Porsche 718 Elektro: Batterie-Wette gegen das Übergewicht

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Foto von Caspar Rae auf Unsplash
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Porsche rudert bei den großen Baureihen hektisch zurück und forciert wieder den Verbrenner. Ausgerechnet beim kleinsten Sportwagen zieht Zuffenhausen die Reißleine in die Gegenrichtung: Der Porsche 718 kommt als reiner Stromer – ohne jede Gnadenfrist für den Benzinmotor.

Auf Mallorca drehen aktuell die ersten getarnten Prototypen ihre Runden vor ausgewählten Testern. Am 24. November 2026 sollen endlich die ersten handfesten Fahreindrücke und technischen Daten folgen.

Dass wir überhaupt erst jetzt darüber reden, zeigt das ganze Drama hinter den Kulissen. Eigentlich sollte der elektrische 718 schon 2025 auf den Markt kommen. Massive Verzögerungen bei der Entwicklung haben den Serienstart auf 2027 vertagt.

Drei Module statt Skateboard-Einerlei

Fast jedes moderne Elektroauto nutzt das gleiche Skateboard-Muster: Ein flacher, zentnerschwerer Akkublock liegt im Unterboden zwischen den Achsen. Für einen echten Sportwagen ist das Quatsch. Man sitzt automatisch zu hoch, das Auto baut zu wuchtig und das typische Kurvengefühl ist dahin.

Porsche verweigert diesen Einheitsbrei komplett. Statt einer durchgehenden Bodenplatte packen die Ingenieure die Batterie in drei Modulen auf zwei Ebenen zusammen.

Das gesamte Paket sitzt exakt dort, wo früher der Verbrennungsmotor arbeitete – direkt hinter Fahrer und Beifahrer. Während das neue Verbrenner-Flaggschiff Porsche Mission S den reinen V8 zelebriert, macht Porsche beim Boxster keine halben Sachen. Kühlsystem, Leitungswege und Crash-Sicherheit mussten für diese geteilte Konstruktion völlig neu konstruiert werden.

Auf dem Datenblatt geht die Rechnung auf. Satte 55,2 Prozent des Fahrzeuggewichts drücken beim Elektro-718 auf die Hinterachse. Zum Vergleich: Beim alten Verbrenner-Modell waren es rund 59 Prozent.

Porsche kommt der gewohnten Mittelmotor-Balance damit bemerkenswert nahe. Das sorgt für ordentlich Grip am Kurvenausgang, ohne dass der Wagen beim Einlenken träge über die Vorderräder schiebt. Agilität zählt hier eben mehr als ein riesiger Energiespeicher.

Reiner Elektro-Zwang trotz Verbrenner-Comeback

Strategisch ist das Ganze eine echte Gratwanderung. Porsche musste erst kürzlich seine Elektropläne nach hinten verschieben und den Verbrennern wieder mehr Raum geben. Doch Boxster und Cayman bleiben stur auf Strom gepolt.

Der neue Porsche-Chef soll anfangs ziemlich skeptisch gewesen sein. Angeblich hat ihn erst die erste Ausfahrt im Prototyp überzeugt, das Projekt ohne Verbrenner-Rettungsanker durchzuziehen. Ein Zurück gibt es nicht mehr: Für die nächste Generation wird kein neuer Benziner aufgelegt.

Der Druck auf Zuffenhausen ist gewaltig. Chinesische Hersteller schlafen nicht: Denza steht mit seinem Z-Cabrio bereits vor Porsche auf der Matte und will das sportliche Open-Air-Segment besetzen.

Dass der 718 trotzdem das Zeug zum echten Kurvenräuber hat, deutete sich schon an, als der Stromer als Prototyp am Nürburgring seine Runden drehte. Die Testwagen auf Mallorca wirken trotz schwerer Tarnfolie flach und geduckt. Die Proportionen stimmen.

Was Zuffenhausen bis November verschweigt

Entscheidend wird sein, wie viel Reichweite Porsche aus diesem kompakten Bauraum quetscht. Ein echter Sportwagen verträgt nun mal keinen 100-kWh-Klotz im Nacken. Porsche setzt deshalb auf kurze Ladezeiten und eine standfeste Ladekurve.

Dass die Zuffenhausener bei der Ladeleistung keine Kompromisse eingehen wollen, zeigten schon die früheren Supercharger-Ladetests des 718 mit NACS-Anschluss. Wer auf der Landstraße unterwegs ist, will keine unnötig langen Pausen an der Ladesäule absitzen.

Bis zum 24. November 2026 hält Porsche alle Zahlen zu PS, Kilowattstunden und Ladezeiten geheim. Nach den ernüchternden Verkaufszahlen des Taycan darf sich Porsche beim 718 keinen Fehltritt erlauben.

Am Ende muss der Elektro-Boxster auf kurvigen Straßen emotional abliefern, sonst bleibt die sportliche Kundschaft schlicht beim alten Verbrenner. Ob die Rechnung mit den drei Batteriemodulen wirklich aufgeht, wird erst der November zeigen.

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