Dacia Spring 2027: Warum 17.900 Euro an der Ladesäule kippen

schräge Frontansicht des 2026er Dacia Spring
Quelle: Renault Deutschland AG
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Dacias Preisschild von 17.900 Euro wirkt auf den ersten Blick wie ein echter Befreiungsschlag für die bezahlbare Elektromobilität. Doch die harte Realität holt Kaufinteressenten spätestens im offiziellen Konfigurator ein. Wer das Basismodell ohne teure Haken auf der Aufpreisliste bestellt, strandet im zähen Lade-Alltag vergangener Tage.

Mit der zweiten Generation verlässt der rumänische Stromer immerhin den billigen China-Importweg und rollt künftig im slowenischen Novo Mesto vom Band. Das tilgt die berüchtigte Mopedauto-Anmutung des Vorgängers, ändert aber nichts an der eiskalten Knausrigkeit der Renault-Gruppe bei der Basisausstattung.

Novo Mesto statt China-Import: Endlich ein vollwertiges Auto

Technisch trennen die zweite Generation Welten von der ersten Ausgabe. Der neue Spring nutzt die moderne RG-EV-Small-Plattform (AmpR Small), die er sich direkt mit dem kommenden Renault Twingo E-Tech teilt. Mit einer Länge von 3.855 Millimetern und einer Breite von 1.722 Millimetern legt der Fünftürer um 15 Zentimeter in der Länge und satte 18 Zentimeter in der Breite zu.

Der Radstand wächst auf 2.492 Millimeter. Das schafft auf der Rückbank endlich Platz für reale Passagiere statt reiner Notbeinfreiheit. Auch das Gepäckabteil ist mit 337 Litern (nach VDA-Norm 245 Liter) und maximal 1.283 Litern absolut alltagstauglich. Gegen 190 Euro Aufpreis liefert Dacia sogar einen 18-Liter-Frunk unter der Fronthaube – ein cleveres Fach für das Ladekabel, an dem selbst doppelt so teure Elektroautos scheitern.

Beim Antrieb verabschiedet sich Dacia vom Verkehrshindernis-Image. Ein permanenterregter Synchronmotor liefert 60 kW (82 PS) Spitzenleistung und 175 Nm Drehmoment an die Vorderachse, während die Dauerleistung bei 35 kW (48 PS) liegt. Im Stadtverkehr zieht der Spring in 3,85 Sekunden von null auf Tempo 50, der Standardsprint auf 100 km/h ist nach 12,1 Sekunden erledigt. Bei 130 km/h wird elektronisch abgeregelt.

Für die Energiespeicherung verbaut Dacia eine kobaltfreie LFP-Batterie mit 27,5 kWh Nettokapazität. Dank eines niedrigen Leergewichts von 1.212 kg liegt der kombinierte Normverbrauch bei sparsamen 12,7 bis 12,9 kWh pro 100 Kilometer. Im reinen City-Betrieb sinkt der Durst sogar auf 8,1 kWh, was eine innerstädtische Reichweite von bis zu 377 Kilometern ermöglicht (kombiniert 246 bis 250 Kilometer nach WLTP). Auf den Akku gewährt Dacia eine Garantie von acht Jahren oder 120.000 Kilometern auf mindestens 75 Prozent Kapazität.

Die 500-Euro-Bremse: Warum Dacia beim Laden knausert

Die bittere Quittung folgt prompt an der Ladesäule. In der Basisversion Expression liefert Dacia ab Werk lediglich einen einphasigen Bordlader mit lächerlichen 3,7 kW. An einer geeigneten Steckdose nuckelt der 27,5-kWh-Akku von 15 auf 80 Prozent rund neun Stunden. Wer das Fahrzeug an einer regulären 11-kW-Wallbox lädt, blockiert den Anschluss geschlagene 8:45 Stunden.

Erst das optionale Power-Paket für 500 Euro schaltet einen dreiphasigen 11-kW-AC-Lader frei, der die Standzeit auf 3:00 Stunden drückt. Gleichzeitig zieht damit echtes 50-kW-Schnellladen (DC) via CCS ein, womit der Hub von 15 auf 80 Prozent in 28 Minuten gelingt. Obendrein spendiert das Paket eine praktische Vehicle-to-Load-Funktion (V2L) für externe Elektrogeräte. Dacia legt serienmäßig zwar ein fünf Meter langes Typ-2-Kabel bei, verlangt für das Schuko-Notladekabel aber freche 270 Euro extra.

Ohne das Power-Paket bleibt der Spring ein unflexibles Stehzeug. Wie die Analyse im Dacia Spring Konfigurator belegt, liegt der reale Einstiegspreis damit bei mindestens 18.400 Euro. Greift man zur gehobenen Linie Journey (19.400 Euro) – samt 10,1-Zoll-Display, Rückfahrkamera und kabellosem Smartphone-Mirroring –, knackt man inklusive Überführung mühelos die 20.000-Euro-Schwelle. Weil vollwertige Neuwagen unter 20.000 Euro inzwischen eine absolute Rarität sind, nutzt Dacia den psychologischen Schwellenwert gnadenlos aus.

Harter Konkurrenzdruck: Reicht das gegen die neuen City-Stromer?

Auf engem Raum punktet der Spring mit einem Wendekreis von nur 9,9 Metern. Doch der Vorsprung im Segment der Einstiegsstromer bröckelt spürbar. Chinesische Hersteller rüsten ihre Kleinwagen serienmäßig mit zeitgemäßer Ladetechnik aus, während Dacia selbst mit dem radikalen Dacia Hipster für 2027 bereits ein sub-10.000-Euro-Konzept im L7e-Segment vorbereitet.

Wenn die Auslieferungen des neuen Spring im Dezember 2026 anlaufen, bekommen Käufer zweifellos ein erwachseneres, geräumigeres und sichereres Auto als bisher. Die Frage ist schlicht, ob die Kundschaft gewillt ist, das künstliche Spar-Diktat beim Laden mitzutragen. Wer zukunftssicher und alltagstauglich unterwegs sein will, muss die 17.900 Euro als reines Marketing abhaken.

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Ein Kommentar

  1. So what? Der Preis mit Powerpaket und gehobener Ausstattungslinie ist immer noch konkurrenzlos und preislich ähnlich dem Vorgänger.
    Den Vorgänger fahre ich seit 4 Monaten (über 9.000 Km): als Topmodell mit 102 PS bei 140 Kg geringerem Gewicht, welcher dadurch unter 10 sek. auf 100 „springt“ (und sogar meinen alten Z3 absprintet), real knapp 12 kWh verbraucht, also reale knapp 200 Km Reichweite außerhalb des Winters bietet.
    Fahren für 4€/100 Km-bei eigener PV im Sommer für lau.
    Die Einordnung als Verzichtsfahrzeug kann ich nicht nachvollziehen, sofern die Notsitze im Fond nicht benötigt werden und die Reichweite zum Bedarf passt. (CCS-Nachladen in einer halben Stunde auf 80%)
    Und er hat inkl. Powerpaket und Lackzuschlag 22.280€ vor Subventionen gekostet (wovon bei uns 10 k€ runtergingen).
    Beide Versionen sind absolut ihr Geld wert, mein 2l TDI steht seitdem fast nur noch rum.

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