Smart #2: 19.990 Euro Einstiegspreis täuscht über Ladebremse hinweg

schräge Frontansicht des smart #2
Quelle: smart Europe GmbH
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Smart zieht den Bestellstart für den neuen Smart #2 überraschend auf den 13. Oktober 2026 vor und startet den Verkauf direkt über das Mercedes-Benz-Händlernetz. Auf dem Papier klingt der Basispreis von 19.990 Euro für einen modernen Elektro-Zweisitzer nach einer echten Ansage. Wer sich die technischen Datenblätter allerdings genauer ansieht, merkt schnell: Die Einstiegsversion erkauft sich ihren Preispunkt mit einem ärgerlichen Flaschenhals an der Ladesäule.

Jahrelang musste man zusehen, wie Smart seine eigene DNA mit tonnenschweren Crossover-Modellen verwässerte. Dass der neue Stromer nun den SUV-Irrsinn bei Smart beendet, war für die urbane Glaubwürdigkeit der Marke überfällig. Ein Stadtauto braucht keine zwei Tonnen Lebendgewicht, sondern radikalen Parkraum-Fokus. Genau 30 Jahre nach der ersten Pariser Studie kehrt der Zweisitzer jetzt zurück. Die Auslieferungen starten Mitte 2027, während der reguläre Online-Vertrieb im ersten Halbjahr 2027 folgt.

Kleinstwagen-Maße mit aufwendiger Fünflenker-Achse

Mit einer Länge von exakt 2.746 Millimetern bleibt der City-Stromer extrem kompakt. Die Breite liegt inklusive Außenspiegeln bei 1.939 Millimetern, die Höhe bei 1.555 Millimetern und der Radstand bei 1.875 Millimetern. Beim Rangieren deklassiert der Zweisitzer das gesamte Kleinwagen-Segment: Der Wendekreis misst winzige 6,95 Meter von Bordstein zu Bordstein. Wo andere Fahrer in drei Zügen kurbeln, dreht der Smart in einem Rutsch um.

KennwertSmart #2Leapmotor T03Dacia Spring
Länge2.746 mm3.620 mm3.860 mm
Wendekreis6,95 m9,60 m9,50 m
Kofferraum305 – 527 l210 – 508 l337 – 1.283 l
AntriebHeck (60 kW)Front (70 kW)Front (48/44 kW)
Basispreis19.990 €18.900 €17.900 €

Unter der Karosserie steckt die eigens konstruierte Electric Compact Architecture (ECA). Statt einer simplen Verbundlenkerachse verbaut Smart an der getriebenen Hinterachse eine vollwertige Fünflenker-Einzelradaufhängung. Wie frühere Details zu ECA-Plattform und Akku-Steifigkeit belegen, beseitigt dieses Fahrwerk das gefürchtete Poltern kurzer Radstände. Bei einem Leergewicht von 1.140 Kilogramm und einem Gesamtgewicht von 1.345 Kilogramm verbleibt eine knappe Nutzlast von 205 Kilogramm. Der Kofferraum fasst beachtliche 305 bis 527 Liter, zugänglich über die klassisch zweigeteilte Heckklappe.

LFP-Akku und der 4,6-kW-Dämpfer im Basismodell

Den Vortrieb übernimmt eine permanentmagneterregte E-Maschine an der Hinterachse mit 60 kW (82 PS) und 130 Nm Drehmoment. Tempo 100 ist nach 11,6 Sekunden erreicht, bei 140 km/h wird abgeregelt. Als Energiespeicher dient ein robuster 35,8-kWh-LFP-Akku, der einen Normverbrauch von 13,6 kWh/100 km und bis zu 290 Kilometer WLTP-Reichweite bereitstellt. Am DC-Schnelllader pumpt der Wagen per CCS mit bis zu 65 kW Gleichstrom, womit der Ladehub von 10 auf 80 Prozent in unter 20 Minuten abgehakt ist.

An der AC-Wallbox lauert dagegen der Haken der Basisversion Pure. Smart spendiert dem Einstiegsmodell lediglich einen einphasigen Onboard-Lader mit nominell 7,4 kW. Wegen der deutschen Schieflastverordnung darf auf einer einzelnen Phase jedoch nur mit maximal 4,6 kW geladen werden. Ein voller Ladevorgang dehnt sich dadurch auf zähe fünf Stunden aus. Wer regelmäßig an städtischen 11-kW- oder 22-kW-Säulen parkt, zahlt wegen der langen Standzeiten unter Umständen Blockiergebühren.

Damit hat sich zwar bestätigt, dass der Elektro-Zweisitzer unter 22.500 Euro startet, doch die Basisausstattung bleibt in dieser Hinsicht ein fauler Kompromiss.

Pure+ ist Pflicht: Warum 1.000 Euro Aufpreis unverzichtbar sind

Ein genauer Blick in die Ausstattungsmatrix entlarvt den Pure als reines Lockvogel-Angebot für Werbeprospekte. Die einzig vernünftige Wahl im Konfigurator heißt Smart #2 Pure+ für 20.990 Euro. Der Aufpreis von exakt 1.000 Euro liefert den unverzichtbaren dreiphasigen 11-kW-Bordlader, der die Ladezeit auf rund drei Stunden drückt, und spendiert dem Fahrer obendrein eine Sitzheizung. Diesen Tausender nicht zu investieren, grenzt an Fahrlässigkeit.

Für höhere Ansprüche hält Smart zwei Luxus-Linien bereit:

  • Premium (24.490 Euro): Rollt auf 16-Zoll-Rädern, besitzt ein Panorama-Glasdach, beidseitige Kunstleder-Sitzheizung, Lenkradheizung, 256-Farben-Ambientelicht und ein Sennheiser-Soundsystem mit sieben Lautsprechern.
  • Couture Edition (25.690 Euro): Limitiert auf 999 Exemplare in Europa, lackiert in Atelier White Matt mit Platinum-Gold-Dach, goldfarbenen Akzenten und individueller Seriennummer-Plakette.

Im Cockpit sitzen Fahrer vor einem 8,8-Zoll-Instrumentendisplay und einem 10,1-Zoll-Touchscreen. Die durchgehende Sitzbank erleichtert das seitliche Durchrutschen beim Querparken spürbar. Bereits als die Hülle vor der Pariser Weltpremiere fiel, deuteten die Abmessungen auf diesen Coup hin. Das Sicherheitsniveau ist hoch: Die Tridion Cell Evo, sieben Airbags und moderne Assistenzsysteme wie Stop-and-Go-Tempomat und Highway Assist sind ab Werk an Bord.

Der Smart #2 bringt das ideale Format für volle Innenstädte zurück, erfordert beim Bestellen aber Konsequenz: Hände weg vom Basismodell Pure, der Pure+ ist der einzig alltagstaugliche Kauf.

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