Honor 10X Lite Testbericht

Das Honor 10X Lite war das letzte Honor-Smartphone, welches wir in diesem Jahr vorgestellt bekommen haben. Und ich hatte die Gelegenheit, es zu testen. Für mich eine Premiere, da es das erste Gerät ohne Google-Dienste und nur mit den Huawei Mobile Services.

Doch das ist nicht das einzige Problem, mit dem das Honor 10X Lite zu kämpfen hat. Dennoch vielen Dank an Honor, die mir das Gerät für einen Test zur Verfügung gestellt haben.

Lieferumfang

Das Honor 10X Lite kommt in der typischen Honor-Verpackung. Viel blau und weiß ist zu sehen. Auf der Vorderseite ist ein Bild des Gerätes in der passenden Farbe zu sehen, an der Unterseite sind ein paar technische Details zu finden.

Im Karton erwartet euch dann neben dem Smartphone selbst auch noch ein USB C-Kabel und der Ladeadapter mit 22,5 Watt Schnellladen. Und natürlich das SIM-Eject-Tool. Mehr ist nicht zu finden.

Technische Daten

Das Honor 10X Lite verfügt über ein 6,67″ IPS-LCD mit FullHD+-Auflösung (2.400 x 1.080 Pixel) und einem „Punch Hole“ für die 8 MP Selfie-Kamera (Blende f/2.0). An der Seite ist ein Fingerabdrucksensor angebracht, während auf der Unterseite die 3,5 mm Kopfhörerbuchse und der Typ-C-Anschluss verbaut sind.

Auf der Rückseite befindet sich eine 48 MP-Hauptkamera mit einer Blende von f/1.8 und einem 5 MP-Ultraweitwinkelobjektiv. Zwei weitere 2 MP-Module für Makroaufnahmen und Tiefendaten sind ebenfalls verbaut. Das Telefon wird vom HiSilicon Kirin 710 mit 4 GB RAM und 128 GB Speicher betrieben, der via microSD-Karte um 512 GB erweiterbar ist.

Als Betriebssystem kommt Android 10 mit Honor’s Magic UI 3.1 zum Einsatz. Der Akku hat eine Kapazität von 5.000 mAh und kann mit 22,5 Watt schnell wieder aufgeladen werden.

Verarbeitung & Haptik

Honor-typisch gibt es bei der Verarbeitung nichts zu meckern. Hier ist man dank Huawei ja auf einem extrem hohen Niveau gewesen, was sich auch hier wieder zeigt. Das passt alles, da knarzt nichts.

Die Rückseite scheint aus Kunststoff zu bestehen, sieht aber sehr hochwertig aus. Das Gerät liegt gut in der Hand, wenn es vielleicht für mich ein wenig zu groß und zu schwer erscheinen mag. Beim Design folgt man den aktuellen Trends.

Auf der Vorderseite erwartet uns ein IPS-Display mit Punch-Hole für die Selfie-Kamera im “Full Screen Design” mit einer Screen-to-Body-Ratio von 91 Prozent. Auf der Rückseite finden wir dann das in der linken oberen Ecke platzierte Kameramodul, welches etwas aus dem Gehäuse herauszusteht.

Wenn man schon auf einen Fingerabdrucksensor unter dem Display verzichtet, dann sollte es man so wie Honor machen. Im Honor 10X Lite ist der Fingerabdrucksensor nämlich an der Seite im Power-Button verbaut – der optimale Platz dafür. Und er reagiert extrem schnell und, was ganz wichtig ist, man findet ihn mit dem Daumen sofort.

Optisch weiß das Modell durchaus zu gefallen, auch wenn es natürlich mittlerweile vielen anderen Geräten ähnelt. Doch das scheint der Geschmack der Zeit zu sein.

Display

Das 6,67″ IPS-Display bietet eine Auflösung von 2.400 x 1.080 Pixel bei 494 ppi im 20:9 Format. 60 Hz Bildwiederholrate müssen hier reichen, mehr wäre auch in dieser Preisklasse zu viel gewesen.

Leider kann man dem Display keine Bestwerte bestätigen. Die Helligkeit ist bescheiden und es gibt auch ein Probleme bei der gleichmäßigen Ausleuchtung des gesamten Displays, da gibt es leider erstaunlicherweise ein paar größere Abweichungen.

