VW ID.Era: Kommt Chinas 800V-Geheimwaffe nach Europa?

Wolfsburg steht mächtig unter Druck. Während in Deutschland die Bandstraßen wegen schwacher Nachfrage immer wieder stillstehen, dreht der Konzern in China ordentlich auf. Mit der neuen ID.Era-Baureihe bringt VW genau das auf den Markt, was der europäischen Flotte fehlt: moderne Oberklasse-SUVs mit 800-Volt-Architektur und gigantischer Gesamtreichweite.
In den Konzernzentralen dürfte der Re-Import dieser Fernost-Modelle längst kein Tabuthema mehr sein. Der klassische VW Touareg läuft aus, die heimische MEB-Plattform wirkt gegen die agile asiatische Konkurrenz schlicht veraltet. Da bin ich echt gespannt, wann der erste China-Stromer tatsächlich bei den hiesigen Händlern im Verkaufsraum steht.
Range Extender schlägt europäische MEB-Trägheit
Den Auftakt machen in Fernost die Wuchtbrummer ID.Era 8X und ID.Era 9X. Mit stolzen 5,20 Metern Länge überragt der 9X den alten Touareg spürbar und bietet im Innenraum ein luxuriöses Sechssitzer-Layout. Das eigentliche Highlight verbirgt sich jedoch tief unter der Haube: Ein 1,5-Liter-Turbobenziner (EA211) schuftet dort rein als Generator für die 65,2-kWh-Batterie.
Das Resultat dieses EREV-Konzepts (Extended-Range Electric Vehicle) kann sich sehen lassen: Bis zu 517 PS Systemleistung und über 1.000 Kilometer Gesamtreichweite stehen im Datenblatt. Wen überrascht es da noch, dass VW mit diesem Hilfsverbrenner-Rezept exakt den Nerv reichweitenbesorgter Käufer trifft? In Europa wärst du mit so einem Paket auf einen Schlag der unbestrittene König der Langstrecke.
800-Volt-Laden als Rettungsanker für deutsche Werke?
Richtig spannend wird es beim rein elektrischen Ableger der Era-Serie. Statt der behäbigen 400-Volt-Technik hiesiger ID-Modelle spendiert VW dem Stromer eine kompromisslose 800-Volt-Hochvolt-Plattform. Der Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent ist damit in schlanken 20 bis 25 Minuten abgefrühstückt – von solchen Werten kann ein ID.4 in Deutschland aktuell nur träumen.
Da Standorte wie Zwickau oder Emden spürbar unter zu geringer Auslastung leiden, liegen faktisch zwei Optionen auf dem Tisch: Entweder der direkte Import aus China oder die blitzschnelle Adaption der Technik für europäische Produktionslinien. Dass man in Wolfsburg bereits intensiv über diesen technologischen Wissenstransfer nachdenkt, offenbart das Dilemma der Marke überdeutlich.
Apropos China-Offensive: Mein persönliches Highlight bleibt weiterhin die flache ID.Unyx 09 Limousine, die in Kooperation mit Xpeng entsteht und ebenfalls über 500 PS an die Räder stemmt. Mal sehen, ob die Führungsriege in Wolfsburg am Ende wirklich den Mut besitzt, diese Technologie-Speerspitzen zu uns nach Europa zu holen.
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