Tesla Roadster: Das 250.000-Dollar-Phantom schwurbelt weiter

Da ist sie wieder, die Ankündigung für die Ankündigung, auf die wir uns seit bald zehn Jahren felsenfest verlassen können. Eigentlich sollte der Tesla Roadster 2.0 im Mai dieses Jahres enthüllt werden. Nun neigt sich der Sommer dem Ende zu und die Hallen in Austin bleiben leer. Wieder einmal ein gerissenes Versprechen – das wurde aber auch Zeit für die nächste Ausrede aus der PR-Abteilung.
Designchef Franz von Holzhausen gab bei Jay Leno’s Garage erneut den Beruhigungsonkel und betonte gebetsmühlenartig, der Wagen komme „sehr bald“. Konkrete Daten? Null. Seit der ersten Präsentation im Jahr 2017 hält man Kunden, die damals bis zu 250.000 US-Dollar für die Founders Series angezahlt haben, mit schwammigen Floskeln hin. „Sehr bald“ bedeutet im Sprachgebrauch von Elon Musk schlichtweg: ungewiss.
Physik schlägt PR: Warum der Wunder-Akku nicht liefert
Man muss das Problem beim Namen nennen: Ein 200-kWh-Akkupaket lässt sich nach aktuellem Stand der Zellchemie nicht ohne extremes Gewicht und massive thermische Drosselung in ein kompaktes Sportwagen-Chassis quetschen. Wer eine Beschleunigung von unter einer Sekunde verspricht und gleichzeitig von abenteuerlichen SpaceX-Kaltgasdüsen schwärmt, baut kein Auto für die Straße, sondern ein Prestige-Objekt für die Börsenshow.
Während Tesla das Projekt schleifen lässt, zeigt die Konkurrenz längst, wie es geht. Marke wie Rimac mit dem Nevera oder BYD mit dem Yangwang U9 liefern echte Elektro-Supercars auf den Asphalt. Tesla hingegen konzentriert sämtliche Ressourcen auf den Massenmarkt rund um das Model 3 und Model Y sowie die Entwicklung des Robotaxis. Der Sportwagen ist für das Überleben der Marke schlicht unbedeutend.
Zahlende Kunden werden schamlos hingehalten
Ob man so ein Auto im Alltag wirklich braucht, steht auf einem anderen Blatt. Wer allerdings seit fast einem Jahrzehnt sechsstellige Beträge parkt, hat ein Recht auf Fakten statt Märchenstunden. Ich glaube an eine Serienversion erst, wenn die ersten Fahrzeuge auf echten Straßen rollen und an Schnellladern stehen. Bis dahin bleibt der Roadster das teuerste Phantombild der Automobilgeschichte.
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