Tesla Model 3: 22 Minuten Vollgas kosten 227 Kilometer Reichweite

Tesla Model 3 2024 Performance
Quelle: Tesla, Inc.
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Wer auf der Autobahn mit dem Elektroauto auf die linke Spur zieht, bezahlt die höhere Reisegeschwindigkeit direkt an der Ladesäule. Ein Praxistest des Zubehör-Spezialisten Enhance mit dem aktuellen Tesla Model 3 Highland belegt nun mit harten Messwerten, wie brutal der reale Unterschied zwischen sturem Energiesparen und Reisetempo 140 km/h tatsächlich ausfällt.

Auf einer rund 100 Kilometer langen Vergleichsstrecke traten zwei extreme Fahrstile gegeneinander an. Das Ergebnis liefert eine ernüchternde Erkenntnis für alle, die glauben, mit hohem Tempo auf der Langstrecke automatisch früher am Ziel zu sein.

Zwei Welten auf 100 Kilometern Autobahn

Als Testwagen trat das überarbeitete Tesla Model 3 Highland mit 60 kWh nutzbarer Batteriekapazität und 18-Zoll Michelin e-Primacy Bereifung an. Die Bedingungen waren für beide Durchgänge identisch kalibriert: 20 Grad Celsius Außentemperatur, Start mit exakt 60 Prozent State of Charge (SoC) und eine etwa 100 Kilometer lange Route, die zu 90 Prozent über die Autobahn führte.

Für den Effizienz-Durchgang galt strikte Zurückhaltung. Richtgeschwindigkeit 90 km/h, vorausschauendes Rollen ohne harte Bremsmanöver und eine komplett abgeschaltete Klimatisierung. Tesla gibt für den Basis-Stromer ab Werk eine offizielle Reichweite von 572 Kilometern nach WLTP durch optimierte Bereifung an, was rechnerisch 104,9 Wh/km entspricht.

Das Sparprogramm deklassierte diese Werksangabe mühelos. Nach 1 Stunde und 16 Minuten Fahrtzeit sank der Akkustand lediglich von 60 auf 42 Prozent – ein Verbrauch von gerade einmal 18 Prozentpunkten. Der Bordcomputer registrierte 10,1 kWh Gesamtenergie und einen Durchschnitt von 97,7 Wh/km. Hochgerechnet auf den vollen 60-kWh-Akku ergibt das eine theoretische Reichweite von beachtlichen 614 Kilometern.

MesswertSpar-Fahrt (90 km/h)Normal-Fahrt (140 km/h)Differenz / Delta
Fahrzeit1 h 16 min (76 min)54 min+22 min langsamer
Akkustand (Start/Ziel)60 % → 42 % (-18 %)60 % → 29 % (-31 %)+13 Prozentpunkte
Verbrauch absolut10,1 kWh15,9 kWh+5,8 kWh Mehrverbrauch
Durchschnittsverbrauch97,7 Wh/km154,8 Wh/km+57,1 Wh/km (+58,4 %)
Rechnerische Reichweite614 km388 km-227 km Reichweite

Tempo 140 verlangt fast 60 Prozent Express-Zuschlag

Im zweiten Durchlauf zeigte sich der gewohnte Autobahnalltag: Wo immer die Strecke frei war, beschleunigte der Fahrer zügig auf 140 km/h. Die Innenraumtemperatur war auf komfortable 20 Grad Celsius geregelt, langsamere Fahrzeuge wurden ohne langes Zögern überholt.

Nach 54 Minuten war die Distanz abgespult, doch der Akku bezahlte den Express-Zuschlag teuer. Der Ladestand stürzte von 60 auf 29 Prozent ab. Ein Verlust von 31 Prozentpunkten auf 100 Kilometern. Mit 15,9 kWh zog das Model 3 exakt 5,8 kWh mehr aus den Zellen als im Schleichgang. Der Durchschnittsverbrauch kletterte auf 154,8 Wh/km. Das bedeutet einen Mehrverbrauch von satten 58,4 Prozent gegenüber der 90-km/h-Fahrt. Die rechnerische Gesamtreichweite schrumpft damit von 614 auf nur noch 388 Kilometer.

