Schnellladen 2026: EnBW siegt, Vattenfall zerlegt die Preise

KI-generierte Darstellung Tesla am Berg: Laden mit Aussicht
KI-Grafik: Schmidtis Blog
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Der neue HPC-Report von P3 und den Bild-Redaktionen bestätigt meinen bittersten Verdacht: Auf Langstrecke entscheidet längst nicht mehr das Auto über die Reisezeit, sondern die Willkür an der Ladesäule. Rund 3,8 Millionen Fahrer von reinen Stromern und Plug-in-Hybriden stehen vor einem Markt, der technisch boomt, preislich aber zur reinsten Abzocke verkommt. Wer ohne Vorbereitung an die falsche Säule rollt, zahlt für die identische Kilowattstunde fast das Doppelte.

Auf dem Papier wächst die Ladeinfrastruktur rasant. Die 15 untersuchten Betreiber stellen mit rund 17.500 Ladepunkten fast 43 Prozent der bundesweiten knapp 40.000 Schnellladepunkte mit über 150 kW Leistung bereit. Gegenüber dem Vorjahr kletterte die Gesamtzahl dieser Schnellladepunkte um fast ein Viertel nach oben. Wie viel diese Dynamik im Alltag tatsächlich wert ist, zeigte sich bereits bei der Auswertung der 212.000 öffentlichen Ladepunkte, bei der sich die Masse noch immer auf langsame AC-Punkte verteilt.

EnBW baut die Infrastruktur, EWE Go kassiert Spontanlader ab

An der Spitze des eMobility Excellence HPC-Reports 2026 thront EnBW. Mit 83 von 100 Punkten holt sich der Energieversorger als einziger Kandidat im gesamten Testfeld die Gesamtnote „sehr gut“. Das Fundament dafür ist schiere Masse: Satte 8.110 Schnellladepunkte an 1.561 Standorten deklassieren die Konkurrenz und bringen EnBW glatte 100 Punkte bei der Netzwerkgröße ein. Plug & Charge läuft reibungslos, die Auslastung stimmt.

Spontanlader blicken bei EnBW jedoch in die Röhre. Wer ohne passenden Tarif oder Ladekarte an die EnBW-Säule fährt, wird mit 0,79 Euro pro kWh gnadenlos abkassiert. Genau hier platziert sich EWE Go. Der Oldenburger Anbieter landet mit 72 Punkten und der Note „gut“ auf Rang zwei und sichert sich den Titel als Preis-Leistungs-Sieger.

Mit einem regulären Tarifpreis von 0,52 Euro pro kWh an den eigenen Säulen bleibt EWE Go erfreulich bodenständig. Dieses Niveau deckt sich mit den Ergebnissen aus dem Ladenetztest zu den Tarif-Unterschieden, bei dem der Anbieter schon für Durchschnittsfahrer die beste Figur abgab. Zudem punktet das Netz mit 1.939 Ladepunkten an 791 Standorten durch Platzierungen direkt an Supermärkten und Schnellrestaurants. Spontanlader müssen allerdings aufpassen: Der Ad-hoc-Preis klettert bei EWE Go auf happige 0,84 Euro pro kWh – der höchste Wert im gesamten Testfeld.

Ionity stemmt 400 kW ohne Einbruch, Mer glänzt bei Verlässlichkeit

Auf Platz drei schiebt sich Aral pulse mit ebenfalls 72 Punkten, scheitert am Treppchenplatz zwei nur an den ungerundeten Nachkommastellen. Der Anbieter betreibt 3.112 Ladepunkte an 584 Ladeparks und punktet mit hoher Ladeleistung pro Stecker sowie einem Nutzerkomfort mit der Teilnote „sehr gut“. Der reguläre Preis von 0,62 Euro pro kWh ist allerdings kein Schnäppchen. Nur ADAC-Mitglieder drücken die Kosten über e-Charge auf 0,55 Euro pro kWh.

Reine Hardware-Power demonstriert IONITY. Zwar reicht es im Gesamtklassement mit 68 Punkten nur für die Note „befriedigend“ (Platz sechs), doch beim Nutzerkomfort deklassiert das Joint-Venture mit 85 von 100 Punkten alle anderen Anbieter. Bis zu 400 kW drücken die Ladesäulen in die Fahrzeuge, Säulen mit 600 kW sind bereits in der Erprobung. Der entscheidende Vorteil gegenüber vielen Mitbewerbern: Selbst wenn zwei Fahrzeuge an einer Säule laden, bricht die Leistung laut Report nicht ein.

