Zeekr: China lädt in sieben Minuten, Europa bleibt zurück

schräge Frontansicht des 2024er Zeekr 001
Quelle: Zeekr
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Der Zeekr 001 lädt in China von 10 auf 80 Prozent in rund sieben Minuten. Das allein wäre schon eine Ansage. Noch interessanter ist aber, was dahintersteckt: Der aktuelle China-001 fährt mit 900-Volt-Architektur und einer 95-kWh-Batterie, die bis zu 12C Ladeleistung unterstützt.

Und während Europa noch über Ladezeiten von 20 oder 30 Minuten diskutiert, baut Geely parallel bereits die passende Infrastruktur für die nächste Ausbaustufe. Seit März 2026 sind mehr als 2.100 Geely-/Zeekr-Ladestationen dokumentiert, darunter Hardware mit bis zu 1.500 kW Spitzenleistung. Das ist kein Zukunftsbild aus einer Präsentation mehr, sondern bereits installierte Hardware in China.

Genau deshalb ist der Blick nach China interessanter als der übliche Vergleich von Datenblättern. Die entscheidende Frage lautet nicht, ob ein europäisches Elektroauto ebenfalls kurzzeitig hohe kW-Werte erreicht. Die Frage lautet: Wie lange kann das Auto tatsächlich viel Leistung aufnehmen?

1,32 MW sind nicht sieben Minuten lang 1,32 MW

Beim chinesischen Zeekr 001 kommt die Kombination aus 900 Volt und der hauseigenen 95-kWh-Golden-Battery zusammen. Zeekr beziehungsweise die chinesischen Berichte nennen bis zu 12C und einen Ladehub von 10 auf 80 Prozent in etwa sieben Minuten; als Peak werden rund 1,32 MW genannt.

Hier lohnt sich allerdings ein Blick hinter die große Zahl. 70 Prozent von 95 kWh entsprechen rechnerisch 66,5 kWh. Teilt man diese Energiemenge grob durch sieben Minuten, landet man bei rund 570 kW durchschnittlicher Leistung auf Batterieebene – noch ohne Ladeverluste. Der 1,32-MW-Wert ist also ein Peak und keineswegs eine siebenminütige Dauerleistung.

Das macht die Sache für mich sogar interessanter. Denn ein Elektroauto, das für kurze Zeit mit gigantischen Zahlen posiert, ist nett fürs Datenblatt. Ein Auto, das über einen großen Teil des relevanten Ladefensters mehrere hundert Kilowatt tatsächlich umsetzt, bringt im Alltag viel mehr.

Europa bekommt beim Zeekr 001 eine andere technische Liga

Und genau hier wird der Unterschied ziemlich unangenehm. Der Zeekr 001, der aktuell auf der deutschen beziehungsweise europäischen Website angeboten wird, schafft 10 bis 80 Prozent laut Zeekr in 30 Minuten bei 200 kW DC. Die europäische Variante ist damit technisch nicht auf dem Niveau des aktuellen chinesischen 001.

Das ist wichtig, weil ein einfacher Vergleich „Zeekr gegen Europa“ sonst irreführend wäre. Es handelt sich nicht um dasselbe technische Paket auf zwei Märkten. Der chinesische 2026er 001 wurde auf 900 Volt aufgerüstet; das europäische Modell auf der deutschen Zeekr-Seite wird weiterhin mit den deutlich langsameren 30 Minuten angegeben.

Wer bei Zeekr in Europa schneller laden möchte, muss deshalb nicht zum 001 greifen. Der 7X nutzt eine 800-Volt-Architektur und kommt je nach Batterie auf 13 beziehungsweise 16 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Die 100-kWh-Varianten sind laut aktueller Zeekr-Angabe mit 16 Minuten angegeben.

Polestar zeigt das Problem besonders deutlich

Noch interessanter wird es beim Schwesterkonzern Polestar. Der Polestar 4 besitzt weiterhin eine 400-Volt-Batterie, kann DC-seitig maximal 200 kW aufnehmen und benötigt laut aktueller offizieller Spezifikation 30 Minuten für 10 bis 80 Prozent.

Damit ist auch klar, warum die ältere Angabe von 22 Minuten nicht mehr verwendet werden sollte. Die aktuelle Polestar-Dokumentation nennt eindeutig 30 Minuten. Sogar das Ladehandbuch weist darauf hin, dass die maximale Ladegeschwindigkeit mit steigendem Ladezustand abnimmt.

Das ist kein vernichtendes Urteil über den Polestar 4. Aber technisch zeigt der Vergleich ziemlich brutal, dass Geelys Markenverbund nicht auf einer einzigen Evolutionsstufe steht. Die Konzernfamilie kann 400 Volt, 800 Volt und inzwischen 900 Volt anbieten – und China ist beim Zeekr 001 bereits bei der deutlich aggressiveren Ladeauslegung angekommen.

Der Rest Europas ist längst nicht chancenlos

Trotzdem wäre die Aussage „Europa kann das nicht“ schlicht falsch. Porsche nennt für den aktuellen Taycan 18 Minuten von 10 auf 80 Prozent unter optimalen Bedingungen. Hyundai gibt beim Ioniq 5 mit 84-kWh-Batterie und 800-Volt-System ebenfalls 18 Minuten an.

Der Unterschied liegt also inzwischen nicht mehr zwischen „schnell“ und „langsam“. Der Unterschied liegt zwischen einer sehr guten europäischen Ladearchitektur und der nächsten chinesischen Eskalationsstufe.

Und genau dort legt Geely bereits nach. Aktuelle Berichte über eine offizielle Geely-Ankündigung sprechen von einer 1000-Volt-Architektur, mit der künftig die Marke von 5,5 Minuten für 10 bis 80 Prozent unterboten werden soll. Einen konkreten Serienstart eines solchen 1000-Volt-Fahrzeugs nennt Geely bislang nicht.

Das ist der eigentlich unangenehme Punkt: Die 900-Volt-Technik des chinesischen 001 ist nicht zwingend das Ende der Fahnenstange. Gleichzeitig steht die passende Megawatt-Ladehardware schon in Teilen des chinesischen Netzes. Die Infrastruktur und das Fahrzeug werden also gemeinsam weiterentwickelt.

Was davon in Deutschland wirklich ankommt

Für deutsche Autofahrer sind sieben Minuten trotzdem zunächst Theorie. Ein Auto kann nur dann entsprechend schnell laden, wenn Akku, Fahrzeug-Elektronik und Ladesäule zusammenpassen. Ein 1.500-kW-Lader macht aus einem 200-kW-Auto kein 1.500-kW-Auto.

Aber genau deshalb sollte man beim nächsten Elektroauto nicht mehr nur auf Reichweite und den hübschen Peak-Wert schauen. 10 bis 80 Prozent Ladezeit, Ladeleistungskurve und Hochvolt-Architektur sind inzwischen entscheidende Kaufdaten.

Denn der Unterschied zwischen 30 und 16 Minuten ist schon im Alltag spürbar. Sieben Minuten sind dagegen aktuell vor allem ein Blick darauf, was technisch bereits möglich ist.

Und dieser Blick ist ziemlich unbequem. Zeekr muss in Deutschland gar nicht erst den Beweis antreten, dass 900 Volt funktionieren. Der eigene chinesische 001 zeigt längst, was möglich ist. Das wurde aber auch Zeit, dass Elektroautos beim Laden nicht nur kurzzeitig mit hohen kW-Zahlen angeben, sondern den gesamten Ladestopp ernst nehmen.

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