MG: Trojaner-Fund bedroht Autoverkauf und Datenschutz

Da denkst du, du fährst ein ganz normales Elektroauto, und stolperst auf Seite 36 einer offiziellen SAIC-Lizenzliste über ein Schadprogramm. Die Süddeutsche Zeitung hat enthüllt, dass beim chinesischen Mutterkonzern von MG unter Punkt 1400 eiskalt die Open-Source-Software Teardroid gelistet ist. Microsoft stuft das Tool offiziell als gefährliche IT-Bedrohung ein, weil es als Remote Access Trojaner unbemerkt die Kontrolle über Android-Systeme übernimmt. Das wurde aber auch Zeit, dass bei den Infotainment-Systemen aus China endlich mal genauer hingeschaut wird.
Eigentlich lief das Geschäft für die Chinesen glänzend: Von Januar bis Juni 2026 wurden rund 16.000 neue MGs in Deutschland zugelassen, und der MG 4 verkaufte sich über die Jahre mehr als 30.000 Mal. Doch was bedeutet ein Trojaner auf der Infotainment-Plattform konkret? Weil Infotainment und Fahrzeugsteuerung bei modernen Autos über Bus-Systeme verknüpft sind, droht im schlimmsten Fall nicht nur das Abhören von Telefonaten, sondern der Fernzugriff auf Fahrzeugdaten. Ob man das als Käufer wirklich im Alltag braucht? Ganz sicher nicht.
Wie ein Urheberrechts-Streit das Sicherheitsrisiko enthüllte
Aufgeflogen ist das Desaster erst durch eine Klage des Würzburger IT-Anwalts Chan-jo Jun, der selbst einen MG 4 least. Jun wollte den deutschen Importeur juristisch dazu zwingen, die Lizenzbedingungen von Open-Source-Software einzuhalten und den Quellcode wie gefordert bereitzustellen. Im Zuge dieses Verfahrens vor dem Landgericht München musste SAIC das 201-seitige Dokument offenlegen. Der Kläger Jun bleibt sachlich: Ob Teardroid aktiv zum Spionieren genutzt wird oder nur als verunglücktes Fernwartungs-Tool im System schlummert, ist offen. Doch allein die Möglichkeit zeigt die gewaltige Sicherheitslücke auf.
Das behördliche Misstrauen wächst naturgemäß massiv. Sicherheitsorgane wie die ZITiS und der Verfassungsschutz untersuchen chinesische Fahrzeuge längst auf unbefugten Datenabfluss ins Ausland. In Polen gelten bereits Fahrverbote für chinesische Autos auf Kasernengeländen, und britische Sicherheitsfirmen verbieten ihren Mitarbeitern die Smartphone-Kopplung. Und MG Deutschland? Verweist auf das laufende Verfahren und beteuert brav, man nehme das Thema sehr ernst. Reine PR-Sprech-Nebelskerze.
Lizenzverstöße machen gebrauchte Stromer zur juristischen Falle
Neben der Spionagegefahr wiegt das juristische Nachspiel für Autokäufer fast noch schwerer. Wenn SAIC die quelloffenen Lizenzen schlampig verwaltet und den Systemcode verweigert, verletzt das geltendes Urheberrecht. Ein Auto mit illegal installierter Software leidet unter einem Rechtsmangel. Wer seinen gebrauchten MG 4 später weiterverkauft, riskiert direkte Abmahnungen oder Klagen der Urheberrechte-Inhaber und Käufer.
Ein Auto mit rechtlich angreifbarer Software wird auf dem Gebrauchtmarkt faktisch unverkäuflich. Anwalt Jun rechnet nach der nächsten Verhandlung im kommenden Oktober mit einer massiven Klagewelle geschädigter Besitzer. Wer jetzt einen MG in der Einfahrt stehen hat, sitzt womöglich auf einer tickenden Zeitbombe – finanziell wie datenschutztechnisch.
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Ob das wirklich irgendjemand außerhalb einer IT-Bubble interessiert glaube ich eher weniger. Sonst hätten andere datenschutzrechtlich bedenkliche Dienste nicht so viel zulauf. Und das die Autofirmen auch so an die Daten des Autos herankommen weiß auch jeder, man bedenke nur mal die Kameraaufnahmen der Teslas, die auf zentralen Servern landen. Für viel wahrscheinlicher halte ich, dass sich ein Entwickler gedacht hatte, dass man so bei einzelnen Fahrzeugen seltene Softwarebugs, die nur bei komischen Konstellationen auftreten, besser erforschen kann, oder dass es tatsächlich unbeabsichtigt war und dann beim nächsten Update verschwindet.
Na ja, da ich den als Leasing Fahrzeug nach 2 Jahren wieder abgebe tangiert mich das direkt nicht, aber man schaut beim nächsten sicher genauer hin, wenn man dann kann.