EU-Kommission: Milliardenspritze für eigene KI-Gigafactories

Futuristischer High-Tech-Serverraum für Supercomputer in Shenzhen. Reihen eleganter, schwarzer und rot leuchtender Server-Racks erstrecken sich in die Ferne. Blaue Glasfaser-Datenströme sind durch transparente Böden sichtbar
Grafik: Schmidtis Blog
Verpasse keine News, folge mir auf WhatsApp, Mastodon oder Google News

Die Europäische Kommission startet den nächsten Anlauf, um im weltweiten KI-Wettrüsten nicht komplett den Anschluss zu verlieren. Der Plan: Mit 10 Milliarden Euro an öffentlichen Geldern soll privates Kapital mobilisiert werden, um insgesamt 30 Milliarden Euro in bis zu sieben europäische KI-Gigafactories zu pumpen. Klingt erst mal nach einer echten Ansage. Ist es aber nur auf den ersten Blick.

Wer kurz nach Übersee schielt, sieht die Relationen schnell geradegerückt: US-Tech-Riesen wie Meta oder Microsoft schaufeln eine solche Summe mittlerweile entspannt in einem einzigen Quartal in ihre Rechenzentren.

KennzahlEU-InitiativeUS-Hyperscaler (Vergleich)
Gesamtbudget30 Mrd. € (öffentlich + privat)30–40 Mrd. $ (pro Quartal)
Geplanter BaustartAnfang 2027Fortlaufend / Sofort
Hardware-BasisNvidia, AMD, Qualcomm + EU-QuotePropriethäre Custom-Chips + Nvidia

US-Hardware schlägt europäisches Wunschdenken

Abseits der üblichen Sonntagsreden über digitale Souveränität und DSGVO-Konformität zeigt sich die harte Realität der Chipwelt: Europa hat schlicht keine eigenen High-End-Beschleuniger auf dem Markt, die es mit Nvidias Blackwell-Architektur oder AMDs Instinct-Karten aufnehmen könnten. Wen überrascht es da, dass die EU-Kommission vorab Absichtserklärungen mit genau diesen US-Giganten – Nvidia, AMD und Qualcomm – unterzeichnen musste?

Klar, die Kommission fordert feste Kontingente für europäische Hardware-Hersteller. Damit sollen heimische Initiativen rund um RISC-V oder europäische Prozessorentwickler eine Chance bekommen. Das Problem dabei: Nvidias CUDA-Software-Stack hält die Entwicklerwelt seit Jahren felsenfest im Griff. Ich bin wirklich gespannt, wie europäische Startups ohne Wettbewerbsnachteile trainieren sollen, wenn die eigentliche Rechenpower am Ende doch wieder aus den USA importiert wird.

Der Faktor Zeit wird zum größten Risiko

Der eigentliche Knackpunkt liegt allerdings im Kalender. Die Ausschreibung läuft in zwei Phasen bis zum 12. November 2026. Vergeben wird Anfang 2027 – und erst dann soll der Bau überhaupt beginnen.

In der extrem schnelllebigen KI-Branche sind zwei Jahre ein halbes Zeitalter. Während in Brüssel Anträge geprüft und Kriterien gewälzt werden, kämpfen Betreiber in Deutschland schon heute mit Stromnetz-Anschlusszeiten von drei bis fünf Jahren. Mal sehen, ob die ersten KI-Gigafactories bei ihrer Fertigstellung nicht schon technologischer Kaffeesatz sind, bevor auch nur der erste Server-Schrank im Rack einrastet.

Google bevorzugte Quelle Schmidtis Blog Schmidtis Blog zu Deiner bevorzugten Quelle bei Google hinzufügen

Links mit einem * sind Partner-Links. Durch einen Klick darauf gelangt ihr direkt zum Anbieter. Solltet ihr euch dort für einen Kauf entscheiden, erhalte ich eine kleine Provision. Für euch ändert sich am Preis nichts. Danke für eure Unterstützung!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert