Poco X4 Pro 5G Testbericht

Poco X4 Pro 5G
Quelle: Schmidtis Blog

Mit dem Poco X4 Pro hat der Hersteller vor wenigen Tagen ein interessantes Mittelklasse-Smartphone vorgestellt. Highlight ist sicherlich das große AMOLED-Display mit hoher Bildwiederholrate oder aber auch die 108 MP Kamera und der sehr große Akku. Doch reicht das aus? Lohnt sich der Kauf des Poco X4 Pro oder gibt es für das Geld sogar noch bessere Angebote? Zeit, es herauszufinden.

Ich habe das Modell mit 8 GB RAM und 256 GB internen Speicher in der Farbe Laser Black zum testen bekommen. Das Poco X4 Pro wurde mit freundlicherweise von Goboo zur Verfügung gestellt, vielen Dank dafür. Dennoch hat dies natürlich keinen Einfluss auf das Testergebnis.

Lieferumfang

Das Poco X4 Pro kommt in einer schwarzen Box mit gelber Schrift – oben und an den Seiten kann man die Modellbezeichnung lesen – die Poco-Farben sind also überall zu finden und sehr präsent. Auf der Unterseite der Box findet man auch ein paar Key-Specs des Gerätes und der innere Karten ist ebenfalls gelb.

Im Inneren finden wir dann das eigentliche Telefon, ferner auch noch eine Silikonhülle, ein USB C-Kabel, das SIM-Eject-Tool und das 67 Watt Ladegerät sowie etwas Zettelkram. Kopfhörer gibt es auch hier nicht.

Poco X4 Pro 5G
Quelle: Schmidtis Blog

Technische Daten

  • 6,67″ FullHD+ (2.400 x 1.080 Pixel) AMOLED-Display mit 120Hz Bildwiederholrate, DCI-P3-Farbraum, 1200 nits Spitzenhelligkeit
  • Octa-Core Snapdragon 695 8nm Mobile Plattform (2,2GHz x 2+1,8GHz x 6 Kryo 560 CPUs) mit Adreno 619L GPU
  • 6 GB LPDDR4X RAM mit 128 GB UFS 2.2 internem Speicher, 8 GB LPDDR4X RAM mit 256 GB UFS 2.2 internem Speicher, erweiterbarer Speicher bis zu 1 TB mit microSD
  • Android 11 mit MIUI 13
  • Hybrid-SIM (nano + nano / microSD)
  • 108 MP Hauptkamera auf der Rückseite mit Samsung HM2-Sensor, f/1.9-Blende, 8 MP Ultraweitwinkelkamera mit 118°, 2 MP Makrokamera mit f/2.4-Blende
  • 16 MP Frontkamera mit Blende f/2.4
  • Seitlich angebrachter Fingerabdrucksensor, IR-Blaster
  • 3,5-mm-Audiobuchse, Stereo-Lautsprecher, Hi-Res-Audio-Zertifizierung
  • Abmessungen: 164,19 x 76,1 x 8,12 mm; Gewicht: 205 g
  • 5G SA / NSA (n1,3,5,7,8,20,28,38,40,41,77,78), Dual 4G VoLTE, Wi-Fi 802.11 ac (2,4GHz + 5GHz), Bluetooth 5.1, GPS + GLONASS, USB Typ-C, NFC
  • 5.000 mAh Akku mit 67W Schnellladung

Verarbeitung & Haptik

Obwohl das Poco X4 Pro 5G immer noch die Persönlichkeit der Marke in seinen Kameras auf der Rückseite beibehält, hat das Design eine komplette Wendung genommen, indem es jetzt auf einen viel eleganteren Stil mit Glas auf der Rückseite und flachen Rahmen setzt. Der Rahmen ist wieder kantiger geworden, dies scheint aktuell der neueste Trend zu sein und ein wenig Retro – das erinnert an viele Smartphones vor 5 oder 6 Jahren.

In den letzten Monaten waren die Handyhersteller nicht gerade zimperlich, wenn es darum ging, den Kamerabuckel zur Schau zu stellen. Poco ist da keine Ausnahme und der Kamerabuckel nimmt das gesamte obere Drittel der Rückseite ein. Dort prangt „POCO“ in Großbuchstaben, die Wirkung auf dem schwarzen Modell ist nicht ganz so auffällig wie bei den anderen Farben.

Ansonsten ist das Design eine ziemlich gewöhnliche Angelegenheit. Es gibt kein gewölbtes Glas – die Rückseite ist komplett flach – und der Kunststoffrand rund um das Telefon ist quadratisch, nicht gewölbt. Nur die Ecken sind leicht abgerundet. Und genau wie die Rückseite ist auch das Glas auf der Vorderseite völlig flach. Es ist einfach, und das ist keine schlechte Sache.

Mit nur 8,1 mm ist das Gerät auch relativ dünn, aber es ist immer noch recht groß. Es ist größer als ein iPhone 13 Pro Max und fast gleich groß mit dem Pixel 6 Pro. Also ein echter Brocken.

Es ist mit einer Handvoll Anschlüssen und Tasten ausgestattet, darunter der 3,5-mm-Kopfhöreranschluss an der Oberkante und dem Power-Button auf der rechten Seite, die auch als Fingerabdrucksensor dient. Dieser funktionierte schnell und zuverlässig. Und ich muss sagen, ich bin mittlerweile ein echter Fan dieser Art der Platzierung.

Display

Das Display ist einer der Highlights des Gerätes. 6,67″ groß, flach, AMOLED, FullHD+ Auflösung und 120 Hz Bildwiederholrate – was will man mehr!? Besonders das es ein flaches Display ist, hat mich doch gefreut, denn nach Jahren kann ich mich immer noch nicht wirklich mit gebogenen Displays anfreunden.

Das Panel erreicht eine Spitzenhelligkeit von bis zu 1200 nits (700 nits typisch) und dank des im Poco X4 Pro verbauten 120 Hz-Panel erscheinen optimierte Inhalte wirklich flüssig und scharf. In der Standardeinstellung erscheinen die Farben sehr lebendig – vielleicht manchmal ein wenig übersättigt – und der Kontrast ist hoch.

Poco X4 Pro 5G
Quelle: Schmidtis Blog

Das bedeutet, dass schwarz auch schwarz ist, AMOLED-typisch eben. Manchmal hat man aber das Gefühl, dass der Kontrast etwas zu stark ist. Auch bei der Blickwinkelstabilität gibt es nichts zu meckern, dass passt. Wenn ihr das Gerät allerdings das erste mal in der Hand haltet, müsst ihr die 120 Hz-Option erst aktivieren, standardmäßig hat Poco da nämlich 60 Hz eingestellt.

Kamera

Was die Kamera betrifft, so ist das Linsen-Trio auf der Rückseite des Poco X4 Pro 5G mittlerweile ein Standard-Layout im Mittelklasse-Markt. Das bedeutet, dass man eine Hauptkamera, eine Ultraweitwinkelkamera und eine niedrig auflösende 2-Megapixel-Makrokamera erhält.

Poco X4 Pro 5G
Quelle: Schmidtis Blog

Die Hauptkamera selbst verwendet den größten Sensor der drei Kameras, der satte 108 Megapixel auflöst. Natürlich werden die Pixel reduziert, indem 9 zu 1 kombiniert werden, so dass man standardmäßig 12-Megapixel-Bilder erhält. Wenn du willst, kannst du jedoch den 108-MP/Ultra-HD-Modus in der Kamera-App aktivieren und jedes einzelne Pixel nutzen.

Poco hat auch die Kamera-App mit einer Reihe von anderen nützlichen Aufnahmemodi ausgestattet. Dazu gehören Dinge wie Dokumentaufnahmen, Porträtmodus, Langzeitaufnahmen, Panorama, Nachtmodus, Zeitraffer und Zeitlupe. Es gibt sogar einen Dual-Videomodus, der gleichzeitig Aufnahmen mit der vorderen und hinteren Kamera macht.

Während mit der Hauptkamera bei guten Lichtverhältnissen wirklich schöne Fotos gelingen, die satte Farben, eine ordentliche Schärfe und wenig Bildrauschen bieten, sieht es bei schlechten Lichtverhältnissen oder wenig Licht komplett anders aus. Da kommen dann verrauschte und zum Teil auch unscharfe Aufnahmen bei raus. Klar, man kann das nicht mit der Oberklasse vergleichen, aber da bietet die Konkurrenz dann doch mehr. Ob es am Sensor oder an der Software liegt müssen dann vielleicht zukünftige Updates zeigen.