Für viele Fahrer zählt auf Reisen jedoch Verlässlichkeit mehr als reine Spitzenleistung. Dass die etablierten Player das Geschehen dominieren, belegte bereits die UScale-Ladestudie zu den Anbieter-Umsätzen, nach der zwei Drittel des Geldes bei den Top-Favoriten landen. Umso beachtlicher ist das Abschneiden von Mer. Der Betreiber landet zwar mit 66 Punkten nur auf Rang elf, holt sich aber die Auszeichnung für das zuverlässigste Laden.

Mer glänzt mit einer technischen Verfügbarkeit von herausragenden 99,4 Prozent. Lediglich 2,3 Prozent der Ladevorgänge brachen in den ersten vier Minuten vorzeitig ab – Bestwert im Test. Zum Vergleich: Bei Fastned (67 Punkte, 387 Ladepunkte) und Shell Recharge (68 Punkte, 2.220 Ladepunkte) lag die Verfügbarkeit bei jeweils 98,9 Prozent. Wer schon einmal fluchend vor defekten Ladesäulen stand, weiß diese Hardware-Stabilität zu schätzen.

Vattenfall zerstört das Ad-hoc-Monopol, Tesla lauert im Windschatten

Die größte Überraschung im Report liefert Vattenfall auf Platz vier mit 69 Punkten. Zwar ist das eigene Netz mit 1.023 Ladepunkten an 314 Parks überschaubar und schwächelt an Autobahnen. Bei den Kosten zeigt der schwedische Konzern der Konkurrenz jedoch, wie Transparenz aussehen sollte: Glatte 0,49 Euro pro kWh verlangt Vattenfall im regulären Tarif.

Der eigentliche Paukenschlag ist der Spontantarif. Selbst wer ohne App, Registrierung oder Ladekarte an die Säule rollt, zahlt exakt dieselben 0,49 Euro pro kWh. Damit demontiert Vattenfall die gängige Abzocke beim Ad-hoc-Laden, bei der Konkurrenten wie EWE Go oder EnBW bis zu 84 Cent aufrufen. In der Teilkategorie Preismodell kassiert Vattenfall verdiente 90 Punkte.

Wer ohne passende Ladekarte unterwegs ist, stolpert sonst unweigerlich in das Chaos der unterschiedlichen Ladesäulen-Tarife, bei dem an ein und demselben Stecker absurde Preisspannen verlangt werden. Genau deshalb bleibt der Tarif-Dschungel bei E-Auto-Ladekarten trotz des Netzausbaus das größte Ärgernis für Langstreckenfahrer.

Ein Sonderfall bleibt Tesla. Mit 3.902 Ladepunkten an 320 Parks wäre das Supercharger-Netz die klare Nummer zwei im Markt. Im Schnitt zahlen Tesla-Fahrer schlanke 0,42 Euro pro kWh, während Fremdmarken mit durchschnittlich 0,52 Euro pro kWh ebenfalls sehr günstig laden. Weil Tesla jedoch keine dynamischen Betriebsdaten bereitstellte, ging das Netz nicht in die offizielle Gesamtwertung ein. Auf Langstrecke bleibt die Kombination aus Supercharger und Vattenfall der effektivste Schutz vor teuren Ladefallen.

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4 Kommentare

  1. Interessante Analyse.
    Werde es ab Dezember als Tesla Model 3 Premium Fahrer ohne eigenen Stellplatz /Landemöglichkeit erstmal mit den Tesla SuC sowie mit Laden auf Arbeit probieren.
    (Fahrstrecke 200km, 2-3x pro Woche)

    1. Wenn Du regelmäßig außerhalb der Rush-Hour an SuperChargern vorbeikommst, aber nicht viel fährst, sind die SuperCharger sinnvoll.
      Aber hier stehen viele TESLAs an den EnBW-Säulen, weil die auch massenweise abseits der Autobahnen, oft an Supermärkten installiert sind, mit Abo noch billiger und ohne Blockiergebühren am Schnelllader.

      Kommt aber immer auf die Gegend an, wer da gut ausgebaut hat.
      SuperCharger sind bei Auslandstouren sehr günstig, da sie nur lokale Preise verlangen.

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