Poco, iQoo und Redmi: Warum uns das Sterben der Smartphone-Untermarken teuer zu stehen kommt

Die Ära der vermeintlich unabhängigen Preis-Leistungs-Kracher fliegt uns gerade um die Ohren. Wenn große Konzerne ihre kleinen Töchter schlucken, bedeutet das für uns Kunden schlicht weniger Auswahl und das endgültige Ende bezahlbarer High-End-Hardware.
Der bekannte Leaker Yogesh Brar hat auf X eine Lawine losgetreten. Nach dem Vorbild von Oppo und OnePlus steht die nächste Konsolidierungswelle an. Eine bekannte Untermarke wandert wohl zurück zum Mutterkonzern, weil die globalen Verkaufszahlen einbrechen. Wer den Markt beobachtet, sieht die Risse im Fundament längst bei Poco, Redmi und iQoo.
Wenn die eigene Software-Identität klammheimlich stirbt
Schauen wir uns Poco an. Das aktuelle Update auf HyperOS 3.1 liefert einen handfesten Beweis dafür, wie Identitäten ausgelöscht werden. Einige Smartphones haben mit der neuen Firmware klammheimlich ihre eigenen App-Symbole verloren – dort prangen jetzt die Standard-Icons von Xiaomi.
Das nervt Fans gewaltig, ist aber schlicht die logische Vorstufe einer kompletten Verschmelzung. Im Alltag ist mir das Design der Icons zwar egal, aber die Ansage dahinter ist unmissverständlich. Xiaomi spart sich die doppelte Software-Pflege, um Kosten zu drücken. Die Kehrseite für uns? Uns wird die Illusion von echter Vielfalt geraubt. Das ist billiger Quatsch, um billiger zu produzieren.
Silicon-Inflation: Die nackten Zahlen des Chip-Wahnsinns
Dass die Preise so massiv anziehen, hat einen handfesten Grund beim Einkauf der Prozessoren. Werfen wir einen Blick auf die geschätzten OEM-Einkaufspreise von Qualcomm:
| Chip-Generation | Geschätzter OEM-Einkaufspreis | Preistrend vs. Vorgänger |
| Snapdragon 8 Gen 1 | ~120 – 130 $ | Basiswert vergangener Flaggschiff-Killer |
| Snapdragon 8 Gen 3 | ~170 – 200 $ | Deutlicher Anstieg durch TSMC 4nm |
| Snapdragon 8 Elite | ~240 – 280 $ | Massiver Sprung durch neue Oryon-Kerne |
| Snapdragon 8 Elite Gen 6 Pro | > 300 $ (Leak) | Teuerster Mainstream-Chip aller Zeiten |
Ein Prozessor, der im Einkauf über 300 Dollar kostet, macht das Konzept eines günstigen Top-Smartphones schlicht unmöglich. Für Marken wie iQoo oder Poco ist diese Marktlage ein absoluter Genickbruch.
Der historische Preis-Drift vernichtet den Flaggschiff-Killer
Erinnerst du dich an das legendäre Poco F1 aus 2018? Das rasierte den Markt für unfassbare 329 Euro. Plastikbomber, aber Top-Leistung. Ein paar Jahre später lag das Poco F4 schon bei ~399 Euro. Und heute? Ein Poco F6 kratzt ganz entspannt an der 450-Euro-Marke, während die Pro-Modelle locker die 500 Euro reißen.
Dieser schleichende Preis-Drift zeigt, dass die Nische der Rebellen längst besetzt ist. Wenn der Konkurrenzdruck untereinander wegbricht, diktiert die Mutter den Preis. Das haben wir bei OnePlus gesehen, wo nach der Oppo-Fusion plötzlich billige Plastikbomber die echten Flaggschiffe ersetzten. Ein absurder Kompromiss für alle, die früher echte Leistung gesucht haben. Der Haken an dieser ganzen Ausdünnung ist das schwindende Angebot für uns Käufer.
RAMmageddon: Wie die KI-Rechenzentren den Smartphone-Markt auffressen
Hinter den Kulissen tobt ein unbarmherziger Wirtschaftskrieg, den der normale Consumer kaum auf dem Schirm hat. Das Stichwort heißt RAMmageddon. Weil Tech-Giganten weltweit den Markt für High-Speed-DRAM und NAND-Speicher für ihre gigantischen KI-Rechenzentren leerkaufen, explodieren die Preise für Speicherchips im Consumer-Bereich.
Eine Kombination aus 16 GB LPDDR5X RAM und schnellem UFS-Speicher kostet die Smartphone-Hersteller inzwischen teilweise mehr als der eigentliche Hauptprozessor. Margen im Budget-Segment sind ohnehin hauchdünn. Wer als Konzern überleben will, muss die Logistik zusammenstreichen, Marketing-Budgets kappen und die Software vereinheitlichen. Die Konsolidierung ist überraschend bitter für Nischen-Fans, aber für die Bilanzen der Tech-Riesen schlicht überlebenswichtig.
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