwagen strich der Konzern dagegen radikal um 18 Prozent zusammen.
Der Quartalsumsatz kletterte dadurch leicht um 1,5 Prozent auf 11,6 Milliarden Euro.
Tragende Säule war allerdings nicht der Fahrzeugverkauf, sondern die konzerneigene Bank. Mobilize Financial Services steigerte die Erlöse um elf Prozent auf 1,8 Milliarden Euro. Das reine Automobilgeschäft trat mit 9,8 Milliarden Euro exakt auf der Stelle und verlor währungsbereinigt sogar 0,2 Prozent.
Um im hart umkämpften C-Segment die Marge abzusichern, muss der Renault Megane E-Tech mit neuem LFP-Akku die Produktionskosten senken. Die Kernmarke Renault verlor im Quartal weltweit 2,9 Prozent, legte aber im europäischen Heimatmarkt um 4,6 Prozent zu. Nach den ersten neun Monaten steht die Marke bei plus 1,1 Prozent und klettert damit auf Rang zwei in Europa.
Dacia schwächelt im Umbruch, Alpine zieht davon
Die Markenbilanz legt spürbare Reibungsverluste innerhalb der Gruppe offen. Dacia brach im dritten Quartal um 12,8 Prozent ein und liegt nach neun Monaten mit 9,7 Prozent im Minus. Renault begründet das mit einer hohen Vorjahresbasis und dem laufenden Modellwechsel bei den Antrieben.
Für mich rächt sich hier aber auch die Modellpolitik im Einstiegssegment: Dass der Dacia Spring beim Schnellladen zu viele Kompromisse verlangt, macht die Billigmarke bei preisbewussten Pendlern zunehmend verwundbar.
Völlig konträr entwickelt sich Alpine: Angetrieben durch den neuen A290 schossen die Auslieferungen im Quartal um 58,4 Prozent und nach neun Monaten um 65,6 Prozent nach oben.
Über die ersten drei Quartale 2026 hinweg erwirtschaftete die Gruppe 41,8 Milliarden Euro Konzernumsatz (plus 7,1 Prozent, währungsbereinigt plus 7,6 Prozent). Auf die Autosparte entfielen 36,6 Milliarden Euro (plus 6,6 Prozent), während Mobilize 5,2 Milliarden Euro beisteuerte (plus elf Prozent). Das weltweite Gesamtabsatzvolumen über neun Monate sank leicht um 2,2 Prozent auf 1.662.222 Fahrzeuge.
Margenziel steht, aber teure Rohstoffe bremsen den Jahresendspurt
Für das Gesamtjahr hält das Management an den Finanzzielen fest: Eine operative Marge von rund 5,5 Prozent und ein freier Mittelzufluss im Autogeschäft von rund einer Milliarde Euro bleiben die offizielle Benchmark.
Im zweiten Halbjahr rechnet die Chefetage zwar mit einer leichten Margenverbesserung, dämpft aber sofort überzogene Hoffnungen. Wegen teurer Rohstoffkosten und anhaltender Inflation fällt der traditionelle Jahresendspurt flacher aus als in früheren Jahren.
Der Auftragsbestand in Europa sichert die Produktion für rund zwei Monate, während die weltweiten Lagerbestände zum 30. September bei 532.000 Einheiten lagen.
Bis zum Jahreswechsel setzt der Konzern ausschließlich auf elektrifizierte Debütanten: Neben dem Duster E-Tech Hybrid und dem Trafic Van E-Tech rollen von Dacia der Sandero Hybrid, der überarbeitete Spring und der Striker an. Ob dieser Modellregen genügt, um das schrumpfende Gesamtvolumen dauerhaft aufzufangen, müssen die Bilanzen des Schlussquartals beweisen.
Schmidtis Blog zu Deiner bevorzugten Quelle bei Google hinzufügen
Links mit einem * sind Partner-Links. Durch einen Klick darauf gelangt ihr direkt zum Anbieter. Solltet ihr euch dort für einen Kauf entscheiden, erhalte ich eine kleine Provision. Für euch ändert sich am Preis nichts. Danke für eure Unterstützung!