Auch der Schwarzwert und der Kontrast von 1200:1 können nicht wirklich überzeugen und man kann beides leider nur als Durchschnitt beschreiben.

Auch bei der Farbwiedergabe hat man ein wenig zu kämpfen, voreingestellt ist „Lebendig“. Ist aber nicht die beste Wahl, wenn ihr mich fragt, denn die Farben wirklich nicht natürlich. Wenn man allerdings ein wenig mit den manuellen Einstellungen der Farben „experimentiert“, dann bekommt man doch gute Ergebnisse bei der Farbdarstellung.

Das Display gehört also leider nicht zu den Highlights des Honor 10X Lite, hier scheint man doch ein wenig gespart zu haben.

Kamera

Auf der Rückseite wurde im Honor 10X Lite auf eine Quad-Kamera gesetzt. Diese besteht aus einer 48 MP-Hauptkamera mit einer Blende von f/1.8, einem 5 MP-Ultraweitwinkelobjektiv mit Blende f/2.4 sowie einem 2 MP-Modul für Makroaufnahmen mit Blende f/2.4 und einem 2 MP-Modul mit Blende f/2.4 für Tiefendaten.

Damit bekommt man bei guten Lichtverhältnissen ordentlich Aufnahmen. Nicht perfekt und bei weitem nicht so gut wie die Flaggschiffe, aber für schnelle Aufnahmen bietet sie gute Ergebnisse. Jedoch merkt man, wenn man in die Bilder zoomt, dass die Details teilweise verwaschen und verpixelt wirken.

Die Weitwinkelkamera bietet bei guten Lichtverhältnissen ebenfalls recht ordentliche Bilder, aber auch hier sollte nicht unbedingt in die Bilder reinzoomen.

Außer acht lasse ich dann mal die beiden 2 MP-Module, es sind keine echten Kameras und bieten nur geringen Mehrwert. Man hätte sie lieber weglassen sollen und eine ordentliche Dual-Kamera mit Haupt- und Weitwinkelkamera verbauen sollen. Leider fallen immer noch zu viele User auf diese Marketing-Masche rein, man braucht einfach keine Quad-Kamera!

Bei schlechten Lichtverhältnissen sind die Ergebnisse erfahrungsgemäß bei weitem nicht mehr so gut, so natürlich auch beim Honor 10X Lite. Dennoch überraschen die Bilder, denn da hat man von teureren Geräten teils schon schlechteres Bildmaterial am Ende rausbekommen.

Software & Performance

Hier kommen wir nun zum großen Knackpunkt des Honor 10X Lite. Fangen wir mal bei der Software an. Wegen der US-Sanktionen gegen Huawei, und dessen Tochter war Honor bis vor kurzem ja, kommt das Gerät ohne von Google lizenziertes Android in den Handel. Stattdessen kommt hier die Open-Source-Variante von Android mit Magic UI 3.1 zum Einsatz.

Alles was mit Google zu tun hat – Google-Dienste und auch die Google-Apps wie der Play Store, YouTube oder Maps fehlen. Ihr müsst für Apps auf die Huawei AppGallery zurückgreifen, dort gibt es viele Apps, aber bei weitem nicht so viele wie bei Google.

Auch kann kann offiziell natürlich keine Google Apps nutzen. Es gibt zwar viele Alternativen, Gmail kann man z.B. durch Spark oder die Huawei-eigene Mail-Lösung ersetzen, Google Maps durch das neue Huawei Petal Maps und auch für YouTube gibt es alternativen. Problem dürfte aber kontaktloses Bezahlen bereiten, Google Pay wird nicht funktionieren.

Für einige da draußen dürften die fehlenden Google-Dienste nicht das Problem sein, für die breite Masse allerdings schon, denn diese haben sich daran gewöhnt und würden Google Maps, YouTube & Co. sofort vermissen.

Ansonsten ist Magic UI 3.1 natürlich wie auf allen anderen Huawei & Honor-Smartphones ausgestattet. An der Oberfläche merkt man jedenfalls nicht, dass man auf eine Open-Source-Variante von Android setzt.

Das zweite Problem ist der Verbaute HiSilicon Kirin 710A. Dieser basiert auf dem Kirin 710 und der ARM-Architektur mit dem 12-nm-Verfahren, wird aber in China gefertigt und zwar im 14-nm-Verfahren. Die Leistung gegenüber dem Vorgänger hat sich nur marginal verbessert, was enttäuschend ist.

