Tesla Model 3: 402.000 km – erster Akku, 84 % übrig

Tesla Model 3 Facelift
Quelle: Tesla, Inc.
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Ich schaue bei solchen Tesla-Langläufern zuerst auf den Akku. Genau dort wird dieser Fall interessant: Ein Tesla Model 3 Long Range aus dem Jahr 2021 soll in weniger als fünf Jahren rund 402.000 Kilometer abgespult haben – mit dem ersten Traktionsakku und den ursprünglichen Elektromotoren.

Der Wagen wurde zuvor als Taxi eingesetzt und legte im Schnitt etwa 241 Kilometer pro Tag zurück. Laut dem vorliegenden Zustandsbericht stehen noch 84 Prozent Restkapazität zur Verfügung. Dazu kommen rund 457 Kilometer reale Sommerreichweite, ein langfristiger Verbrauch von etwa 15 kWh/100 km sowie ein dokumentierter Ladevorgang mit 30 Prozentpunkten in 11 Minuten, was rund 137 Kilometern zusätzlicher Reichweite entsprochen haben soll.

Das ist eine starke Kombination. Aber ich würde mich hüten, aus den 84 Prozent gleich eine große Tesla-Wahrheit zu machen. Denn genau hier fehlt eine entscheidende Information: Wie wurde dieser Wert eigentlich ermittelt?

402.000 Kilometer sind die Ansage – nicht die 84 Prozent

Die Laufleistung selbst ist kaum kleinzureden. Ein Model 3, das nach rund 402.000 Kilometern noch mit dem originalen Akku und den ursprünglichen Motoren fährt, zeigt zumindest sehr deutlich, dass ein Elektroantrieb nicht automatisch bei hoher Laufleistung zum Problemfall wird.

Noch interessanter ist die Reparaturgeschichte. Als einziger außerplanmäßiger Defekt wird ein außen montierter Lautsprecher im vorderen Stoßfänger genannt. Ansonsten tauchen vor allem normale Verschleißarbeiten auf: sechs Reifensätze, mehrere Wischerblätter und verschiedene Fahrwerksbuchsen.

Die hinteren Stoßdämpfer wurden ebenfalls getauscht. Laut Bericht war das aber kein zwingender Defekt, sondern eine Entscheidung zugunsten des Komforts. Das ist ein kleiner, aber wichtiger Unterschied: Nicht jede gewechselte Komponente ist automatisch ein Zeichen für einen verschlissenen Antriebsstrang.

Beim Akku wird es deutlich spannender. Eine große Auswertung von 9.954 realen Batterietests zeigt beim Tesla Model 3 erhebliche Unterschiede zwischen Zellchemien und Zulieferern. Die gemessenen Restkapazitäten nach 100.000 Kilometern reichten dort von 88,2 bis 93,3 Prozent. Die Model-3-Akkutests mit 9.954 Messungen zeigen damit ziemlich deutlich, dass „Model 3“ beim Batterieverschleiß keine einheitliche Größe ist.

Genau deshalb sollte niemand aus dem Taxi-Fall ableiten, jedes Model 3 könne nach 400.000 Kilometern noch 84 Prozent schaffen. Der Akku kann je nach Zellchemie, Nutzung und Fahrzeughistorie anders altern.

Der wirklich interessante Punkt versteckt sich in den 84 Prozent

Für mich ist die Laufleistung die harte Nachricht. Die 84 Prozent sind dagegen die Zahl, bei der man genauer hinschauen muss.

Der Ausgangsbericht nennt die Restkapazität, erklärt aber nicht, mit welcher Messmethode sie bestimmt wurde. Damit fehlt eine wichtige Grundlage für einen sauberen Vergleich. Ein vom Fahrzeug berechneter oder angezeigter Wert ist nicht automatisch dasselbe wie eine standardisierte unabhängige Kapazitätsmessung.

Das ist keine Kleinigkeit. Wer einen einzelnen Tesla mit einem großen Batterie-Datensatz vergleichen will, muss wissen, wie beide Werte entstanden sind. Sonst vergleicht man am Ende Äpfel mit Birnen und verkauft das Ergebnis trotzdem als harte Kennzahl.

