Samsung Galaxy Watch Ultra 2: Das 749-Euro-Eingeständnis aus Korea

Das tat weh. Kurz vor dem Unpacked-Event am 22. Juli fliegt Samsung die komplette PR-Strategie um die Ohren. Evan Blass – im Netz besser bekannt als evleaks – hat die offiziellen Promo-Bilder der Samsung Galaxy Watch Ultra 2 ins Netz gestellt. Für uns ist das ein Segen. Die geleakten Specs zeigen endlich eine Smartwatch, die kein langweiliges Farb-Refresh ist.
Die nackten Zahlen klingen nach dem Upgrade, das Samsung eigentlich schon 2025 hätte liefern müssen. Damals bekamen Käufer fast dasselbe Gerät noch einmal aufgewärmt. Identischer Exynos-Chip, gleiche Akkulaufzeit. Pustekuchen. Wer damals zum Vollpreis zugegriffen hat, steht heute im Regen.
Endlich ein Akku für echte Laufzeit
Der Akku wächst auf massive 800 mAh Kapazität. Das sind satte 35 Prozent mehr als die mageren 590 mAh des Vorgängers. Ein echter Befreiungsschlag. Wer die erste Generation täglich am Arm hatte, kennt das Elend. Morgens vom Strom, abends eine schnelle Runde Laufen mit GPS, nachts das Schlaftracking – und am zweiten Abend winselt das Ding schon nach Saft. Vorbei. Mehrere Tage ohne Steckdose sind jetzt drin. Das ist im Alltag wichtiger als gedacht. Nicht weil das Laden so schwer wäre. Ich will die Uhr schlicht am Arm tragen, wenn ich sie brauche. Punkt.
Dazu kommt der Bildschirm mit absurden 5.000 Nits Helligkeit. Die 3.000 Nits des Vorgängers waren ordentlich, stießen bei direkter Sonne auf dem Berg oder beim Segeln aber an ihre Grenzen. Jetzt ist die Herzfrequenz immer perfekt ablesbar. Selbst wenn die Mittagssonne senkrecht reinknallt. Für Sportler und Outdoor-Fans liefert Samsung damit einen echten Mehrwert.
Der Exynos-Auswurf kostet richtig Geld
Samsung wirft den eigenen Exynos Wear raus und setzt komplett auf den Snapdragon Wear Elite von Qualcomm. Ein Paukenschlag. Jahrelang bauten die Südkoreaner ihre eigenen Wearable-Prozessoren. Der harte Wechsel signalisiert unmissverständlich: Die hauseigenen Lösungen waren im Premium-Segment schlicht nicht konkurrenzfähig genug. Dieses Eingeständnis wird der Hersteller so natürlich nie laut aussprechen.
Der neue Qualcomm-Chip soll die Reaktionsgeschwindigkeit der UI massiv beschleunigen. Nutzer des alten Exynos W1000 kennen die typischen Ruckler beim Scrollen durch die Kacheln. Das nervt. Der Snapdragon soll das System endlich auf ein flüssiges Niveau heben.
Die Kehrseite der Medaille ist der Preis. Samsung verlangt in Europa stramme 749 Euro für die Uhr. Das sind 50 Euro mehr als beim Vorgänger. Eine heftige Ansage. Käufer bezahlen hier die Learning Curve des Herstellers mit. Der Wechsel der Chip-Plattform ist ein Risiko. Neue Prozessoren bedeuten oft neue Bugs, unerwartete Thermoprobleme und Kompatibilitätsfragen mit älteren Apps. Unschön.
Warum Samsung jetzt panisch reagiert
Diese Uhr ist keine freiwillige Evolution aus purem Innovationsgeist. Sie ist eine harte Reaktion auf den Markt. Der Druck im Premium-Segment ist gigantisch. Das Titan-Gehäuse wird um 12 Prozent dünner, obwohl der Akku wächst. Das ist Ingenieursarbeit. Dazu kommt die IP69K-Zertifizierung. Das bedeutet Schutz gegen Hochdruckreiniger aus nächster Nähe. Ein echter Sprung im Vergleich zum alten IP68-Standard.
Für Besitzer der ersten Ultra bleibt dennoch ein bitterer Nachgeschmack. Samsung hat mit dem schwachen 2025er-Modell Vertrauen verspielt. Das lädt man nicht mal eben mit einem helleren Display wieder auf.
Der Markt wartet nicht. Im Wear OS-Lager wildert die Google Pixel Watch, während Garmin mit der Fenix 8 und der Epix-Reihe die Outdoor-Krone hält. Apple schickt die Ultra 2 ins Rennen. Für 749 Euro muss Samsung jetzt fehlerfrei abliefern. Auf dem Papier und am Handgelenk.
Die Exynos-Kapitulation: Wenn Unabhängigkeit unbezahlbar wird
Der Abschied vom Exynos-Prozessor in der Premium-Klasse markiert das Ende einer strategischen Ära. Seit der Galaxy Watch 4 mit dem Exynos W920 über die Watch 6 bis hin zur Watch 8 versuchte Samsung verzweifelt, die Unabhängigkeit von Qualcomm zu wahren. Der jetzige Schwenk zur Konkurrenz offenbart tiefe Risse in der eigenen Halbleitersparte für Wearables.
Qualcomm dominiert den Markt aus gutem Grund. Der Snapdragon Wear Elite wird im modernen 3nm-Verfahren gefertigt und bringt eine dedizierte NPU für KI-Modelle mit bis zu 2 Milliarden Parametern mit. Ein Brocken. Samsung erkauft sich damit eine System-Optimierung für Googles Wear OS, die man mit den eigenen Exynos-Chips über Jahre hinweg nie sauber hinbekommen hat.
Langfristig dürfte dieser Schritt das Todesurteil für die Exynos-Wear-Sparte sein. Wenn die Ultra-Linie dauerhaft mit Qualcomm-Prozessoren läuft, verliert die Eigenentwicklung ihre wirtschaftliche Daseinsberechtigung. Für den Endnutzer ist das ein Gewinn. Qualcomm-Chips garantieren meist einen stabileren Langzeit-Support und bieten App-Entwicklern eine deutlich solidere Basis.
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