Smart #5: ADAC-Test zeigt brutale Lade-Power und ESP-Patzer

Vergesst den klassischen Zweisitzer für die Parklücke. Mit dem Smart #5 stellt das deutsch-chinesische Joint Venture aus Mercedes und Geely ein 4,70 Meter langes, rund 2,3 Tonnen schweres Dickschiff auf die Räder. Der ADAC hat den Smart #5 Premium mit 267 kW (363 PS) und Heckantrieb zum Preis von 55.400 Euro auf die Teststrecke geschickt. Das Ergebnis zeigt Licht und Schatten ohne Weichzeichner.
800-Volt-Laden: Brutale Realität an der Ladesäule
Smart bewirbt das Elektro-SUV mit bis zu 400 kW DC-Ladeleistung. Das ist auf dem Papier nett, an aktuellen Ladesäulen aber kaum abrufbar. Was die verbaute 800-Volt-Technik in der Praxis leistet, nötigt dennoch Respekt ab: An einer 300-kW-Säule knallte der Testwagen einen Spitzenwert von 296 kW ins Akkupaket.
Bemerkenswert ist das Ladeplateau: Der Smart hielt diese Ladeleistung fast durchgehend im Bereich von 15 bis 55 Prozent SoC. Der Standardhub von 10 auf 80 Prozent dauerte im ADAC-Messlauf lediglich 15 Minuten. Dazu spendiert der Hersteller serienmäßig einen 22-kW-AC-Bordlader. Das verkürzt das Laden an städtischen Säulen drastisch und spart im Alltag echte Lebenszeit.
Mogelpackung beim Kofferraum und echter Autobahndurst
Die Materialanmutung im Innenraum erreicht fast Oberklasse-Niveau. Vorne wie hinten herrschen fürstliche Platzverhältnisse, bei denen selbst Mitfahrer bis 2,20 Meter Körpergröße ohne Kniekontakt im Fond sitzen.
Beim Laderaum relativieren die Messungen des ADAC die Herstellerversprechen allerdings spürbar:
- Angegebenes Kofferraumvolumen: 630 Liter
- Reales ADAC-Messergebnis: 420 Liter (dachhoch: 615 Liter)
- Maximales Ladevolumen: 1.660 Liter
- Zusätzlicher Frunk unter der Fronthaube für Ladekabel und Kleinkram
Trotz des großen Akkus mit 100 kWh brutto (94 kWh netto) ist der Wagen kein Sparmodell. Der ADAC ermittelte einen Durchschnittsverbrauch von 21,6 kWh/100 km inklusive Ladeverlusten. Auf der Autobahn klettert der Konsum durch die massive Stirnfläche und einen cw-Wert von 0,30 auf 24 kWh/100 km. Daraus resultiert eine praxisnahe Gesamtreichweite von 515 Kilometern.
Gefährliches Heck beim Ausweichen und Touchscreen-Wahn
Das Fahrwerk schluckt Schlaglöcher und Kopfsteinpflaster bemerkenswert komfortabel weg. Doch im fahrdynamischen Grenzbereich patzt der Koloss: Beim ADAC-Ausweichtest drängte das Heck unerwartet aggressiv nach außen, während das ESP viel zu spät eingriff. Für ein familientaugliches Elektro-SUV ist diese Abstimmung klar verbesserungswürdig. Die gefühllose Lenkung und spürbare Wankbewegungen unterstreichen, dass der Wagen keine sportlichen Ambitionen hegt.
Zusätzliche Minuspunkte sammelt die Bedienung. Nahezu sämtliche Fahrzeugfunktionen sind in verschachtelten Menüs auf dem Touchscreen vergraben. Der Verzicht auf physische Direkttasten sorgt für gefährliche Ablenkung während der Fahrt. Auch der verbaute KI-Sprachassistent gleicht dieses Manko im Verkehrsalltag nicht vollständig aus.
Unterm Strich liefert Smart für 55.400 Euro ein extrem lade- und langstreckentaugliches Luxus-SUV ab, das jedoch beim Fahrwerk-Grenzbereich, dem Realverbrauch und der Software-Ergonomie klare Schwächen offenbart.
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