Zeekr 7X: Geely schmeißt Mobileye raus und drosselt Lade-Versprechen

Geely zieht das Facelift für den Zeekr 7X überraschend früh vor. Statt erst 2027 nachzubessern, rollt das überarbeitete Elektro-SUV schon jetzt auf dem Pariser Autosalon ins Rampenlicht. Die Chinesen fackeln nicht lange: Schwachstellen werden ohne Zögern abgeräumt.
Optisch wirkt die Frontpartie deutlich aggressiver und kantiger. Die wichtigste Änderung sieht man erst beim zweiten Hinsehen: Die aktiven Kühllamellen im Stoßfänger sitzen nicht mehr ungeschützt außen, sondern wanderten nach innen hinter eine glatte Fläche.
In meinen Augen ist das eine der klügsten Korrekturen überhaupt. Die alten Klappen gingen schon beim kleinsten Parkrempler oder groben Steinschlag kaputt. Jetzt ist die Frontpartie schlicht alltagstauglich und robust.
Am Heck gibt es mehr Kontur rund um das Nummernschild und einen sportlicheren Diffusor am unteren Abschluss. Bei der Privilege-Ausstattung schimmert das Kontrastdach künftig in Metallic-Schwarz statt im billig wirkenden Uni-Lack.
Richtig spürbar wird das Update aber bei den Scheiben: Der 7X bekommt rundum Akustik-Doppelverglasung spendiert. Das verspricht auf der Autobahn genau die Ruhe, die man von einem Premium-SUV in dieser Preisklasse erwartet.
Durchdachte Griffe, aber unverständlicher Sparzwang
Beim Einsteigen fällt der nächste Handgriff auf: Der separate Taster für die elektrischen Türen ist Geschichte. Die Taste sitzt nun direkt im Türgriff selbst. Das spart Verwirrung bei Mitfahrern und geht intuitiv von der Hand.
Im Innenraum hat Zeekr die Mittelkonsole glattgezogen. Das Rollo schließt nun eben ab, ohne die alte Wölbung nach oben, und die Becherhalter wanderten hintereinander in eine Reihe. Im Fond gibt es zudem zwei Cupholder oben auf der Mittelarmlehne. Dass Geely beim Europa-Start auf Bosch-Technik und schnelles Laden setzt, passt ins Bild einer gezielten Modellpflege für westliche Kunden.
Einen echten Dämpfer gibt es bei den Ablagen: Die praktischen Sonnenbrillenfächer an den Verkleidungen wurden restlos gestrichen. Für mich ein völlig unverständlicher Rotstift. Warum nimmt man Autofahrern eine der nützlichsten Ablagen im Alltag weg, nur um ein paar Cent in der Produktion zu sparen?
Ehrliche 420 kW Ladeleistung und 500 kW Spitzenleistung
Unter dem Blech legt der Antrieb moderat zu. Die Leistung steigt von 475 kW auf glatte 500 kW (rund 680 PS). Der Sprint von 0 auf 100 km/h verkürzt sich dadurch von 3,8 Sekunden auf 3,7 Sekunden.
In der Praxis merkt man diese Zehntelsekunde kaum. Schon die Europa-Preise für das Zeekr 7X Facelift zeigten, dass Geely nicht über Raketen-Beschleunigung, sondern über alltagstaugliche Kraft punkten will.
Bemerkenswert ist der Umgang mit der Ladeleistung. Statt wie bisher mit theoretischen 480 kW zu werben, beziffert Zeekr das Gleichstrom-Laden nun offiziell mit 420 kW. Was nach Rückschritt klingt, ist in Wahrheit ein willkommener Realitäts-Check.
Ursprünglich wurde das Auto als extremes Lade-Monster gegen das Tesla Model Y gefeiert. Doch in Europa arbeiten Ladesäulen meist mit Strombegrenzungen, während das Auto real um die 750 Volt nutzt. Ein echtes 900-Volt-System gibt es auch beim Facelift nicht – die Korrektur auf 420 kW ist schlicht ehrlich.
Hardware-Rundumschlag: Bosch ersetzt Mobileye
Der größte Paukenschlag bleibt für das Auge unsichtbar: Zeekr wirft das bisherige Mobileye-System komplett raus und wechselt zu Bosch. Das ist kein kleines Software-Tuning, sondern ein massiver Hardware-Umbau.
Statt nur eines einzelnen Frontradars werkeln nun drei Radarsensoren und sieben Kameras im Fahrzeug. Geely schlägt damit denselben Weg ein wie beim luxuriösen Zeekr 9X für den deutschen Markt, um Vertrauen bei anspruchsvollen europäischen Fahrern aufzubauen.
Gute Hardware ist aber nur die halbe Miete. Ob die neue Bosch-Kombination auf der Autobahn tatsächlich für eine ruhigere Spurführung und weniger Phantombremsungen sorgt, muss erst ein ausführlicher Praxistest beweisen.
Reicht dieser Zulieferer-Wechsel aus, um europäische Zweifler von chinesischer Assistenz-Software zu überzeugen?
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