VW Mission Efficiency: Rekordverbrauch zeigt das Problem

Die Daten zur VW Mission Efficiency sind selbst für ein Elektroauto absurd niedrig: nur 7,51 kWh auf 100 Kilometer sind rekordverdächtig. Die Rekordfahrt von Wolfsburg nach Wien ist beeindruckend – aber sie zeigt gleichzeitig ziemlich schonungslos, wie viel Effizienz Volkswagen aus dem Antrieb tatsächlich herausholen könnte, wenn die Karosserie kompromisslos auf niedrigen Verbrauch getrimmt wird.
0,158 cW sind beeindruckend – aber nicht alltagstauglich
Die Mission Efficiency basiert auf dem VW ID. Polo, ist mit diesem aber optisch kaum noch zu vergleichen. Volkswagen verlängert die Karosserie auf 4.775 Millimeter, senkt sie auf 1.392 Millimeter ab und verpasst dem Zweitürer eine stark nach hinten zulaufende Form. Dazu kommen verkleidete Hinterräder, ein komplett verkleideter Unterboden und zahlreiche Details, die den Luftstrom möglichst sauber halten sollen.
Das Ergebnis ist ein Luftwiderstandsbeiwert von cW 0,158 bei einer Stirnfläche von 2,08 Quadratmetern. Genau hier liegt der eigentliche Kern des Projekts. Die Technik stammt weitgehend aus dem Konzernbaukasten, die Karosserie erledigt den Rest. Der Vergleich mit dem aktuellen VW ID. Polo im Praxistest macht den Unterschied ziemlich greifbar: Der Serien-Polo kommt bei 130 km/h auf der Autobahn auf deutlich höhere Verbrauchswerte.
Volkswagen hat dafür nicht einfach ein glattes Showcar gezeichnet. Die Studie besitzt eine EU-Straßenzulassung und erfüllt laut Hersteller die entsprechenden Schutz-, Festigkeits- und Crashanforderungen. Gleichzeitig bleibt sie ein extremer Spezialfall. Zwei Türen, niedrige Karosserie und nur 2+2 Sitzplätze sind für einen Kleinwagenmarkt mit möglichst viel Alltagstauglichkeit nicht gerade die naheliegendste Kombination.
Besonders interessant sind die Räder. VW beziffert deren Anteil am aerodynamischen Widerstand auf etwa 25 bis 30 Prozent. Deshalb sitzen die Vorderräder eng in den Radhäusern, Deflektoren reduzieren Verwirbelungen und transparente Radabdeckungen verbessern die Strömung. Auch bei den Reifen wurde nicht irgendein Serienprodukt montiert: Continental entwickelte eine Variante auf Basis des EcoContact 7 mit niedrigem Rollwiderstand und optimierter Flanke.

Der Akku ist klein – genau deshalb wird der Vergleich spannend
Unter der spektakulären Karosserie steckt erstaunlich wenig Batterie. Die Mission Efficiency nutzt einen NMC-Akku mit 54,9 kWh netto und Cell-to-Pack-Technologie. Volkswagen hat die nutzbare Kapazität gegenüber dem ID. Polo per Software von 52 auf knapp 55 kWh angehoben. Für ein Rekordfahrzeug ist das logisch, für ein Serienauto wäre ein solcher Umgang mit dem Puffer allerdings nicht ohne Weiteres übertragbar.
Beim Antrieb bleibt es ebenfalls bodenständig. Ein APP290-Permanentmagnetmotor mit 99 kW treibt die Vorderräder an. Der Motor wiegt nur 75 Kilogramm. Anpassungen gibt es bei der Ölkühlung und bei der Übersetzung, die länger ausfällt. Eine integrierte Wärmepumpe nutzt R744, also Kohlendioxid, als Kältemittel.
Der entscheidende Unterschied liegt trotzdem nicht im Motor. VW selbst zeigt mit der MEB+-Strategie für ID. Polo und weitere Elektromodelle, dass die Plattform bereits als technische Basis für die neue Generation gedacht ist. Die Mission Efficiency demonstriert nun, was passiert, wenn dieselbe Basis in eine Karosserie gesteckt wird, bei der Aerodynamik praktisch alles andere dominiert.
