VW ID. Golf: Warum der Kompakt-König als SUV enden muss

VW ID. Golf Silhouette
Quelle: Volkswagen AG
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Der Golf stirbt – zumindest in der Form, wie wir ihn seit 1974 über Autobahnen und durch Innenstädte scheuchen. Wenn Volkswagen um das Jahr 2029 oder 2030 den rein elektrischen ID. Golf von der Leine lässt, wird kein klassischer Kompaktwagen mehr beim Händler stehen. Alles, was aus Wolfsburg und dem Rest der Branche durchsickert, schreit nach einer bitteren Pille für Puristen: Der elektrische Golf wird ein aufgebockter Crossover-SUV.

Der Unterboden-Fluch: Warum flach bauen Milliarden kostet

Die Physik kennt keine Marken-Nostalgie. Ein Lithium-Ionen-Akkupaket im Wagenboden baut inklusive Gehäuse, Kühlkanälen und Crash-Struktur zwischen 120 und 150 Millimeter auf. Wer ein E-Auto nicht unfahrbar hart abstimmen oder die Insassen wie in einer Badewanne auf den Asphalt setzen will, muss die Karosserie nach oben ziehen.

Der aktuelle ID.3 überragt einen Golf 8 um satte 10 Zentimeter (1,57 Meter zu 1,46 Meter). Selbst der kleinere ID. Polo legt gegenüber dem Verbrenner um 8 Zentimeter zu. Zwar verspricht VW für die kommende SSP-Plattform (Scalable Systems Platform) extrem flache Module über die sogenannte Unified Cell (Einheitszelle) im Cell-to-Pack-Design. Aber zaubern können auch die Ingenieure in Braunschweig nicht. Ein paar Zentimeter extra bleiben unausweichlich – und damit bist du optisch sofort im Crossover-Territorium.

60 Prozent SUV-Quote: Der Markt pfeift auf Nostalgie

VW-Markenchef Thomas Schäfer hat es unmissverständlich klargestellt: Das klassische Weltauto ist tot, der ID. Golf wird primär für Europa entwickelt. Und was kauft Europa? SUVs. Der Marktanteil hochgebockter Karosserien liegt auf unserem Kontinent mittlerweile stabil bei rund 60 Prozent.

Die Konkurrenz fackelt nicht lange und hat das Kompakt-Segment längst umgepflügt. Renault verkauft den Mégane E-Tech bereits als waschechten Crossover. Peugeot zieht beim kommenden E-308 die Coupé-SUV-Karte. Mercedes stampft die flache A-Klasse ein und baut stattdessen ein elektrisches Kompakt-SUV, während Ford den Namen Focus gerüchteweise nur noch für ein Crossover-Comeback reaktivieren will. Warum zur Hölle sollte ausgerechnet der kriselnde VW-Konzern Hunderte Millionen in eine Karosserieform pumpen, die außerhalb von Fahrschulen und Rentner-Garagen kaum noch Zuwachs generiert?

Modell-Kahlschlag: Der T-Roc frisst den klassischen Golf

Hinter den Kulissen tobt in Wolfsburg das milliardenschwere Sparprogramm. Die Devise lautet: Komplexität vernichten, Baureihen zusammenlegen, Entwicklungsbudgets halbieren. Der VW T-Roc war in den letzten Jahren zeitweise das meistverkaufte SUV Europas und wildert ohnehin schon längst im Revier des Golf.

Es wäre betriebswirtschaftlich fahrlässig, einen elektrischen ID.3-Nachfolger, einen Verbrenner-T-Roc-Erben und einen flachen ID. Golf parallel weiterzuschleppen. Die einzig logische Konsequenz: VW verschmilzt den Golf und den T-Roc zu einem einzigen Fahrzeug. Ein kompakter Crossover mit aerodynamischer Fastback-Linie, kürzeren Überhängen, aber eben mit der erhöhten Sitzposition und Bodenfreiheit, die die Masse will.

Kauft euch schon mal ein Sitzkissen

VW wird uns diesen Schritt als aerodynamische Meisterleistung und Raumwunder verkaufen. Doch nennen wir das Kind beim Namen: Der ID. Golf wird der letzte Sargnagel für das klassische Schrägheck sein. Wer die tiefe, bodennahe Sitzposition eines Golf 7 GTI geliebt hat, wird im Elektro-Zeitalter leer ausgehen.

Ob man das wirklich braucht? Für die Verkaufszahlen von VW ist es die einzig richtige Entscheidung, um gegen BYD, Geely und Stellantis nicht unterzugehen. Für echte Auto-Fans bleibt es ein Trauerspiel. Das wurde aber auch Zeit, dass man in Wolfsburg die Illusion vom flachen Volksstromer endlich begräbt.

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