Aktuelle AVILOO-Daten liefern genau deshalb einen interessanten Gegenpol. In einer Auswertung mit über 500.000 unabhängigen Batterie-Tests wird das Tesla Model 3 ebenfalls betrachtet. Die Daten zeigen unter anderem, dass der durchschnittliche Batteriezustand mit steigender Laufleistung sinkt und dass zwischen einzelnen Fahrzeugen eine deutliche Streuung entstehen kann. Die große AVILOO-Auswertung zur Akku-Gesundheit macht damit klar, warum ein einzelner Prozentwert immer Kontext braucht.

Der 402.000-Kilometer-Tesla wird dadurch nicht uninteressant. Im Gegenteil. Er zeigt einen extremen Langzeitfall, ohne automatisch zu beweisen, dass alle Fahrzeuge genauso altern.

Und genau diese Trennung fehlt oft in solchen Geschichten.

Taxi-Einsatz macht den Fall erst richtig spannend

Der Wagen wurde nicht mit Samthandschuhen bewegt. Rund 241 Kilometer pro Tag im früheren Taxi-Einsatz bedeuten eine völlig andere Nutzung als bei einem typischen Privatwagen.

Trotzdem werden noch rund 457 Kilometer reale Sommerreichweite genannt. Auch beim Schnellladen soll der Akku nicht durch einen offensichtlichen Leistungseinbruch aufgefallen sein: In 11 Minuten kamen laut Bericht 30 Prozentpunkte hinzu.

Mehr sollte man daraus allerdings nicht herauslesen. Für eine belastbare Bewertung der Ladekurve wären zusätzliche Angaben nötig – etwa Akkutemperatur, Start-Ladestand, maximale Ladeleistung und der komplette Verlauf bis zu einem definierten Zielwert.

Interessant ist auch die Bremsanlage. Bremsscheiben und Bremsbeläge sollen noch aus der Erstausstattung stammen. Bei einem Elektroauto ist das grundsätzlich plausibel, weil ein Teil der Verzögerung über Rekuperation erfolgt und damit weniger mechanische Bremsarbeit notwendig ist.

Das bedeutet trotzdem nicht, dass Bremsen bei einem Elektroauto keine Rolle spielen. Korrosion, festgehende Komponenten und lange Standzeiten bleiben mögliche Probleme. Ein guter Zustand nach 402.000 Kilometern ist deshalb ein bemerkenswerter Einzelfall – keine allgemeine Wartungsregel.

Für Gebrauchtkäufer zählt der Akku-Test mehr als der Tacho

Hier wird die Geschichte für mich praktisch. Wer ein gebrauchtes Model 3 sucht, sollte sich nicht von einer niedrigen Kilometerzahl blenden lassen.

150.000 Kilometer auf dem Tacho sagen allein wenig über den tatsächlichen Zustand des Akkus aus. Ein nachvollziehbarer Batterietest, die Ladehistorie, der Zustand des Fahrwerks, Reifenabrieb, Bremsen sowie Reparatur- und Unfallhistorie sind wesentlich aussagekräftiger.

Der 402.000-Kilometer-Tesla liefert dafür ein gutes Gegenargument zur alten Denkweise „hohe Laufleistung gleich Akku kurz vor dem Ende“. Offensichtlich kann ein Model 3 unter harter Nutzung sehr weit kommen, ohne dass Akku oder Motoren ausgetauscht werden mussten.

Aber genauso falsch wäre die umgekehrte Schlussfolgerung: 400.000 Kilometer seien für jeden Tesla problemlos.

Der entscheidende Punkt ist deshalb nicht, dass dieser eine Tesla 84 Prozent haben soll. Die spannende Erkenntnis ist, dass ein Fahrzeug nach rund 402.000 Kilometern überhaupt noch mit seinem ersten Akku und den ursprünglichen Motoren unterwegs ist.

Das ist schon stark genug.

Die 84 Prozent würde ich dagegen mit einem Sternchen versehen – nicht, weil der Wert zwingend falsch sein muss, sondern weil die Messmethode fehlt. Und genau diese Unterscheidung macht aus einer spektakulären Zahl eine halbwegs belastbare Geschichte.

Für den Gebrauchtwagenmarkt bleibt damit eine ziemlich klare Lehre: Nicht den Kilometerstand kaufen. Den tatsächlichen Zustand des Akkus kaufen.

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