Der dramatische Reichweiteneinbruch deckt sich mit bisherigen Erkenntnissen zur Effizienzkurve, wie sie schon das Model Y Standard im Autobahntest bei steigendem Tempo demonstrierte. Sobald der Luftwiderstand jenseits der Richtgeschwindigkeit exponentiell anwächst, verpufft der aerodynamische Vorteil der Karosserie spürbar.

Die Ladezeit-Gleichung: Warum Tempo 90 eine Milchmädchenrechnung bleibt

Auf dem Papier klingt ein Plus von 227 Kilometern Reichweite verlockend. Setzt man diesen Wert jedoch in Relation zur Reisezeit, kippt der angebliche Vorteil sofort ins Absurde.

Wer mit 90 km/h hinter den Lastwagen hertrödelt, verliert auf 100 Kilometern Strecke glatte 22 Minuten Lebenszeit. Auf der Gegenseite steht eine Verbrauchsersparnis von 5,8 kWh. An einem gängigen Tesla V3- oder V4-Supercharger lädt der Wagen im optimalen Ladefenster mit bis zu 170 kW. Genau diese robuste LFP-Batterie des Model 3 zieht die benötigten knapp sechs Kilowattstunden in weniger als zweieinhalb Minuten in die Zellen.

22 Minuten Fahrzeit auf der Strecke opfern, um an der Ladesäule zwei bis drei Minuten zu sparen? Das rechnet sich auf keiner Urlaubsfahrt. Völlig praxisfremd ist zudem der Verzicht auf die Klimaanlage. Bei 20 Grad mag das funktionieren, bei hochsommerlicher Hitze oder feuchtkaltem Herbstwetter ist ein unbelüfteter Innenraum schlicht unzumutbar.

Sinnvoll ist das Schleichtempo lediglich in einer einzigen Notsituation: Wenn die Reichweitenanzeige schneller fällt als die verbleibenden Kilometer zum rettenden Schnelllader. Ansonsten markiert ein konstantes Reisetempo zwischen 110 und 120 km/h bei eingeschalteter Klimatisierung den optimalen Punkt aus Ankunftszeit, Verbrauch und echtem Fahrkomfort.

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21 Kommentare

  1. Ein sehr schöner Vergleich, vielen Dank! Sie sind damit leider mindestens fünf Jahre zu spät dran. Er erinnert stark an zahlreiche Vergleichstests der frühen Elektro-Youtuber, die ab 2013 bis ca. 2019 Spaß daran hatten. Danach wurde die Physik nur noch von denen verifiziert, die bis dahin nicht mitbekommen hatten, daß man auch hierzulande schon Elektroautos kaufen kann.

  2. Lieber Jörn. Vollgas = 140? Ich habe das Auto und kenne kein effizienteres. Welchen Verbrenner empfiehlst du denn und wie fährst du damit? Unser Campingbulli brauchte 6,5 l Diesel….strickt unter 120 bleiben. Das M3 kann mit 10 kWh/100 km bewegt werden, ist also ein 2l Auto. Für Durchschnitt 16 kWh darf ich entspannt MAL auf 200 beschleunigen. Welches Auto kann das auch? Vielleicht der Ioniq 6. Bleib besser bei Android….

  3. Mich interessierte der verbrauch bei 100 km/h mit flachem Kastenanhänger,
    das wäre dann meine normale Richtgeschwindigkeit. Transportiere viel hin und her.
    Gegen den erhöhten Zeitverbrauch nutze ich schon lange Hörbücher,
    damit gewinne ich sogar me-time. Ich kann mich zuhause nämlich nicht einfach
    so hinsetzen, da störte mich u. a meine Frau dabei. ;=)

    1. Habe mit dem neuen Model Y und 800kg Einachser Flachplane hinten auf Langstrecke bei 100km ca. 19kwh Verbrauch. Im Gebirge können es auch 25kwh werden.
      Meiner Meinung nach, ist das alles voll im Rahmen.

