XPENG X9 im Test: 542 kW Lade-Power deklassiert deutsche Premium-Vans

Seitenansicht des elektrischen Xpeng X9
Quelle: Xpeng
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Wer geglaubt hat, dass elektrische Großraumlimousinen im gewerblichen Shuttle-Dasein verstauben müssen, wird beim Blick auf den XPENG X9 unsanft geweckt. Während deutsche Hersteller wie Mercedes-Benz beim betagten EQV krampfhaft versuchen, modifizierte Transporter-Gene mit saftigem Stern-Aufpreis zu verkaufen, rollt der chinesische Hersteller mit einer kompromisslos konstruierten Luxus-Festung an.

Dass die Chinesen bei Antrieb und Effizienz längst die Taktung vorgeben, überrascht kaum noch – wie schon der Reichweitentest des XPENG X9 im El Prix mit realen 646 Kilometern eindrucksvoll unter Beweis stellte. Mit dem offiziellen Marktstart der Baureihe H93 in Europa wird der Van nun zum direkten Härtetest für etablierte Platzhirsche.

Preislich positioniert sich der Koloss erstaunlich selbstbewusst. Für den XPENG X9 FWD Standard Range ruft der Hersteller einen Einstiegspreis von 77.600 Euro auf, ausgerüstet mit einem 94,8-kWh-LFP-Akku, Frontantrieb und 235 kW (320 PS).

Wer maximale Reichweite sucht, greift zur Version FWD Long Range für 81.600 Euro, die auf einen 110,0-kWh-NMC-Speicher setzt und eine WLTP-Reichweite von bis zu 600 Kilometern verspricht.

Das vorläufige Flaggschiff markiert der AWD Performance für 86.600 Euro: Mit zwei Motoren, 370 kW (503 PS) Systemleistung und 640 Nm Drehmoment sprintet der 2.745 Kilogramm schwere Siebensitzer in sportlichen 5,9 Sekunden auf Tempo 100. Bei 200 km/h wird elektronisch abgeregelt.

Lade-Performance pulverisiert etablierte Standards

Was an modernen Schnellladesäulen passiert, ist schlicht eine Ansage. Dank der konsequenten 800-Volt-Architektur auf Basis der firmeneigenen SEPA-2.0-Plattform mit Siliziumkarbid-Wechselrichtern zieht der X9 Gleichstrom mit einer Spitzenleistung von bis zu 542 kW.

Ein Ladehub von 10 auf 80 Prozent ist damit unter Idealbedingungen in gerade einmal 12 Minuten erledigt. Damit schlägt der Van an der Ladesäule selbst teure Sport-Stromer um Längen.

Wie aggressiv der Hersteller seine Modellpalette technisch aufstellt, zeigte zuletzt auch der neue XPeng P7 mit 500 kW Ladeleistung, der die Ladezeiten für europäische Langstreckenfahrer drastisch verkürzt.

Der Stromverbrauch geht für ein Fahrzeug dieser Größenordnung absolut in Ordnung. Im gemischten WLTP-Zyklus genehmigt sich der X9 rund 20,0 bis 20,8 kWh auf 100 Kilometer.

Auf realen Autobahn-Etappen bei Richtgeschwindigkeit klettert der Wert im Winterbetrieb auf etwa 26,8 kWh/100 km, was immer noch für rund 395 Kilometer Autobahn-Reichweite am Stück reicht. Im Sommerbetrieb sind kombiniert über 500 Kilometer Praxisdistanz problemlos machbar.

Zudem spendiert XPENG dem Van eine serienmäßige Vehicle-to-Load-Funktion (V2L) mit 6,0 kW Ausgangsleistung, wodurch externe Elektrogeräte direkt über den Typ-2-Adapter betrieben werden können.

First-Class-Kabine und Hinterradlenkung gegen die Parkplatz-Krise

Mit einer stattlichen Gesamtlänge von 5.316 Millimetern, einer Breite von 1.988 Millimetern und einem Radstand von 3.160 Millimetern sprengt der X9 klassische Garagenmaße. Dank integrierter Aluminium-Druckguss-Strukturen vorn und hinten besitzt die Karosserie dennoch eine enorme Verwindungssteifigkeit.

Dass sich der Riese in der Innenstadt nicht wie ein unbeweglicher Frachter anfühlt, liegt an der serienmäßigen Hinterradlenkung mit bis zu fünf Grad Lenkwinkel. Sie drückt den Wendekreis auf kompakte 10,8 Meter und lässt den Riesen handlicher rangieren als manches Mittelklasse-SUV.

Für den passenden Fahrkomfort sorgt ein serienmäßiges Fahrwerk mit Zweikammer-Luftfederung und adaptiver Dämpferregelung. Ähnliche technische Finessen nutzt auch das Flaggschiff-SUV der Marke, wie die Technik-Details beim Xpeng G9L mit 800-Volt-System verdeutlichen.

Im Innenraum regiert Business-Class-Komfort in Reinkultur. Die zweite Sitzreihe bietet elektrisch verstellbare Zero-Gravity-Einzelsitze mit Massage-, Belüftungs- und vollständiger Liegefunktion.

Aus dem Dachhimmel klappt ein 21,4-Zoll-Entertainment-Display für die Fondpassagiere, während ein integriertes Kühl- und Warmhaltefach von 0 bis 50 Grad Erfrischungen serviert.

Selbst bei voller Bestuhlung mit sieben Erwachsenen verbleibt ein Kofferraumvolumen von beachtlichen 721 Litern. Werden die Sitze der dritten Reihe per Knopfdruck vollständig plan im Fahrzeugboden versenkt, wächst das Ladevolumen dachhoch auf bis zu 2.250 Liter.

Wo der China-Gleiter noch aneckt

Trotz der beeindruckenden Hardware offenbaren sich im Alltag spürbare Schwächen. Beim Euro-NCAP-Crashtest erzielte der X9 zwar die Maximalwertung von fünf Sternen, doch die Detailanalyse offenbart im Bereich „Sicheres Fahren“ mit lediglich 57 Prozent eine deutliche Delle im Zeugnis.

Während Crash-Struktur und Insassenschutz mit 91 Prozent glänzen, fallen die Fahrassistenten durch nervöse Warnkaskaden und unharmonische Eingriffe auf.

Auch die europäische Software-Lokalisierung hinkt der eleganten Karosserie hinterher: Zwar arbeitet der verbaute Qualcomm Snapdragon 8295P extrem reaktionsschnell, doch verschachtelte Untermenüs für banale Klimaeinstellungen und träge Navigations-Routenführungen trüben den Premium-Eindruck.

Unterm Strich liefert XPENG mit dem X9 ein Raumschiff ab, das den etablierten Van-Markt ordentlich aufmischt. Für Familien mit großem Budget und Chauffeurdienste bietet kein europäischer Hersteller ein vergleichbares Paket aus gigantischem Raumangebot, exzellenter Ladezeit und kompletter Serienausstattung für unter 90.000 Euro.

Wer sehen möchte, wie sich das Lade-Monster auf der Autobahn schlägt und wie flexibel sich die dritte Sitzreihe im Alltag versenken lässt, sollte sich das ausführliche XPENG X9 Review von Ausfahrt TV News ansehen. Dieses Video zeigt praxisnah den realen Autobahnverbrauch, das Raumkonzept mit sieben Personen und die enorme Ladegeschwindigkeit an der Schnellladesäule.

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