Smart #2: Händler-Ansturm überrollt die Konkurrenz

Jetzt bringen die Händlerberichte zum neuen Smart #2 die ersehnte Genugtuung: Die Schauräume melden außergewöhnlich hohe Vorbestellungen – und zwar direkt für das nackte Einstiegsmodell. Die Kundschaft will schlicht keine fahrenden Wohnzimmer mehr für die Großstadt.
Dass die Interessenten den Händlern die Türen einrennen, überrascht mich keine Sekunde. Während andere Hersteller ihre Einstiegspreise künstlich zurückhalten, macht das Joint Venture von Mercedes-Benz und Geely Nägel mit Köpfen. Der zweisitzige City-Stromer lässt sich ab sofort ab 18.990 Franken in der Schweiz und ab 19.990 Euro in Deutschland vorbestellen. Dass der offizielle Bestellstart für den Smart #2 ohne vorgeschalteten Kaufzwang für teure Luxus-Editionen über die Bühne geht, ist eine schallende Ohrfeige für die Konkurrenz. Bei Volkswagen wartet man auf solche Einstiegstarife meist vergeblich.
6,95 Meter Wendekreis deklassieren die City-Konkurrenz
Der Markt schreit förmlich nach radikaler Reduktion. Jahrelang wollten uns die Hersteller einreden, dass urbane Pendler mindestens 4,50 Meter Blech durch Parkhäuser zirkeln müssen. Wuchtige Dickschiffe wie der Smart #5 taugen prima für Autobahn-Etappen, verwandeln die Parkplatzsuche im Wohnviertel aber in ein tägliches Ärgernis.
Mit einer Karosserielänge von exakt 2.746 Millimetern knüpft der Smart #2 nahtlos an die Idee des Ur-Fortwo an. Der Wendekreis von nur 6,95 Metern von Bordstein zu Bordstein ist in engen Gassen unschlagbar. Wo andere Autofahrer entnervt in mehreren Zügen rangieren, dreht der Zweisitzer in einem Rutsch um.
Gleichzeitig bleibt der Nutzwert erhalten. Trotz ultrakurzer Überhänge fasst der Kofferraum bis zu 305 Liter, was für den Wocheneinkauf locker reicht. Wer die Beifahrerlehne flachlegt, erweitert das Ladevolumen auf bis zu 527 Liter. Die bewährte zweigeteilte Heckklappe verhindert zudem in engen Parklücken, dass Gepäckstücke beim Öffnen herauspurzeln.
Maßgeschneiderte Plattform schlägt Verbrenner-Kompromisse
Unter dem Blechkleid sitzt keine modifizierte Verbrenner-Basis wie beim alten Fortwo ED. Smart setzt auf die eigens konstruierte ECA-Plattform, die den Bauraum konsequent für den Elektroantrieb nutzt. Der Heckmotor leistet 60 kW (82 PS) und liefert ein Drehmoment von 130 Nm.
Dazu spendiert Smart der Hinterachse breitere Reifen als vorn, um die Kraft sauber auf den Asphalt zu bringen und dem kurzen Radstand Stabilität zu verleihen. Für die City reicht dieser Antritt völlig aus. Wer mehr Tempo will, wartet auf den Smart #2 Brabus mit über 100 PS, doch die Masse greift aus gutem Grund zum Basismodell.
Im Fahrzeugboden steckt eine 35,8-kWh-LFP-Batterie, die eine kombinierte WLTP-Reichweite von bis zu 290 Kilometern ermöglicht. Die Lithium-Eisenphosphat-Zellen sind robust, tolerieren tägliche 100-Prozent-Ladungen ohne spürbare Zellalterung und passen exakt zum typischen City-Pendlerprofil.
An der Schnellladesäule zieht der Akku mit bis zu 65 kW Gleichstrom. Der Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent ist nach rund 20 Minuten erledigt. Ein echtes Highlight im Kleinwagensegment ist die V2L-Funktion (Vehicle-to-Load): Externe Geräte wie E-Bikes oder Laptops lassen sich direkt aus der Traktionsbatterie betreiben.
Volle Hütte ab Werk stellt deutsche Autobauer bloß
Besonders die Serienausstattung zeigt, warum die Händler von Anfragen überrannt werden. Selbst das günstigste Basismodell Pure rollt nicht als nackte Sparbüchse an: Ein 10,1-Zoll-Infotainmentdisplay, ein 8,8-Zoll-Fahrerdisplay sowie 4G, WLAN und Bluetooth sind ab Werk an Bord.
Auch bei den Sicherheitsfeatures knausert Smart nicht. Das Assistenzpaket Smart Pilot Assist bringt einen adaptiven Tempomaten samt Stop-and-Go-Funktion und Autobahnassistent serienmäßig mit. Neben der Basislinie Pure stehen die Linien Pure+, Premium und eine limitierte Sonderedition bereit.
Einen kleinen Wermutstropfen gibt es dennoch: Die Auslieferungen starten erst 2027. Wer heute beim Händler unterschreibt, muss sich gedulden. Der Ansturm beweist jedoch unmissverständlich, dass Kunden diesen Kompromiss liebend gern in Kauf nehmen, wenn das Gesamtpaket stimmt. Smart beweist mit dem Einstiegspreis unter 20.000 Euro, wie moderne Stadtmobilität ohne elitäre Preisaufschläge funktioniert.
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