VW ID. Cross: Der Konfigurator ist online – doch vom 28.000-Euro-Versprechen fehlt jede Spur

VW zieht im Konfigurator wieder die altbekannte Salami-Taktik durch. Wer auf das angekündigte billige Elektro-SUV für unter 28.000 Euro gehofft hat, kriegt beim Klick auf die Website eine kalte Dusche verpasst. Erst ab über 34.000 Euro darf derzeit überhaupt ein Vertrag unterschrieben werden.
Das Auto ist kompakt, die Summe auf dem Papier riesig. Wer aktuell den VW ID. Cross zusammenstellt, bekommt exklusiv die Spitzenversion aufgetischt. 155 kW (211 PS) Leistung, der größere 52-kWh-Akku (NMC) und Reichweiten bis zu 427 Kilometer laut WLTP. Schöne Zahlen. Aber der Preis schlägt ins Kontor: Die Variante Life steht regulär mit 36.525 Euro in der Liste. Selbst mit der derzeitigen ID.-Kaufprämie von 2.500 Euro bleiben heftige 34.025 Euro auf der Rechnung stehen. Wer zur gehobenen Style-Ausführung greift, überweist nach Abzug von 3.500 Euro Rabatt immer noch 35.610 Euro (Listenpreis: 39.110 Euro).
Ein Brocken. Und eine Ansage an alle, die auf den volksnahen Stromer gewartet haben.
Die günstige Basis lässt auf sich warten
Pustekuchen mit billig. Das angekündigte Einstiegsmodell Trend für 27.995 Euro schaltet Wolfsburg erst ab Mitte Oktober frei. Diese Sparversion bekommt einen kleineren 37-kWh-LFP-Akku und Motoren mit 85 kW (116 PS) oder 99 kW (135 PS). Für die 85-kW-Ausführung stehen 316 Kilometer Reichweite im Datenblatt. Geladen wird dort mit maximal 90 kW. Und genau an der Ladesäule nervt mich ein Detail im Kleingedruckten gewaltig.
Der ID. Cross benötigt mit der 37-kWh-Batterie von 10 auf 80 Prozent volle 27 Minuten. Beim technisch verwandten ID. Polo gibt VW für exakt denselben Akku nur 23 Minuten an. Woher diese vier Minuten Differenz kommen? Schlicht unklar. So eine Abweichung innerhalb derselben Baukasten-Familie hinterlässt Frust. Im Alltag zählt am Schnelllader schließlich jede Minute, um nach dem Kaffee schnell wieder vom Hof zu kommen.
Viel Platz im Alltag, aber der Preis schmerzt
Abseits der Preispolitik hat VW bei der Ergonomie Hausaufgaben erledigt. Mit 4153 Millimetern Länge, 1794 Millimetern Breite und 1581 Millimetern Höhe steht der Wagen kompakt auf der Straße. Der Radstand von 2601 Millimetern holt im Innenraum ordentlich Platz raus. Der Kofferraum schluckt 475 Liter – das sind 20 Liter mehr als beim Verbrenner-Pendant T-Cross. Unter die Fronthaube haben die Ingenieure sogar einen 25 Liter großen Frunk gequetscht.
Innen setzt VW erfreulicherweise wieder auf echte, haptische Bedienelemente statt Touch-Quälerei. Dazu gesellen sich ein 10,25-Zoll-Fahrerdisplay und ein 12,9-Zoll-Infotainment mit Retro-Anzeige im Stil des Golf I. Bis zu 1200 Kilogramm Anhängelast und eine Vehicle-to-load-Funktion mit 3,6 kW Rausgabe runden das Paket ab.
Trotzdem bleibt das Preisschild ungemütlich. Fast 36.000 Euro für die Style-Ausstattung schieben das Mini-SUV in Territorien, in denen bereits ausgewachsene Elektro-Modelle wildern. Wer so viel Geld auf den Tisch legt, will mehr Reichweite sehen als 105 kW maximale Ladeleistung in der Spitze. Der Haken sitzt tief.
Warum VW die Billig-Stromer erst spät von der Leine lässt
Klassische Melk-Taktik. Volkswagen bedient zum Verkaufsstart gezielt die Kundschaft, die bereitwillig Aufpreise für mehr PS und volle Hütte zahlt. Erst wenn diese Rendite-Welle abgeebbt ist, laufen die margenschwachen Einstiegsversionen mit LFP-Zellen vom Band. Das stabilisiert die Kalkulation auf der MEB+-Plattform im ersten Anlauf, verprellt jedoch genau die Käufer, die händeringend nach bezahlbarer E-Mobilität suchen.
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