So kann es dann auch vorkommen, dass man ab und zu mal ein leichtes ruckeln bemerkt, es ein wenig laggig wird, wenn man aufwändigere Apps nutzt. Die Ladezeiten sind dann auch etwas länger als bei anderen Modellen in dieser Preisklasse. Da merkt man dann, dass der Kirin 710A nicht auf der Höhe der Zeit ist. Im AnTuTu 8 Benchmark kommt er so auch gerade auf 161.000 Punkte, was heutzutage nicht mehr zeitgemäß ist.

Erschwerend kommt hinzu, dass es zwar 128 GB internen Speicher zur Verfügung hat, es handelt sich jedoch um den doch recht langsamen eMMC-Speicher. Das bremst das System dann noch einmal aus.

Lautsprecher

Das Honor 10X Lite verfügt nur über einen Mono-Lautsprecher an der Unterseite des Gerätes. In dieser Preisklasse ist es eben Standard, so wie die Qualität, die ihr erwarten könnt.

Denn die Qualität des Lautsprechers ist nichts Besonderes. Aber mal ganz ehrlich, benutzt ihr für die Musikwiedergabe die eingebauten Lautsprecher? Da greifen die meisten wohl zu Kopfhörern. Oder?

Für schnell mal ein YouTube-Video gucken oder ein kleines Game zwischendurch reicht der Mono-Lautsprecher aber vollkommen aus.

Akku

Der Akku bietet eine Kapazität von 5.000 mAh, was euch locker über den Tag bringen sollte. Und das macht er auch, selbst 2 Tage Laufzeit können drin sein, wenn man das Geräte „normal“ verwendet.

Die Honor 10X Lite verfügt über eine Reihe von Funktionen, die den Gesundheitszustand des Akkus mit der Zeit verlängern. Eine davon ist Smart Charge, die das Aufladen auf bis zu 100 Prozent verzögert, abhängig von euren Ladegewohnheiten.

Auch Smart Battery Capacity ist mit an Bord – diese begrenzt volle Aufladungen auf knapp unter der Spitzenkapazität des Akkus, so dass der Lithium-Ionen-Akku nicht auf maximaler Ladung bleibt, was seiner längeren Lebensdauer nicht schadet.

Dank 22,5 Watt Ladegerät ist der Akku dann auch wieder recht flott aufgeladen, weniger als 2 Stunden reichen für eine Ladung von 0 Prozent bis 100 Prozent aus. Dank Reverse Charging kann das Smartphone zudem auch andere Gadgets aufladen.

Fazit

Das Honor 10X Lite hat gleich an mehreren Fronten zu kämpfen. Mit einer UVP von 229,90 ist es derzeit noch nicht lieferbar. Und dürfte es auch schwer haben gegen die Konkurrenz aus China. Denn gerade das Fehlen der Google-Dienste setzt dem Gerät zu, mich persönlich stört es nicht, aber der Otto-Normal-User will eben sein YouTube, Google Maps usw. gleich an Bord haben.

Auch der verbaute Prozessor ist nicht das Gelbe vom Ei. Der Kirin 710A vom SMIC ist eben dem US-Bann geschuldet und natürlich kein Vergleich zu anderen SoC. 14-nm sind schon lange nicht mehr aktuell, was sich eben auch in der Performance und dem Akkuverbrauch wiederspiegelt.

Dazu sind dann 4 GB RAM auch nicht mehr zeitgemäß, ein weiterer Punkt, der keine großen Verkaufszahlen vermuten lässt. Leider hat Honor hier also mit dem US-Bann zu kämpfen, was sich deutlich in diesem Gerät wiederspiegelt.

Die Kamera hingegen weiß zu überzeugen, bei Tageslicht sind sehr gute Ergebnisse zu erzielen. Doch reicht das? Meiner Meinung nach nicht. Mit dem Honor 10X Lite hat sich der Hersteller keinen Gefallen getan.

Solltet ihr auf der Suche nach einem neuen Smartphone in der Preisklasse von EUR 200,00 – 250,00 sein, dann kann ich euch das Honor 10X Lite dieses mal leider nicht empfehlen. Das reicht einfach nicht mehr, was Honor hier auf die Beine gestellt hat.

Von Jörn Schmidt

Android-Fan seit 2010, Outdoor- & Skandinavien-Fan, Kino-Freak und derzeitiger User eines OnePlus 8T mit Android 11

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