XPeng P7: 500 kW Ladeleistung und Google Play Store für Europa

schräge Frontansicht neues Modell des Xpeng P7
Quelle: Xpeng
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Monatelang parkte XPeng die überarbeitete P7-Limousine auf europäischen Messebühnen, während Interessenten vor leeren Händlerseiten saßen. Jetzt kündigt der Hersteller den Europastart an – allerdings mit einer frustrierenden Leerstelle beim konkreten Auslieferungsdatum. Unter dem Blech steckt jedoch ein radikaler Schnitt, der zwei der größten Schwachstellen chinesischer Stromer auf einen Schlag ausmerzt.

Die Konzernspitze korrigiert frühere Fehlentscheidungen spürbar. Wer auf dem europäischen Markt gegen BMW i4 oder das Tesla Model 3 antreten will, darf Fahrern keine zähen Ladezeiten und vor allem keine unausgereiften China-Bedienoberflächen vorsetzen. Genau an diesen beiden Kernpunkten setzt das Facelift an.

800-Volt-System: Vom Ladesäulen-Bummler zum 500-kW-Sprinter

Äußerlich grenzt sich der Neuling durch eine überarbeitete Lichtsignatur mit markanten, schmalen Vertikalstreifen vom Vorgänger ab. Der eigentliche Technologiesprung liegt jedoch tief im Unterboden. XPeng stellt die Limousine auf eine reine 800-Volt-Architektur um, was die bisherigen Ladezeiten pulverisiert.

Der alte P7 war an der Schnellladesäule kein Vorzeigeathlet. Satte 29 Minuten vergingen für den Hub von 10 auf 80 Prozent. Beim neuen Modell fließen im Peak beinahe 500 kW Gleichstrom in das Akkupaket. Das reduziert die Standzeit drastisch und rückt den Ladevorgang in das Zeitfenster einer kurzen Kaffeepause.

Dass extreme Ladeleistungen in der Praxis aber auch eine saubere Vorkonditionierung verlangen, zeigte bereits die Ladekurve im XPeng P7+ Dauertest, wo Software und Temperaturmanagement Hand in Hand gehen müssen. Hohe Laborwerte nützen wenig, wenn die Ladeleistung bei Minusgraden einknickt.

Auch beim Vortrieb lässt XPeng keine Zweifel aufkommen. Die allradgetriebene Topversion liefert 593 PS ab und schießt in 3,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Für den Berufsverkehr reicht allerdings schon die heckgetriebene Basisausführung mit 367 PS, die mehr als genug Durchzug für zügige Überholvorgänge bereithält.

Magna-Montage federt EU-Zölle ab, doch der Zeitplan bleibt schwammig

Wer derzeit die deutsche Website des Herstellers ansteuert, stößt auf eine Modelllücke. Der reguläre P7 lässt sich nicht mehr konfigurieren. Als einzige Alternative im Showroom dient aktuell der P7+ im alten Blechkleid, der ab 46.600 Euro in der Preisliste steht. In diesem Tarifbereich dürfte sich auch die Neuauflage einsortieren.

Möglich wird diese Preisgestaltung vor allem durch die industrielle Aufstellung. Die Auftragsfertigung bei Magna in Graz schützt XPeng vor den crippling EU-Strafzöllen auf reine China-Importe. Ohne diese Fertigung auf europäischem Boden wäre der anvisierte Preispunkt schlicht nicht kalkulierbar gewesen.

Der Schritt passt zur langfristigen Europa-Offensive von XPeng, mit der das Händlernetz im Rekordtempo hochgezogen wird. Umso unverständlicher wirkt die aktuelle PR-Taktik. Dass ein Unternehmensvertreter den Verkaufsstart lediglich auf „demnächst“ datiert, verärgert Vorbesteller. Kaufwillige Kunden verlangen verbindliche Quartalsangaben statt PR-Floskeln.

China-Software fliegt raus: Google Play Store übernimmt ab 2027

Der wichtigste Strategiewechsel vollzieht sich auf dem zentralen Touchscreen. Chinesische Infotainmentsysteme scheitern im Westen regelmäßig an mangelnden Schnittstellen, fehlenden Drittanbieter-Apps und wirren Übersetzungsschleifen. XPeng zieht die Notbremse und setzt für die Exportmärkte voll auf Android Automotive.

Die entscheidende Stufe zündet ab Anfang 2027: Dann integriert der Autobauer den nativen Google Play Store direkt in das Betriebssystem. Damit wandern Apps wie Spotify, YouTube oder ABRP ohne Bastellösungen ins Auto. Das Infotainment wird von einer proprietären Insellösung zum vollwertigen Bestandteil des Android-Ökosystems.

Diesen Weg zeichnete bereits die tiefe Google-Maps-Anbindung im XPeng L03 vor, bei der man auf vollwertige Integration statt Smartphone-Mirroring setzte. XPeng folgt damit Marken wie Geely und BYD, die erkannt haben, dass der europäische Kunde sein gewohntes App-Umfeld verlangt.

Einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt die Ankündigung trotzdem. XPeng schweigt bisher eisern dazu, was mit bereits ausgelieferten Bestandsfahrzeugen passiert. Ob Erstkäufer jemals ein Update auf den Play Store erhalten oder auf der alten Softwarebasis sitzen bleiben, ist völlig ungeklärt.

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