Smart #5: 2.500 € für 50 km weniger – genial oder dreist?

Lückenfüller. Das ist das erste Wort, das mir zum neuen Smart #5 Premium AWD einfällt. Nicht „Meilenstein“, nicht „Gamechanger“. Lückenfüller. Und trotzdem – oder gerade deshalb – schreibe ich drüber. Weil Smart in Europa seit Monaten hinter den eigenen Zahlen herläuft, die Händler über leere Showrooms jammern, und die Marke ausgerechnet jetzt eine Allradvariante raushaut, die niemand explizit bestellt hat. Die aber in jeder Vergleichsliste gefehlt hat. Und das ist ein Unterschied.
Ich bin den #5 mit Heckantrieb im April drei Wochen gefahren. Lange Autobahn, viel Landstraße, einmal Albhochfläche bei Nieselregen mit 18-Zoll-Winterreifen drauf – keine ideale Kombination, ich weiß. Aber genau da wurde die Traktionskontrolle zappelig. Nicht dramatisch, nicht gefährlich. Einfach dieses leichte Nervöse am Hinterrad, das dir sagt: Hier ist gerade weniger Grip, als du denkst. Der Sennheiser-Sound war top, das Fahrwerk für ein Geely-Derivat erstaunlich erwachsen. Aber bei Nässe am Berg? Da hätte ich Allrad genommen. Ohne nachzudenken.
Was 2.500 Euro kaufen – und was sie kosten
Zweimotoren-Strang. Allrad. Das war’s an Neuem. Sennheiser bleibt, belüftete Vordersitze bleiben, beheizte Rücksitze in Duo-Leder bleiben, Doppelverglasung bleibt, die versenkbaren Türgriffe bleiben. Nichts wird gestrichen. Nichts kommt dazu. Außer eben: Grip.
Und dafür gehen 50 Kilometer WLTP flöten. 590 runter auf 540. Verbrauch rauf von 18,4 auf 19,9 kWh/100 km. Macht 8,5 Prozent mehr Strom für ein Sicherheitsplus, das du an 300 Tagen im Jahr nicht spürst. Weil trocken ist. Weil die Straße geradeaus geht. Weil du nicht am Limit fährst.
Kurzer Preisabgleich, weil mich das selbst interessiert hat: Volvo EX30 Twin Motor, rund 48.000 Euro. MG4 XPower mit seinen absurden 435 PS, 42.000 Euro. Der Smart wird darunter liegen. Wie weit darunter, wissen wir erst, wenn die deutschen Preise raus sind – der Italien-/Spanien-Start ist am 30. Juli, Deutschland zieht nach. Wahrscheinlich.
50 Kilometer? Eher 80. Im Winter eher 90.
Smart rechnet mit 50 Kilometern Reichweitenverlust. Schöner Wert. Laborwert. WLTP-Wert.
Ich rechne anders. Minus 10 Grad, Wärmepumpe läuft: 2 bis 3 kWh/100 km extra. Winterreifen, Schneematsch auf der Fahrbahn: nochmal 5 bis 8 Prozent Rollwiderstand obendrauf. Und wer in Südtirol oder im Allgäu unterwegs ist, sammelt auf 600 Höhenmetern locker 3 bis 4 kWh Zusatzverbrauch ein. Macht unterm Strich: 380 bis 420 Kilometer real. An richtig miesen Tagen weniger.
Der Hecktriebler? Landet unter denselben Bedingungen bei 430 bis 470. Heißt: Der Allrad kostet im Winter nicht 50 Kilometer. Eher 70 bis 90. Und das ist dann nicht mehr „ach, lad ich halt einmal mehr“. Das ist „ich plane die Ladestopp-Strategie um“. Für den Pendler mit Wallbox: egal. Für den, der freitags mit dem #5 über den Brenner will: nicht egal.
Black Collection, oder: 600 Euro für schwarze Blenden
Gibt’s jetzt für alle drei – #1, #3, #5. Basis ist Pro+, Aufpreis 600 Euro. Schwarze Front, schwarzer Diffusor, schwarze Seitenschweller, schwarze Gürtellinie, schwarze Dachreling. Felgen je nach Modell: 18-Zoll-Amps beim #1, 19-Zoll-Flux beim #3, 19-Zoll-Orbit in Glanzschwarz beim #5. Lackierung Schwarz inklusive. Privacy-Verglasung kostet extra, logisch.
Drei neue Interieurfarben gibt’s auch. „Bewusst kuratiert“, sagt Smart. Ich übersetze: Wir haben uns dagegen entschieden, noch zwölf weitere Grau-Varianten reinzunehmen. Danke dafür. Wirklich.
Das Paket ist für die, denen Chrom zu spießig ist, die aber keine Lust auf 2.000 Euro Folierung haben. Und 600 Euro sind – sorry, VW, sorry, Hyundai – ein fairer Kurs. Die nehmen für vergleichbare Optikpakete 900 bis 1.400 Euro.

Kaufen oder nicht? Eine ehrliche Antwort
Wenn du in einer Gegend wohnst, wo es 60 Tage im Jahr schneit, wo du regelmäßig über Pässe musst, wo die Straße im November schon um vier nachmittags nass und kalt ist: Nimm den Allrad. Die 2.500 Euro sind bei einem 40.000-Euro-Auto sechs Prozent. Das ist nicht die Welt. Und das Sicherheitsgefühl ist echt, nicht eingebildet.
Wenn du in Köln-Mitte wohnst, eine Wallbox in der Tiefgarage hast und deine längste Strecke im Jahr die Fahrt nach Norderney ist: Spar dir das Geld. Wirklich. Du zahlst 2.500 Euro für ein Feature, das du an 300 Tagen nicht brauchst und an 60 Tagen nicht vermissen wirst, weil du eh nicht fährst.
Warum zum Teufel startet das in Italien?
30. Juli. Italien. Spanien. Die beiden Länder in Europa, in denen Allrad ungefähr so relevant ist wie eine Sitzheizung in Palermo. Meine Theorie: Smart testet die Logistik in kleineren Märkten. Weniger Volumen, weniger Risiko, wenn was schiefgeht. Oder die Importeursverträge sind dort schneller durchverhandelt. Offiziell sagt Smart nichts dazu. „Weitere Märkte folgen schrittweise.“ In Klartext: Deutschland in vier bis sechs Wochen. Vielleicht.
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Einfach nur potthäßliche Autos, diese Smart-„Automobile“.
Und dann noch diese häßlichen Modell-„Namen“.
Smart „Gartenzaun 5“ oder Smart „Raute 5“ …
Was muss man einwerfen, Auto´s so einen Namen zu geben?
Bitte Bitte, lasst es sein, ihr tut der Menschheit echt einen Gefallen damit!
Die Variante hätte es immer geben sollen (auch zu #1 & #3 Zeiten), nicht den Pulse. Nicht jeder möchte einen Brabus fahren, nur um eine vernünftige Ausstattung genießen zu dürfen.
Nicht jeder möchte auf vernünftige Ausstattung verzichten müssen, nur um Allrad zu haben.