VW ID. Buzz: Zweite Generation soll teure Fehlkalkulation beenden

Thomas Schäfer hat auf dem Pariser Autosalon 2026 reinen Tisch gemacht: Volkswagen entwickelt ganz offiziell eine zweite Generation des ID. Buzz.
Bevor die Neuauflage allerdings vorfährt, sprach der VW-Chef eine extrem bittere Wahrheit aus: Der Elektro-Bulli operiert laut Schäfer schlicht auf der komplett falschen Kostenbasis.
In meinen Augen ist das die längst überfällige Beichte. Das Ding ist optisch der größte Sympathieträger der Wolfsburger, scheitert an der Kasse aber krachend am Massenmarkt.
Das 60.000-Euro-Dilemma: Warum der Kult-Bulli an der Kasse scheitert
Vier Jahre rollt der ID. Buzz nun über die Straßen, doch die Bilanzen sind ernüchternd. Die weltweiten Sympathiewerte sind riesig, die realen Verkaufszahlen für einen Volumenhersteller dagegen ein Desaster.
Dass reiner Retro-Charme keine Rechnungen bezahlt, hat sich in Übersee bitter gerächt: Als der VW ID. Buzz in den USA eingestellt wurde, waren der happige Preis und die maue Reichweite die direkten Sargnägel.
Wer in Großbritannien fast 60.000 Pfund für den Einstieg aufruft oder Familien hierzulande mit satten Listenpreisen abschreckt, verfehlt die Marke Volkswagen. Für Handwerker oder normale Familien rechnet sich der Wagen schlicht nicht.
Vor dem großen Neustart steht daher reine Schadensbegrenzung an: Volkswagen schiebt für das aktuelle Modell zunächst noch reguläre Modellpflegen und Updates nach, um den Bus im Markt frisch zu halten.
Rettung durch SSP und LFP: Wie VW den Preis endlich drücken will
Der echte Befreiungsschlag gelingt erst mit dem Plattformwechsel. Die zweite Generation beerdigt die veraltete MEB-Architektur und zieht auf die kommende SSP (Scalable Systems Platform) um.
Das bringt auf dem Papier handfeste Vorteile: Mehr Reichweite, spürbar kürzere Ladezeiten und eine zeitgemäße Elektronik. Der eigentliche Hebel liegt für Volkswagen aber im Geldbeutel.
Weil die Volkswagen SSP-Einheitsplattform als universelles Fundament für unzählige Konzernmodelle dient, sollen die Produktions- und Entwicklungskosten drastisch sinken.
Zusätzlich stellte Schäfer den Einsatz von günstigeren Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LFP) in Aussicht. Diese Zellen sind robust, kobaltfrei und in der Herstellung deutlich preiswerter.
Bei einer rollenden Wand mit hohem Luftwiderstand halte ich das für einen überfälligen Schritt. Bisher trieben riesige NMC-Akkus das Leergewicht und den Kaufpreis gleichermaßen in absurde Höhen.
Wie sehr die aktuelle MEB-Basis am Limit operiert, zeigt sich bei den Freizeit-Mobilen: Beim geplanten VW ID California Cruise drohten das enorme Batteriegewicht und das strikte Zuladungslimit das Camper-Konzept fast abzuwürgen.
Während Wolfsburg im Hintergrund sogar prüft, die SSP-Plattform für Range Extender vorzubereiten, fliegt im Cockpit der größte Nervfaktor raus: Die fummeligen Touch-Slider weichen echten physischen Schaltern und dem aufgeräumten Layout aus ID. Polo und ID. Tiguan.
Die Beetle-Falle: Warum Mindt mit dem Retro-Kult bricht
Beim Blechkleid tritt VW-Chefdesigner Andreas Mindt bewusst auf die Bremse. Seine Warnung ist eindeutig: Wer Retro-Elemente unendlich kopiert, manövriert sich geradewegs in eine Sackgasse.
Mindt verweist dabei warnend auf den New Beetle. Den ersten fanden alle charmant, beim zweiten flaute das Interesse ab – und am Ende hatte sich die Kundschaft am Retro-Look schlicht sattgesehen.
Ein weißer Kastenwagen sieht im Straßenbild meist wie der andere aus, betont Mindt. Der neue Buzz soll deshalb weiterhin Charakter zeigen, ohne die 1960er-Jahre ein weiteres Mal platt zu kopieren.
Für mich ist das die einzig richtige Entscheidung. Ein Hauch Nostalgie ist sympathisch, aber ein Auto von morgen darf nicht zur eigenen Karikatur verkommen.
Bis zur zweiten Generation vergehen allerdings noch Jahre. Das erste SSP-Fahrzeug wird ein großes Flaggschiff-SUV (mutmaßlich der ID. Touareg) vor Ende des Jahrzehnts – der Buzz folgt erst mit deutlichem Abstand.
Reicht der Wechsel auf LFP-Akkus und echte Schalter aus, um den Elektro-Bulli massentauglich zu machen – oder hat VW den Markt für bezahlbare Familien-Vans bis dahin verspielt? Was meint ihr?
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