Stellantis kontert VW ab 2028 mit günstigen E-Autos

Der europäische Automarkt leidet an einer empfindlichen Leerstelle. Seit dem Ende der Corona-Pandemie fehlen in den Zulassungsstatistiken der Region jährlich rund drei Millionen Neuwagenkäufer. Ein Hauptgrund für diesen Einbruch ist das nahezu vollständige Verschwinden von Fahrzeugen unter der 15.000-Euro-Grenze. Das Durchschnittsalter der Pkw auf europäischen Straßen ist dadurch in den vergangenen fünf Jahren auf über zwölf Jahre geklettert.
Um dieser Überalterung entgegenzuwirken und bezahlbare Elektromobilität zu fördern, schafft die Europäische Kommission nun eine neue regulatorische Kategorie für kompakte Stromer unter 4,20 Metern Länge. Diese Klasse, firmiert unter dem Kürzel M1E, soll Herstellern über sogenannte Super-Credits bei den CO2-Flottenzielen helfen und rechtliche Rahmenbedingungen für zehn Jahre einfrieren.
Der Autogigant Stellantis reagiert als einer der ersten Konzerne auf diesen politischen Vorstoß und kündigt für das Jahr 2028 den Start einer eigenen Modelloffensive an. Unter dem Arbeitstitel E-Car plant das Unternehmen eine Reihe kompakter Stadtfahrzeuge für mehrere Konzernmarken. Der Buchstabe steht dabei firmenintern für die Begriffe europäisch, emotional, elektrisch und umweltfreundlich. Die Fertigung soll im traditionsreichen Werk Pomigliano nahe Neapel angesiedelt werden, wo heute noch der klassische Fiat Panda und der Alfa Romeo Tonale vom Band laufen. Mit einer Kapazität von fast 300.000 Einheiten pro Jahr bietet der süditalienische Standort das nötige Fundament für hohe Stückzahlen.
Strategisch positioniert sich Stellantis damit in direktem Fahrwasser der Konkurrenz von Volkswagen, die mit Modellen rund um den ID. Polo dasselbe Preissegment ins Visier nimmt. Um die Entwicklung zu beschleunigen und die Produktionskosten drastisch zu senken, greift Stellantis auf das Know-how externer Partner zurück. Da der Konzern in Pressemitteilungen lediglich von einer Fertigung nach europäischer Tradition spricht, liegt die Vermutung nahe, dass die zugrundeliegende Antriebstechnik aus Asien stammt. Stellantis arbeitet bereits intensiv mit chinesischen Herstellern zusammen. So fließen Technologien von Leapmotor in aktuelle Opel-Modelle ein, während eine frische Kooperation mit Dongfeng die Produktion von Modellen für Peugeot und Jeep regelt.
Konkrete Modellnamen für die neue Fahrzeugklasse hält das Management um CEO Antonio Filosa noch unter Verschluss. Branchenkenner erwarten jedoch eine zweigleisige Strategie, die sich an historischen Vorbildern orientiert. Bei @Fiat zeichnet sich ein extrem puristischer Elektro-Panda ab, der optisch näher an das kantige Ur-Modell aus den 1980er-Jahren rückt und unterhalb des neuen Grande Panda platziert wird. Die Schwestermarke Citroën wiederum plant offenbar eine spirituelle Wiederbelebung des legendären 2CV. Genau wie die Ente nach dem Zweiten Weltkrieg in Frankreich die Massenmobilität sicherte, soll der neue Basisstromer den europäischen Autofahrern wieder bezahlbare Kaufkraft zurückgeben. Ob diese Pläne aufgehen, wird sich auch an der Ausgestaltung der EU-Richtlinien zeigen, die für staatliche Förderungen eine europäische Wertschöpfungsquote von mindestens 70 Prozent vorsehen.
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