Die Ultraweitwinkelkamera ist ok, kommt aber nicht an die Qualität der Hauptkamera heran. Ist jetzt nicht wirklich überraschend und kommt in der Mittelklasse so gut wie bei jedem Smartphone so vor. Und wovon ich erst gar nicht reden will, ist der Makrosensor, warum die Hersteller immer noch auf diese Sensoren setzen bleibt mir schleierhaft. Dann doch lieber die Hauptkamera nutzen und zur Not ein wenig zoomen, da bekommt man fast immer die besseren Bilder hin.

Software & Performance

Kommen wir zur wohl größten Enttäuschung beim Poco X4 Pro. Der verbaute Qualcomm Snapdragon 695 ist ein Prozessor im 6nm mit 5G-Modem – und dennoch ist er ein Downgrade im Vergleich zum Vorgänger. Und das ist ärgerlich, denn gerade der Prozessor scheint der Flaschenhals des Systems zu sein.

Zwar ist der Prozessor für den Alltag locker ausreichend, dank der 8 GB RAM der Testversion kommt man nie an die Grenzen. Dennoch hat man das Gefühl, dass alles ein wenig langsamer als gewohnt bei Xiaomi/ Redmi/ Poco-Geräten läuft. Mikro-Ruckler waren nicht nur ein Gefühl, diese kamen hier hin und wieder vor.

Einen weiteren Downgrade gibt es auch beim Speicher, denn dieser ist UFS 2.2 und nicht, wie beim Vorgänger, UFS 3.1. Auch da wird das System also wieder ausgebremst. Was völlig unnötig ist, da im Vorgänger auf den schnelleren Snapdragon 860 samt UFS 3.1 Speicher gesetzt wurde. Vermutlich hat sich Poco wegen des Preises dazu entschieden, anders ist dies für mich nicht erklärbar.

Wie gesagt, beim normalen Gebrauch kommt das System nicht an seine Grenzen, allerdings hat man aber auch keine großen Leistungsreserven. Dennoch gibt es auch was positives, der Speicher ist dank microSD-Karten um bis zu 1 TB erweiterbar.

Lautsprecher

Ebenso wichtig ist der gute Stereo-Sound bei Smartphones. Und diesen kann das Poco X4 Pro bieten, denn der Hersteller hat hier 2 Lautsprechern verbaut. Der Sound ist ok, da kommt man auf der Vorderseite an, wenn man im Landscape-Modus Videos ansieht oder aber Games zockt. Die Positionierung des unteren Lautsprechers macht es allerdings leicht, den Klang zu verdecken und zu blockieren, wenn man das Gerät im Hoch- oder Querformat hält.

Akku

5.000 mAh und 67 Watt Schnellladen, muss ich mehr sagen? Ihr habt einen riesigen Akku, mit dem ihr problemlos über den Tag kommt. Wenn man nicht gerade hardcore unterwegs ist, kommt man damit dann auch noch über den zweiten Tag. Und wenn es doch einmal knapp wird, dann könnt ihr den Akku dank 67 Watt extrem schnell wieder aufladen.

In nur 40 Minuten schafft ihr es so, den Akku komplett wieder aufzuladen, heißt also, nur wenige Minuten Laden reichen aus, um für mehrere Stunden Strom zu haben. Dies ist das zweite Highlight des Poco X4 Pro.

Fazit

Wie lautet nun mein Fazit? Das Poco X4 Pro 5G ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite das sehr gute Display und auch der riesige Akku mit dem Schnellladen – das sind eindeutige Pluspunkte. Auf der anderen Seite stört mich der verbaute Prozessor, ein so deutliches Downgrade gegenüber dem Vorgänger ist da schwer vermittelbar. Auch bei der Kamera war ich nicht restlos überzeugt.

Ansonsten bietet das das Poco X4 Pro 5G gewohnte Xiaomi-Kost, was ja nicht schlecht sein muss. MIUI 13 muss man mögen oder auch nicht. Es ist immer noch eine der schnellsten Benutzeroberflächen, auch wenn sie hier manchmal einige kleine Lags hat, was vermutlich am SoC und dem RAM liegt.

Für relativ kleines Geld bekommt man aber auch 5G, vermutlich die nächsten 3 Jahre Updates und eben ein klasse Display und großen Akku. Falsch macht man sicherlich nichts beim Kauf, aber man sollte vorher genau gucken, was einem wichtig ist. Ich bin hin und her gerissen.

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