Mercedes EQS 450+: Reale 640 km Reichweite, aber Software nervt

Mercedes EQS 2026
Quelle: Mercedes-Benz AG
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Über 3.570 Kilometer Härtetest zwischen Italien, Kroatien und Deutschland zeigen beim überarbeiteten Mercedes EQS 450+ zwei Extreme. Auf der Autobahn deklassiert die 158.000 Euro teure Luxuslimousine mit echten 600 Kilometern Reichweite am Stück fast alles, was derzeit auf dem Markt rollt. Gleichzeitig blamieren unnötige Software-Aussetzer und Navigations-Patzer den noblen Stuttgarter Anspruch.

Reale 600 Kilometer bei Tempo 145: Effizienz deklassiert BMW und Co.

Mercedes spendiert dem EQS 450+ im Facelift einen massiven Akku mit 122 kWh nutzbarer Netto-Kapazität und rüstet auf moderne 800-Volt-Technik um. Der heckgetriebene Elektromotor leistet jetzt 408 PS und schiebt bis 210 km/h vorwärts. Entscheidend ist jedoch die Aerodynamik auf der Langstrecke: Selbst bei permanentem Tempomat auf 145 km/h verharrt der Bordcomputer bei sparsamen 19,6 bis 19,7 kWh auf 100 Kilometer. Auf der vollgepackten Rückfahrt mit fünfköpfigem Gepäck über die Alpen standen am Ende 18,x kWh auf 100 Kilometer bei einem Reiseschnitt von 94 km/h.

Daraus resultiert eine Langstrecken-Freiheit, die man sonst nur vom Diesel kennt. Die Etappe aus der Toskana nach Slowenien spulte der EQS über 618 Kilometer komplett ohne Ladestopp ab – bei einem Schnitt von 110 km/h und mit 5 Prozent Restakku bei Ankunft. Auf der Rückreise nach München hielt der Wagen 606 Kilometer bis Garmisch durch und hatte noch 10 Prozent Puffer. Bei Richtgeschwindigkeit sind reale 640 bis 660 Kilometer drin, ohne Verzicht auf Klima oder Sitzbelüftung. Selbst bei zügigen 180 km/h in Deutschland bleiben locker 500 Kilometer Reichweite übrig.

800 Volt und 353 kW Ladepeak: Solide Zahlen, aber kein China-Niveau

Am Schnelllader zieht der Stuttgarter in der Spitze bis zu 353 kW Ladeleistung. Der Standardhub von 10 auf 80 Prozent dauerte im Praxistest exakt 28 Minuten (Werksangabe: 27 Minuten), wobei rund 97 kWh in die Zellen flossen. Damit lässt Mercedes den BMW i7 weit hinter sich, der mangels 800-Volt-System und mit kleinerem Akku deutlich länger an der Säule steht. Praktisch für Urlauber: Der serienmäßige 22-kW-AC-Lader drückt an einer normalen AC-Säule in anderthalb Stunden wieder 40 kWh nach.

Im internationalen Vergleich muss sich Mercedes dennoch strecken. Ein chinesischer Konkurrent wie der Denza Z9 GT ballert mit 400 kW durch die Bank bis fast 90 Prozent Füllstand und erledigt den Ladehub in gemessenen 13 Minuten – doppelt so schnell wie der EQS. Bei Mercedes sackt die Ladeleistung bereits ab 37 Prozent State of Charge auf 260 kW ab und trudelt bei 80 Prozent mit 122 kW ein. Das ist absolut alltagstauglich, aber keine Speerspitze mehr.

Navi-Patzer und Phantombremsungen: Software verdirbt den Luxus

Das eigentliche Ärgernis sitzt tief im Infotainment. Mercedes verweigert im MBUX nach wie vor gezielte Anbieter-Filter für das europäische Lade-Ausland, womit bevorzugte Netze wie Free to X oder Atlante außen vor bleiben. Richtig brenzlig wurde es an Autobahnkreuzen: Das System vergaß mehrfach schlichtweg die akustische Abbiegeansage. Das Resultat waren nervige Umwege auf letzter Rille.

Auch die Assistenzsysteme wirken unfertig kalibriert. Digitale Temposchilder über der Autobahn ignoriert die Kamera komplett, während italienische Nebel-Zusatzschilder stur mit einer sinnlosen Bremsung auf 50 km/h quittiert wurden. Der Lenkassistent agiert viel zu weich und driftet bei minimalem Handdruck aus der Spur. Dazu kommen überempfindliche Rangierbrems-Assistenten, die beim Parken grundlos den Anker werfen, sowie das komplette Fehlen eines Frunks unter der riesigen Fronthaube.

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