Smart #1: 800-Volt-Upgrade merzt den größten Haken aus – kostet aber richtig Asche

Einmal 800 Volt ausprobiert, danach ist alles andere nur noch zähes Warten. Wer die Ladesäule nach ein paar Minuten wieder verlässt, will nie wieder zurück zur Schnarchladung. Smart baut den kompakten #1 deshalb komplett um. Endlich. Doch der massive Sprung bringt eine Kehrseite mit, die im Geldbeutel richtig wehtun wird.
Machen wir uns nichts vor: Die erste Generation des Smart #1 war eine ziemliche Baustelle. Software-Hänger, miese Ladekurven und ein Pilot Assist, der fuhr wie ein panischer Fahrschüler. Mercedes-Design hin, Geely-Basis her – das Ding fühlte sich im Alltag einfach unfertig an. Geschichte. Jetzt liefert der Hersteller nach. Über 200 Detail-Verbesserungen stehen auf dem Zettel, dazu ein neues HUD und ein frisches Infotainment. Eine echte Ansage. Wäre da nicht der gewohnte Dämpfer für uns Europäer.
Europa kriegt mal wieder nur die Sparbrötchen-Sensorik
Der Blick nach China nervt nämlich gewaltig. Dort bekommt der #1 einen feinen Lidar-Sensor aufs Dach geschraubt. Und wir? Pustekuchen. Wir müssen uns mit der alten Kameratechnik herumschlagen. Eine Entscheidung, die unseren Markt mal wieder zweitklassig aussehen lässt. Absurd, aber Realität.
Immerhin stimmen die neuen nackten Zahlen. Der Akku prügelt den Strom jetzt in schlichten 12 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Vorher durfte man 30 Minuten Däumchen drehen. Die 6C-Laderate wandert direkt vom großen Smart #5 rüber in den Kleinen. Genau so muss das sein. Am Ende zählt schließlich nur, wie schnell ich nach dem Kaffee wieder vom Hof komme.
Der Sprung über die 40.000-Euro-Hürde tut weh
Umsonst gibt es so ein Technik-Update logisch nicht. Die neue Architektur braucht mehr Kühlaufwand, teurere Bauteile und ein komplett neues Kabelnetz. Das schlägt auf das Gewicht – und vor allem auf den Preis. Der bisherige Einstieg von knapp 35.000 Euro wackelt gewaltig. Rechnet fest mit einem Sprung über die Marke von 40.000 Euro. Geely wird die Zusatzkosten kaum verschenken.
Ein fetter Kompromiss. Damit rutscht der kleine Stromer mit seinen 4,27 Metern Länge und 2,75 Metern Radstand mitten in die Höhle der Löwen. Kia EV3 und Renault Scenic E-Tech warten schon. Der innen überraschend geräumige Smart verliert damit sein bestes Argument: den fairen Preis.
Warum die Kompaktklasse jetzt unter Hochspannung steht
Der Schritt ist überfällig. Er zeigt aber auch die eklatante Trägheit der alten Autowelt. Während Volkswagen erst um das Jahr 2030 mit 800 Volt um die Ecke kommt und Renault beim Megane E-Tech das letzte Bisschen aus der alten 400-Volt-Technik presst, zieht Geely die Daumenschrauben an. Warum? Weil sie es können. Die SEA-Plattform ist fertig entwickelt, die Skaleneffekte mit Volvo, Polestar und Zeekr drücken die Kosten im Hintergrund massiv nach unten.
Der Wechsel auf effiziente Siliziumkarbid (SiC)-Halbleiter ist hier der Schlüssel. Beim Smart #5 sorgt das für einen Wirkungsgrad von 95,6 Prozent. Das ist im Alltag wichtiger als gedacht. Wer sich heute noch ein neues Elektroauto mit 400 Volt kauft, stellt sich die Technologie von gestern in die Garage. Bitter, aber wahr.
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