BYD Dolphin Surf: Fünfsitzer-Upgrade entpuppt sich als Mogelpackung

schräge Frontansicht eines gelb-grünen BYD Dolphin Surf
Quelle: BYD
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BYD rüstet den Dolphin Surf auf und bringt den kleinsten Stromer der Flotte endlich als Fünfsitzer nach Europa. Bislang mussten Käufer mit vier Plätzen auskommen, was im Alltag schlicht genervt hat. Jetzt bessern die Chinesen nach – doch wer in die Ausstattungsliste schaut, stößt auf eine ziemlich absurde Modellpolitik.

Auf dem Pariser Autosalon haben sie das überarbeitete Modell offiziell hingestellt. Künftig sollen Vier- und Fünfsitzer parallel vom Band laufen, je nachdem, was der Markt nachfragt. Das klingt auf dem Papier nach einem echten Fortschritt für Familien und urbane Pendler.

In meinen Augen kippt dieser Vorteil jedoch sofort, wenn man den Konfigurator öffnet. Den fünften Sitz gibt es nämlich vorerst nur in der nackten Basisversion namens Active. Die gehobenen Varianten Boost und Comfort bleiben weiterhin reine Viersitzer.

Das bedeutet im Klartext: Wer fünf Gurte benötigt, wird vom Hersteller zwangsweise auf den kleinsten Akku mit 30,0 kWh festgenagelt. Das reicht nach WLTP für magere 220 Kilometer, was im echten Leben und bei winterlichen Temperaturen verdammt eng wird. Für mich ist diese Koppelung schlicht unverständlich: Wer Platz für Kind und Kegel braucht, will doch nicht bei jedem Überland-Trip um Reichweite bangen.

Dass der Hersteller beim Raumkonzept eigene Pfade einschlägt, zeichnete sich bereits ab, als die ersten Innenraum-Details zum Dolphin Surf das umgestaltete Cockpit ohne klassischen Tacho zeigten. Aber eine vollwertige Rückbank künstlich an die kleinste Batterie zu ketten, ist ein fauler Kompromiss.

Die wichtigsten Änderungen des Facelifts im Überblick:

  • Sitzplätze: Neuer Fünfsitzer verfügbar (parallel zum Viersitzer, vorerst primär im Active).
  • Infotainment: Native Google-Dienste (Google Maps, Google Assistant, Play Store) ab Werk integriert.
  • Displays: 12,8-Zoll-Dreh-Touchscreen für Boost und Comfort (Active behält 10,1 Zoll).
  • Bedienung: Fahrmodus-Wähler wandert an die rechte Lenksäule; Scheibenwischer ziehen auf den linken Blinkerhebel um.
  • Serienausstattung: 16-Zoll-Alufelgen und Klimaautomatik ab Basismodell; Sitz- und Lenkradheizung in höheren Linien.
  • Farben: Neues Skiing White außen, zusätzlicher blauer Farbton für den Innenraum.

Google wirft die alte Software raus, der Ganghebel wandert

Deutlich besser gefällt mir, was BYD bei der Software anstellt. Das bisherige System fliegt raus, stattdessen zieht natives Google Built-in ins Auto ein. Google Maps, der Google Assistant und der Play Store laufen ab Werk direkt auf dem System, sodass Apps wie Spotify oder YouTube ohne Gefrickel mit dem Smartphone starten.

Bei den Bildschirmen gibt es ebenfalls ein Upgrade, zumindest wenn man mehr Geld auf den Tisch legt. Die teureren Varianten Boost und Comfort bekommen einen drehbaren Touchscreen mit 12,8 Zoll spendiert. Das Basismodell Active muss sich weiterhin mit dem kleineren 10,1-Zoll-Monitor begnügen.

Hinter dem Lenkrad räumt BYD ebenfalls ordentlich auf. Der bisherige Fahrmodus-Schalter auf der Mittelkonsole ist Geschichte, der Ganghebel wandert als eigener Hebel rechts an die Lenksäule. Dadurch muss der linke Hebel künftig Blinker, Fernlicht und Scheibenwischer gleichzeitig stemmen – das erfordert am Anfang definitiv ein bisschen Fingerakrobatik.

Dieser Umbau passt nahtlos zu den Hinweisen, die wir schon aus den Homologationsdaten für das europäische Upgrade kannten. Immerhin spendiert BYD der Basisversion jetzt serienmäßig 16-Zoll-Alufelgen und eine Klimaautomatik, was den billigen Kassen-Look der alten 15-Zoll-Stahlräder endlich beerdigt.

Gleicher Antrieb, bekannte Ladezeiten und harter Preisdruck

Unter dem Blech ändert sich bei der Technik dagegen nichts. Active und Boost leisten 65 kW (88 PS), während der Comfort mit 115 kW (156 PS) vorfährt. Neben dem 30-kWh-Akku steht weiterhin die größere Batterie mit 43,2 kWh bereit, die immerhin 322 Kilometer Normreichweite verspricht.

Geladen wird an der Wallbox oder an öffentlichen Ladesäulen serienmäßig mit ordentlichen 11 kW Drehstrom. Am DC-Schnelllader zieht der kleine Akku mit maximal 65 kW, die größere Batterie schafft bis zu 85 kW. Für den Ladehub von 10 auf 80 Prozent vergehen rund 30 Minuten, der Comfort lädt von 30 auf 80 Prozent in 22 Minuten – das sind absolut solide Werte für die Stadt, aber sicher keine Rekorde.

Auf dem Papier verlangt BYD weiterhin mindestens 23.490 Euro für das Einstiegsmodell. Im echten Leben unterbieten die Händler diesen Preis schon seit Monaten massiv und verramschen den Wagen mit Aktionen teils für unter 20.000 Euro. Mit solchen Kampfpreisen greifen die Chinesen nicht nur hierzulande an, sondern zielen mit Modellen wie dem Dolphin G gegen Polo und Yaris direkt auf das europäische Kleinwagensegment.

Mein Fazit fällt zwiegespalten aus: Google im Auto und serienmäßige Alufelgen werten den City-Stromer spürbar auf. Doch die Beschränkung der fünf Sitze auf die magere 220-Kilometer-Batterie ist für mich ein fauler Kompromiss. Würdet ihr euch einen Fünfsitzer mit 30-kWh-Akku als Familien-Zweitwagen vor die Tür stellen?

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Ein Kommentar

  1. ein Zweitwagen für die Stadt muss schon mindestens 10000km Reichweite haben… Traumtänzerei und absoluter Quatsch ihre Vorstellungen. 220km reichen absolut für eine deutsche Stadt aus.

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