Volkswagen: Warum Ex-Chef Diess trotz Milliarden-Gewinn vor dem Strompreis-Kollaps warnt

seitliche Frontansicht des roten VW ID. Polo GTI
Quelle: Volkswagen AG
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Die Dauerkrise bei VW nervt nur noch, aber das wahre Problem liegt momentan überhaupt nicht in Wolfsburg. Wenn wir die E-Mobilität in Deutschland kollektiv gegen die Wand fahren, liegt das weniger an den Autos als an unserem absurden Ökosystem. Wer 35 Cent für den Strom zahlt, kauft schlicht kein Elektroauto.

Der China-Schock und das europäische Trugbild

Herbert Diess hat im Moove-Podcast von auto motor und sport Klartext geredet. Er sieht VW in Europa eigentlich gut positioniert. Rund 30 Prozent Marktanteil bei den reinen Stromern (BEVs) – das ist solide und liegt sogar über dem Verbrenner-Niveau. Klingt erst mal gut. Ist aber nur die halbe Wahrheit.

In China brennt die Hütte. Dort verliert der Konzern an Boden, und genau dort werden die gigantischen Stückzahlen gedreht. Skaleneffekte. Wer im fernen Osten den Anschluss dauerhaft verliert, wird es global extrem schwer haben. Da hilft auch der aktuelle Milliarden-Gewinn aus dem Jahr 2025 nicht weiter, der die Lage in der Öffentlichkeit künstlich beruhigt. Die Kehrseite des Erfolgs in der Heimat ist die drohende Bedeutungslosigkeit auf dem größten Markt der Welt.

Ich sehe das ähnlich wie der Ex-Chef: Wir reden in Deutschland viel zu oft über die Vergangenheit und gefährdete Werke, statt die echten Bremsen zu lösen. Die neue Generation der deutschen Stromer hat bei der Software spürbar aufgeholt. Das anfängliche ID.3-Desaster ist abgehakt. Das Produkt stimmt mittlerweile. Der Haken liegt im Alltag aber ganz woanders.

Das Monopol der 880 Fürstentümer bremst den ID.3 aus

Ein echter Aufreger. Diess rechnet im Podcast schonungslos mit der deutschen Energiepolitik ab. Ein Befreiungsschlag. An der Strombörse kostet die Megawattstunde zeitweise fast nichts, der Preis liegt dort phasenweise bei umgerechnet 2,4 Cent pro Kilowattstunde. Beim Verbraucher kommen trotzdem 35 Cent an.

Pustekuchen. Den Löwenanteil fressen die Netzentgelte. Deutschland leistet sich unfassbare 880 Netzbetreiber. Ein einziger Wasserkopf aus Vorständen, Verwaltungsräten und lokalen Monopolisten. Der Kunde kommt aus diesen Strukturen nicht raus und zahlt die Zeche für ein ineffizientes System.

Frankreich leistet sich genau einen Betreiber. Das Ergebnis ist auffällig. Dort liegen die Netzkosten bei rund vier Cent pro Kilowattstunde, bei uns sind es zehn Cent. Solange die Politik die bestehenden Netzbetreiber schadlos hält und den Netzausbau komplett auf den Endkunden abwälzt, bleibt das Laden an der Säule ein teurer Kompromiss.

Warum die Netzinfrastruktur über den Auto-Standort entscheidet

Der Schwenk zur E-Mobilität ist längst kein reines Fahrzeug-Problem mehr, sondern ein knallharter Standort-Nachteil geworden. Wenn Energie durch bürokratische Monopole künstlich verteuert wird, nützen der Industrie auch die besten Batteriezellen nichts mehr.

Die deutsche Autoindustrie verliert den Anschluss nicht gegen BYD oder Tesla, weil sie keine guten Autos bauen kann. Sie verliert, weil die heimischen Rahmenbedingungen die Betriebskosten der Kunden im Alltag auffressen. Ohne eine radikale Konsolidierung des Stromnetzes bleibt die Mobilitätswende in der Sackgasse stecken.

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