Das zeigt sich besonders bei höherem Tempo. Ab 80 km/h soll die Studie mehr als 30 Prozent weniger Energie benötigen als der ID. Polo. Bei 140 km/h soll sie ungefähr so viel Energie verbrauchen wie der Serien-Polo bei 100 km/h. Das ist keine Kleinigkeit, denn genau bei Autobahngeschwindigkeit wird Luftwiderstand zum entscheidenden Gegner.
1.278 Kilometer mit nur einem Ladestopp
Der Rekord ist deshalb nicht bloß eine theoretische Prüfstandszahl. Volkswagen legte 1.278,36 Kilometer von Wolfsburg nach Wien zurück. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 67,72 km/h, maximal wurden 138 km/h erreicht. Am Ende standen laut VW noch 164 Kilometer Restreichweite im Fahrzeug.
Der gemessene Verbrauch lag bei 7,51 kWh/100 km inklusive Ladeverlusten. Ohne Ladeverluste waren es 6,89 kWh/100 km. Bei einer konstanten Geschwindigkeit von 68 km/h kam die Studie unter den angegebenen Bedingungen sogar auf 6,48 kWh/100 km.
Auch das Solardach ist interessant. Im Glasdach und in der Heckklappe sitzen 370 Watt Photovoltaikleistung. Das System versorgt allerdings nur die Bordelektrik. Je nach Jahreszeit, Region und Wetter sollen dadurch bis zu 30 Kilometer zusätzliche Reichweite pro Tag möglich sein.
Noch spannender ist die Hinterachse. Dort besitzt die Studie keine klassische mechanische Bremse, sondern bremst ausschließlich über Rekuperation. Die elektromechanische Lösung spart Platz und Gewicht, weil Bremsleitungen und Bremsflüssigkeit für die Hinterachse entfallen. Gleichzeitig lässt sich die Bremskraft zwischen den beiden Hinterrädern variabel verteilen.
Im Innenraum macht VW ebenfalls klar, dass hier nicht das normale Serienrezept im Mittelpunkt steht. Ein fest eingebauter Touchscreen fehlt. Stattdessen soll das Smartphone über eine Halterung die Navigation und Unterhaltung übernehmen, während eine mobile Bluetooth-Box die fest verbauten Lautsprecher ersetzt. Dazu kommen zwei USB-C-Anschlüsse und zusätzliche Staumöglichkeiten.
Der Kofferraum fasst trotz der flachen Form 481 Liter. Unter der Rücksitzbank gibt es weitere 2 x 4 Liter, hinter den seitlichen Verkleidungen weitere 2 x 16 Liter. Die Ladefläche ist bis zu 1,80 Meter lang.
Genau hier liegt für mich die eigentliche Aussage der Studie. Volkswagen beweist mit der Mission Efficiency nicht, dass ein heutiger ID. Polo plötzlich 7,5 kWh auf 100 Kilometer verbrauchen kann. Volkswagen beweist, dass die bestehende Technik mit einer radikal besseren Karosserie wesentlich effizienter arbeiten könnte.
Und das ist gleichzeitig das Problem. Eine 4,77 Meter lange, extrem flache Coupé-Karosserie mit zwei Türen und eingeschränkter Rücksitzhöhe ist für das urbane Alltagsleben kein sinnvoller Ersatz für einen normalen Kleinwagen. Der Rekord ist also echt beeindruckend. Der konkrete Weg dorthin ist für Kunden aber kaum übertragbar.
Genau deshalb bleibt von der Mission Efficiency vor allem eine unbequeme Erkenntnis: Die Effizienz steckt nicht nur in Akku, Motor und Software. Ein erheblicher Teil liegt schlicht in der Form des Autos. VW hat das eindrucksvoll vorgeführt – nur leider mit einer Karosserie, die man im normalen Straßenverkehr eher bestaunen als kaufen dürfte.
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