Mercedes-AMG GT SUV: 1.169 PS lösen das falsche Problem

Teaser zum kommenden Mercedes-AMG SUV
Quelle: Mercedes-AMG GmbH
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Als ich die ersten Eckdaten des neuen Mercedes-AMG GT SUV auf den Tisch bekommen habe, musste ich erst mal schlucken. Wahnwitzige 1.169 PS und knapp 2.000 Nm Drehmoment drückt das elektrische Schwergewicht aus Affalterbach auf die Straße. Das klingt auf dem Papier nach einer absoluten Waffe – aber ob man diese brutale Wucht im Alltag wirklich braucht? Ich bezweifle es stark.

Die Kollegen konnten bereits auf dem Beifahrersitz von Entwicklungsingenieur René Szeczepek an der US-Westküste Platz nehmen. Die Erprobung der eigenständigen AMG.EA-Plattform geht vor der offiziellen Premiere im Oktober in die heiße Phase. Wenn der Ingenieur das Strompedal durchtritt, entgleisen dir zwar kurzzeitig die Gesichtszüge, doch der wahre Tech-Kracher verbirgt sich tiefer unter dem Blech.

YASA-Motoren und 600 kW Ladeleistung im Härtetest

Herzstück des Biests sind drei extrem kompakte Axial-Flussmotoren der Tochterfirma YASA. An der Hinterachse sorgen zwei Einheiten nebst Siliziumkarbid-Invertern für brachialen Vortrieb, während vorne ein dritter Motor bei geringer Last komplett entkoppelt wird. Gespeist wird das System aus einem 106 kWh Akku mit 800-Volt-Architektur.

Um die Hitze bei Dauerfeuer sofort abzuführen, umströmt ein spezielles, nichtleitendes Öl jede einzelne der 2.660 Rundzellen. Das Ergebnis: Theoretische 600 Kilometer Reichweite und irre 600 kW Ladeleistung. Das wurde aber auch Zeit, dass Mercedes der Konkurrenz bei den Ladezeiten ordentlich Beine macht.

Riesen-Displays und künstlicher V8-Klang per Patent

Im ungetarnten Innenraum dominieren ein 10,2-Zoll-Kombiinstrument und ein 14,0-Zoll-Zentralbildschirm, angetrieben vom neuen MB.OS samt KI-Integration von ChatGPT und Google Gemini. Das passt im wuchtigen SUV erstaunlich gut und bietet endlich vernünftig Platz im Fond.

Was mich allerdings mächtig nervt: Per patentiertem AMGFORCE S+ dröhnt künstlicher V8-Sound aus den Lautsprechern – inklusive simulierter Schaltrucke. Wer gibt bitte ein Vermögen für ein High-Tech-Elektroauto aus, um dann per Software so zu tun, als führe er einen alten Verbrenner? Ein fettes Geschoss gegen den Porsche Cayenne Electric, das technisch fasziniert, aber preislich und praktisch völlig an den Nöten normaler Autofahrer vorbeirauscht.

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