Tesla: Aus FSD wird Assisted Driving – Bilger prescht vor

Tesla FSD Supervised Europe
Quelle: Tesla, Inc.
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Jahrelang hat Elon Musk das Märchen vom autonom fahrenden Auto zelebriert, doch in Deutschland platzt die Marketing-Blase jetzt ganz offiziell. Wer die deutschen Webseiten von Tesla aufruft, sucht das legendäre Versprechen vom autonomen Fahren vergebens. Stattdessen firmiert das System klammheimlich unter dem Namen Tesla Assisted Driving.

Das ist kein PR-Ausrutscher, sondern der harte Preis eines politischen Deals: Bundesverkehrsminister Steffen Bilger ebnet Tesla den Weg zur Zulassung – verlangt im Gegenzug aber das Ende der Verbrauchertäuschung und droht Brüssel mit einem nationalen Alleingang.

Der Berliner Deal beendet Musks größte Marketing-Lüge

Die Umbenennung trifft Teslas Markenidentität an der empfindlichsten Stelle. Über ein Jahrzehnt lang suggerierte das Kürzel Full Self-Driving Fähigkeiten, die kein Serienfahrzeug auf europäischen Straßen legal beherrscht. Für das Bundesverkehrsministerium war die Bezeichnung schlicht „etwas irreführend“. Hinter den Kulissen stellte Berlin klar: Eine Zulassung gibt es nur mit reiner Weste. Technisch bleibt die Software ein klassischer Level 2-Assistent, bei dem die Haftung ohne jede Diskussion beim Fahrer verbleibt.

Dass Tesla in Austin und Grünheide klein beigibt, zeigt die akute Not des Herstellers. Während Konkurrenten auf hochgerüstete Lidar-Systeme setzen, muss Tesla beweisen, dass die reine Kamera-Strategie auf Europas Straßen funktioniert. Musk braucht die Freigabe und die lukrativen Software-Abonnements dringend, nachdem die EU-Abstimmung eiskalt auf Dezember verschoben wurde. Das Technische Komitee für Kraftfahrzeuge verweigerte im Oktober das schnelle Durchwinken. Brüssel zögert – und Berlin verliert die Geduld.

KBA-Bonus und der erbitterte Kampf um die EU-Mehrheit

Das Einlenken des Bundesverkehrsministeriums geht weit über symbolische Namenspolitik hinaus. Verkehrsminister Steffen Bilger schlägt sich demonstrativ auf Musks Seite und formuliert ein klares Ziel: Deutsche Fahrer sollen die Vorteile des Systems so schnell wie möglich nutzen können. Rückendeckung erhält er dabei aus Flensburg. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) gewährt Tesla einen erstaunlichen Freifahrtschein und akzeptiert eine Überschreitung der vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeit um bis zu zehn Prozent, angeblich für einen gleichmäßigeren Verkehrsfluss.

Diese behördliche Nachsicht ist brisant. Erst kürzlich zeigten Praxisprüfungen, wie Geschwindigkeitsüberschreitungen in Tempo-30-Zonen für erhebliche Sicherheitsbedenken sorgten und den europäischen Start beinahe torpedierten. Tesla verspricht Besserung, doch das Vertrauen der europäischen Prüfstellen ist beschädigt. Das liegt auch am aggressiven Vorgehen des US-Konzerns: Behördenunterlagen legten offen, dass Tesla spürbaren Druck auf Prüfbehörden wie die niederländische RDW ausübte, um Kontrollen eigenmächtig zu beschleunigen.

Genau dieses Vorpreschen blockiert nun die Mehrheiten. Zwar erteilte die niederländische RDW im April eine Ausnahmegenehmigung und empfahl die unionsweite Freigabe. Inklusive Ländern wie Belgien, Dänemark, Estland und Litauen unterstützen bislang aber lediglich acht Mitgliedstaaten den Vorstoß. Das reicht für Brüssel hinten und vorne nicht aus. Eine verbindliche Zulassung verlangt eine qualifizierte Mehrheit: Mindestens 15 der 27 Mitgliedstaaten, die zusammen wenigstens 65 Prozent der EU-Bevölkerung abbilden.

Berlin droht Brüssel mit nationalem Alleingang

Um diese Hürde im Dezember zu erzwingen, erhöht Verkehrsminister Bilger nun maximal den Druck. Auf einer Konferenz in Berlin stellte er unmissverständlich klar, dass Deutschland das System notfalls im Alleingang freigibt, sollte die Europäische Union die Entscheidung weiter verschleppen. Ein nationales Vorpreschen bei einer Fahrassistenz dieser Kategorie wäre ein einmaliger Vorgang im europäischen Binnenmarkt. Es ist ein offener Affront gegen die Zauderer in Brüssel.

Die Fronten im Rat sind verhärtet. Zwar kippte Frankreichs Widerstand, nachdem Elon Musk im September persönlich bei Verkehrsminister Philippe Tabarot vorsprach. Doch im Norden formiert sich massiver Widerstand: Die Behörden in Schweden, Finnland und Österreich sperren sich vehement gegen die Software. Die Skepsis wächst vor allem daran, dass der Wegfall des manuellen Max-Speed-Reglers das Fahrzeug eigenständig mit dem Verkehr schwimmen lässt, statt harte Tempolimits einzuhalten.

Im Dezember fällt im TCMV-Ausschuss die Entscheidung. Scheitert die qualifizierte Mehrheit, wird Verkehrsminister Bilger beweisen müssen, ob seine Drohung mehr war als politische Schützenhilfe für Elon Musk.

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