Škoda Epiq: Solider Stromer, teure Realität

Škoda hat sich im Elektro-Segment längst aus dem Schatten der Konzernschwestern gearbeitet. Der Epiq soll als neuer Einstiegs-SUV diesen Trend weiter pushen. Auf dem Papier klingt das überzeugend: 4,17 Meter Länge, Volumentechnik aus dem VW-Konzern, ordentliches Platzangebot und ein Basispreis von 25.900 Euro. In der Praxis zeigt sich schnell die Kehrseite.
Das Basismodell Epiq 35 mit dem 37-kWh-Akku verspricht unter Idealbedingungen 310 Kilometer Reichweite. Die Ladeleistung an der Schnellladesäule bleibt bei mageren 50 kW stehen. Wer regelmäßig zu Hause oder am Arbeitsplatz lädt, kommt damit klar. Für alle anderen ist das nicht mehr zeitgemäß. Der elektrische Zwillingsbruder des VW ID. Cross nutzt dieselbe Plattform, doch der Preis-Druck sitzt. Die meisten Kunden werden am Epiq 55 kaum vorbeikommen. Der startet mit 32.100 Euro und in der First Edition bei 38.950 Euro – für einen kompakten Crossover der Vier-Meter-Klasse kein Schnäppchen.
Reichweite und Leistung: Topmodell überzeugt, Basis enttäuscht
Im Epiq 55 steckt ein 155-kW-Motor mit 211 PS an der Vorderachse. Der beschleunigt flott und reicht auf der Autobahn bis 160 km/h. Die Reichweite steigt auf bis zu 440 Kilometer. Von 10 auf 80 Prozent dauert der Ladevorgang an einer passenden Säule knapp 25 Minuten. Das ist solide. Die kleinere Batterievariante bleibt dagegen klar hinter dem Anspruch zurück, den ein modernes Elektroauto heute erfüllen sollte.
Škoda bringt die guten Gene der MEB-Plattform und der größeren Brüder ins Einsteigersegment. Das Fahrwerk priorisiert Komfort, ohne wabbelig zu werden. Der niedrige Schwerpunkt hält Wankbewegungen im Zaum, die Lenkung arbeitet leichtgängig und präzise. Selbst in schnelleren Kurven bleibt das Auto souverän. Nichts knarzt oder rappelt. Das machen viele Wettbewerber schlechter. Für echte Fahrfreude auf der Landstraße reicht die üppige Leistung allemal – auch wenn niemand für 160 km/h Spitze bei 1,7 Tonnen Leergewicht zwingend 211 PS braucht.
Platz, Praxis und die Preis-Lücke
Vorne und hinten bietet der Epiq ausreichend Raum. Der Kofferraum fasst 475 Liter – für die Klasse ein starker Wert. Praktische Ablagen, ein gut ablesbares Zentraldisplay und die üblichen Škoda-Detaillösungen sind vorhanden. Hartplastik bleibt im Rahmen. Sitze und Lenkradheizung gehören zum Basispaket, elektrisch verstellbare Sitze gibt es auf Wunsch. Die Bedienung über den zentralen Bildschirm ist klar, die Instrumentenanzeige hinter dem Lenkrad fällt allerdings zu klein aus. Ein Head-up-Display fehlt – in diesem Segment verschmerzbar. Im Fond sitzen zwei Kinder mittlerer Größe bequem, Sitzheizung und elektrische Heckklappe sucht man dort vergeblich.
Wer mehr Platz braucht, steigt ohnehin eine oder zwei Klassen höher ein. Škoda hat dafür die passenden Modelle. Der Epiq selbst zielt klar auf den urbanen und suburbanen Einsatz als Erstfahrzeug. Die Auftragsbücher sind vor dem offiziellen Marktstart bereits gut gefüllt. Das spricht für die Marke und das Format. Gleichzeitig bleibt der Preis die schmerzhafte Pille. In der Realität dürften die meisten Exemplare deutlich über 30.000 Euro landen. Das ist viel Geld für einen Einsteiger-SUV mit Elektroantrieb.
Die technische Basis überzeugt, das Fahrverhalten ebenfalls. Die klare Preisstrategie und die drei Antriebsvarianten des Epiq zeigen, wie Škoda das Einstiegssegment bedienen will. Doch die Differenz zwischen beworbenem Basistarif und alltagstauglicher Ausstattung bleibt groß. Wer den elektrischen Zwillingsbruder des VW ID. Cross mit dem Verbrenner-Kamiq vergleicht, merkt schnell: Die Volumentechnik hat ihren Preis. Die Plattform-Geschwister ID. Polo, Cupra Raval und Epiq bedienen unterschiedliche Käufertypen auf derselben Basis – der Epiq positioniert sich als der praktische, familienorientierte SUV-Ableger. Das funktioniert. Nur der Einstieg bleibt teurer, als der Werbetext suggeriert.
Škoda hat sich beinahe heimlich zu einer der erfolgreichsten Elektromarken in Europa entwickelt. Der Epiq wird diesen Erfolg weiter ausbauen. Solides Design, standesgemäßer Antrieb und ausreichend Platz sind vorhanden. Die Ladeleistung der Basis und der reale Preis bleiben die Punkte, die viele Interessenten erst einmal schlucken müssen.
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