  4. Das ist generell das Problem von Elektrofahrzeugen. Wir haben 2026. Durch erneuerbare Energie angetrieben, würde ich mir bei aktuellen Sicherheitssystemen ein Durchschnittstempo von 140 auf der Autobahn wünschen. Kein erschwinglicher Akku hält das heute ohne erheblichen Verbrauch aus. Obwohl der Elektroantrieb vom Wirkungsgrad her hervorragend im Vergleich zum Verbrenner ist, bleibt das für mich das Dilemma. Ich warte einfach noch, denn das Klima retten wir nicht in den nächsten 10 Jahren auch wenn das wünschenswert wäre.

  5. Bei der Rechnung mit den 22 Minuten fehlt noch die Zeit fürs Abfahren, Anstecken und Wiederauffahren. Für den Vergleich müsste man prüfen, ob bei 140 überhaupt ein zusätzlicher Ladestopp nötig wird oder nur ein ohnehin geplanter länger dauert. Die 170 kW als Spitzenwert reichen dafür nicht. Erst mit der gesamten Standzeit lässt sich der Zeitvorteil sauber beurteilen.

  6. Um den Verbrauch beider Fahrzeuge real zu vergleichen, taugt diese Methode nicht wirklich. Wenn es wirklich nur um die Reichweite/den Verbrauch beim Fahren gehen soll, dann darf beim „Effizienz“-Testwagen die Klimaanlage nicht ausgeschaltet werden! Oder keines der Fahrzeuge darf klimatisiert werden. Das verfälscht schließlich das Ergebnis.

  7. Sorry, aber das ist schlicht falsch; zumindest in der Praxis. Ich habe ein 2019er Model 3 SR+ und ein 2022er Model Y LR. Für beide gilt, dass der Sweet Spot für die minimale Reisedauer 130 bis 140 km/h beträgt. (schenkt sich beides nichts.)

    Wer langsamer fährt, lädt zwar weniger, braucht aber auf der Strecke länger. Wer schneller fährt, muss öfter laden.

    Das sind, wie gesagt, langjährige Praxiserfahrungen sowie zahlreiche Berechnungen mit ABRP. 110 km/h ist jedenfalls definitiv nicht geeignet, im schnellstmöglich von A nach B zu kommen.

    1. was für ein Unsinn.
      Jeder weiß der Luftwiderstand steigt quadratisch mit der Geschwindigkeit, nicht exponentiell.
      Auch kann bei exponentiell ja der Anstieg immer noch sehr unterschiedlich sein: 2 hoch x wächst langsamer als 3 hoch x

  8. So ein Schwachsinn 🤦‍♀️ fängt mit einer Richtgeschwindigkeit (!) von 90 km/h an 🙄

    Bitte gleichen Test mit einem hocheffizienten Benziner. Das Ergebnis wird identisch sein!

    1. Wer will heutzutage noch ein reinen Benziner haben ? Nur Nachteile in allen Sachen.
      Träge und alte Technik mit unzähligen Sensoren und Regel Technik um so einen Motor überhaupt noch heutzutage zulassen zu dürfen.
      Sehr wartungsintensiv und teurer . Wirkungsgrad von 40% zu 95% bei Elektro.
      Viele Teile die ausfallen oder kaputt gehen können . Anlasser, Lichtmaschine, Turbolader, Ladeluftkühler, Nockenwellen, Kurbelwellen , Luftmassensensoren die ausfallen können . Partikelfilter , Kat. Auspuff, Getriebe. Es gibt so viele Bauteile die defekt gehen können . Wieso eine über 110 Jahre alte Technik am leben halten, wenn es so einfach geht.

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