Cariad: Volkswagen streicht 1.000 Stellen und Milliarden

weißes Volkswagen Logo auf dunkelblauem Hintergrund
Quelle: Volkswagen AG
Verpasse keine News, folge mir auf WhatsApp, Mastodon oder Google News

Der aktuelle Bericht über den Kahlschlag bei Cariad bestätigt, was sich in Wolfsburg seit Monaten abzeichnete: Volkswagen gibt den Traum von der eigenen Software-Macht auf. Der Konzern streicht knapp 1.000 Stellen und kürzt Milliarden. Für mich markiert dieser Schritt das endgültige Eingeständnis einer gescheiterten Strategie, die vor Jahren als Befreiungsschlag gegen das Silicon Valley begann.

1.000 Stellen fallen: Cariad wird zum Rumpfteam

Auf einer internen Betriebsversammlung enthüllte die Führungsebene der Software-Sparte das volle Ausmaß der Restrukturierung. Wie zuerst das Handelsblatt berichtete, plant der Konzern den Abbau von rund 1.000 Arbeitsplätzen in den kommenden Monaten. Bei einer verbliebenen Belegschaft von knapp 4.300 Beschäftigten fällt damit nahezu jede vierte Stelle weg. Ende 2023 arbeiteten noch rund 6.500 Menschen für die Software-Tochter. Der Einbruch ist gewaltig.

Der geplante Personalabbau trifft auf ein angespanntes Umfeld. Cariad hat parallel bestehende Tarifverträge gekündigt, darunter auch den Manteltarifvertrag. Damit stehen Vergütungsstrukturen und Sozialstandards zur Disposition. Betriebsbedingte Kündigungen schließt die Unternehmensleitung derzeit nicht mehr aus. Der bisherige Kurs einer einvernehmlichen Trennung über Abfindungen stößt an seine finanziellen Grenzen.

Der Druck stieg seit Monaten spürbar. Selbst Initiativen wie der Berliner Campus als Neustart auf AOSP-Basis konnten das Vertrauen der Konzernspitze nicht zurückgewinnen. Premiummarken wie Audi und Porsche drängten vehement auf eigene Software-Lösungen, um Verzögerungen bei wichtigen Fahrzeuganläufen künftig zu vermeiden.

6,1 Milliarden Euro Kürzungsdiktat aus Wolfsburg

Der Stellenabbau bildet lediglich die Spitze eines tiefgreifenden finanziellen Rückzugs. Ein internes Zielpapier zeigt die extremen Vorgaben der Konzernmutter. Im Zeitraum von 2027 bis 2031 muss Cariad seine Investitionen um 6,1 Milliarden Euro senken. Zusätzlich verlangt Wolfsburg ab 2030 einen operativen Ergebnisbeitrag von 400 Millionen Euro pro Jahr.

Die drastischen Budgetkürzungen zwingen das Entwicklerteam zur strikten Fokussierung. Eigenentwicklungen beschränken sich künftig auf die Weiterentwicklung der bestehenden Steuergeräte-Architekturen E3 1.1 und E3 1.2 sowie spezialisierte Funktionen für automatisierte Fahrassistenten. Ganze Entwicklungsfelder werden gestrichen oder an externe Dienstleister ausgelagert.

Für die deutsche Zuliefererlandschaft bedeutet dieser Schwenk einen harten Dämpfer. Entwicklungsdienstleister, die über Jahre hinweg fest mit Aufträgen aus der Software-Sparte kalkulierten, stehen vor leeren Auftragsbüchern. Volkswagen schließt den Geldhahn für teure Eigenentwicklungen konsequent zu.

Zukauf statt Eigenentwicklung: Die neue Partnerschafts-Realität

Der radikale Sparkurs bei Cariad ist das direkte Resultat einer veränderten Konzernstrategie unter Oliver Blume. Anstelle langwieriger Inhouse-Programmierungen kauft Volkswagen fertige Software-Architekturen am Markt ein. Auch wenn die Milliarden-Allianz zwischen VW und Rivian mit finanziellen Risiken verbunden ist, soll die zonale Software des US-Start-ups die Basis für künftige Volumenmodelle wie den ID. Every1 liefern.

In China vollzieht der Konzern dieselbe Wende. Für den dortigen Markt greift Volkswagen auf die Elektronik-Plattform CEA des Partnerherstellers Xpeng zurück. Cariad agiert in diesen Projekten nicht mehr als Entwickler, sondern verkommt zur reinen Integrationsinstanz für fremde Systeme.

Diese Pragmatik zeigt sich bis hinein ins Fahrzeug-Cockpit. Der Umstieg auf ein Android-Bordsystem beim ID.3 Neo verdeutlicht den Kurswechsel. Die Idee eines einheitlichen, proprietären Konzern-Betriebssystems gehört endgültig der Vergangenheit an.

Das Ende einer teuren Konzerntäuschung

Die Illusion einer eigenen deutschen Software-Übermacht ist zerstört. Cariad sollte Volkswagen unabhängig von Google und Apple machen. Am Ende standen verzögerte Modellstarts, ausufernde Kosten und verärgerte Kunden.

Starre Konzernstrukturen und anhaltendes Kompetenzgerangel zwischen den Einzelmarken haben das Projekt ausgebremst. Der Abbau von 1.000 Stellen und das Kürzungsziel von 6,1 Milliarden Euro sind die folgerichtige Quittung. Wolfsburg zieht die Reißleine – und überlässt die digitale Zukunft wieder anderen.

Google bevorzugte Quelle Schmidtis Blog Schmidtis Blog zu Deiner bevorzugten Quelle bei Google hinzufügen

Links mit einem * sind Partner-Links. Durch einen Klick darauf gelangt ihr direkt zum Anbieter. Solltet ihr euch dort für einen Kauf entscheiden, erhalte ich eine kleine Provision. Für euch ändert sich am Preis nichts. Danke für eure Unterstützung!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert