VW ID. Polo GTI: Vmax-Kritik zwingt Wolfsburg zum Nachbessern

Die Ansage aus Wolfsburg war absehbar, wenn man die Reaktionen der Fangemeinde in den vergangenen Wochen verfolgt hat. Wer das Kürzel GTI auf die Heckklappe klebt, liefert ein Versprechen ab. Genau dieses Versprechen hat Volkswagen beim kommenden VW ID. Polo GTI mit einer elektronischen Drosselung auf mickrige 175 km/h gebrochen. Entwicklungschef Kai Grünitz räumte nun öffentlich ein, dass das Feedback der deutschen Käufer eindeutig ausfällt: Der erste elektrische GTI ist schlicht zu langsam auf der linken Spur.
Elektro-Tradition scheitert an der 175-km/h-Mauer
Für die Marke GTI ist die angekündigte Höchstgeschwindigkeit eine Blamage. Viele Fans hatten bereits bei der ersten Vorstellung des Elektro-Sportlers enttäuscht reagiert, weil der Abstand zum zivilen Basismodell auf der Autobahn minimal ausfällt. Schon der Ur-Golf GTI schaffte im Jahr 1976 mit seinen 110 PS spritzige 182 km/h. Der aktuelle Verbrenner-Polo GTI rennt sogar mit 207 PS bis zu 240 km/h schnell.
Ein Blick auf die Daten verdeutlicht die Absurdität. Trotz einer Systemleistung von 226 PS fährt der elektrische Hot Hatch ab Tacho 175 km/h gegen eine virtuelle Wand. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 6,8 Sekunden ist zwar passabel, doch auf der freien Autobahn zieht jeder Mittelklasse-Diesel vorbei.
Übersetzung und Akku als technische Fessel
Auf dem Papier ist der Grund für die Begrenzung technisch nachvollziehbar. Die Elektro-Architektur der Modellreihe, welche die FWD MEB-Entry-Plattform im Werk Martorell nutzt, setzt auf einen einzigen Elektromotor an der Vorderachse mit fester Getriebeübersetzung.
Das Problem liegt im Baukasten. Ein Ein-Gang-Getriebe verlangt Entwicklern harte Kompromisse ab. Wählt man eine längere Übersetzung für mehr Endgeschwindigkeit, leidet der Antritt im Bereich unter 100 km/h. Zudem saugt dauerhaftes Schnellfahren den kompakten 52-kWh-Akku innerhalb kürzester Zeit leer. Dennoch vergrault VW mit der starren Drossel genau jene Klientel, die bereit ist, einen saftigen Aufpreis für das GTI-Emblem zu zahlen.
Wolfsburg muss den Spagat neu kalibrieren
Jetzt lenkt der Konzern ein. Laut Kai Grünitz arbeitet die Entwicklungsabteilung an einer Anpassung, um dem ID. Polo GTI vor der Markteinführung mehr Topspeed einzuhauchen. Die Ingenieure prüfen derzeit Anpassungen an der Getriebeübersetzung und der Motor-Software.
Ein höheres Tempo bedeutet für die Wolfsburger jedoch eine Gratwanderung. Schraubt man die Abregelung auf 180 km/h oder 190 km/h hoch, verschlechtert sich potenziell der Wert beim Sprint aus dem Stand. Dass Volkswagen den Unmut der Kundschaft überhaupt ernst nimmt, ist eine späte, aber richtige Entscheidung – während der zivile Ableger im Autobahntest überzeugen konnte, darf das Topmodell auf der linken Spur schlicht nicht verhungern.
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