BMW iX3 M60 xDrive: 612-PS-Ansage mit bitterem Timing

dynamische Frontansicht BMW iX3 M60 auf einer Landstraße am Meer
Quelle: BMW
Verpasse keine News, folge mir auf WhatsApp, Mastodon oder Google News

Auf dem Papier brennt BMW mit dem Topmodell der Neuen Klasse ein echtes Feuerwerk ab: Satte 450 kW (612 PS), ein Drehmoment von 875 Nm und bis zu 754 Kilometer Reichweite zielen ohne Umschweife auf Porsche Macan Electric und Audi SQ6. Trotzdem bremse ich die Euphorie sofort ein, denn zwischen Datenblatt und Auslieferung klafft eine gewaltige Lücke. Wer den bayerischen Dampfhammer fahren will, muss sich bis zum Frühjahr 2027 gedulden.

Ein Sprint von null auf 100 km/h in 3,9 Sekunden und ein abgeregeltes Topspeed-Limit von 240 km/h klingen für ein Mittelklasse-SUV nach purer Sportwagen-Attitüde. Im Alltag eines Elektroautos zählen solche Stammtischwerte allerdings wenig. Viel entscheidender ist, wie BMW das massive Gewicht bändigt und wie effizient der nutzbare 108,7-kWh-Akku im realen Autobahntempo arbeitet.

Der angegebene WLTP-Verbrauch von 17,6 bis 20,5 kWh pro 100 Kilometer unterstreicht den aerodynamischen Feinschliff der Karosserie. Mit einer Länge von 4.782 mm, einer Breite von 1.895 mm und einem Radstand von 2.897 mm steht hier ein stattliches Fahrzeug auf dem Asphalt. BMW holt den Reichweitengewinn nicht aus Verzicht, sondern aus konsequenter Aerodynamik und modernster Gen6-Zellchemie.

400 Kilowatt am Schnelllader: Das Ende der Ladefrust-Ära

340 Kilometer frische Reichweite in zehn Minuten

Das eigentliche Kaufargument für Vielfahrer liefert BMW nicht beim Ampelsprint, sondern an der Ladesäule. Dank der 800-Volt-Architektur zieht der Allradler an entsprechend potenten DC-Schnellladern mit bis zu 400 kW Strom. In lediglich zehn Minuten fließen so bis zu 340 Kilometer Reichweite zurück in die Rundzellen.

Das nimmt langen Urlaubsfahrten endgültig den Schrecken. Wer jemals im Winter bei zähen 80 kW vor der Säule gefroren hat, weiß diesen Tempogewinn zu schätzen. Schon bei den ersten Technik-Details zeigte sich, dass die Neue Klasse mit 400 kW Ladeleistung das gesamte Segment unter immensen Zugzwang setzt.

22-kW-AC-Lader serienmäßig an Bord

Auch an der heimischen Wallbox oder an städtischen AC-Säulen beweist BMW Weitsicht: Der 22-kW-Bordlader gehört beim M60 zur Serienausstattung. Das spart an öffentlichen Säulen wertvolle Standzeit, während andere Hersteller selbst im Luxussegment für 22 kW unverschämte Aufpreise kassieren. Gepaart mit bidirektionalem Laden wird das SUV damit zum vollwertigen Stromspeicher für das Eigenheim.

Fertigungsengpass in Ungarn: Warum BMW das M-Modell streckt

Debrecen läuft bereits an der Belastungsgrenze

Bleibt die Frage, warum BMW nach dem Bestellstart Ende Januar 2027 noch bis ins Frühjahr mit der Auslieferung wartet. Der Grund ist schlicht: Die Kapazitäten im neuen ungarischen Werk sind bis zum Anschlag verplant. Wie enorm das BMW-Werk Debrecen beim Hochlauf der Fertigung beansprucht wird, belegt der bisherige Rekordtakt von über 50.000 Einheiten.

BMW muss zunächst die gewaltige Flut regulärer Kundenbestellungen abarbeiten. Der anhaltende Ansturm auf die Vorbestellungen der Neuen Klasse verbietet es schlichtweg, die Taktstraßen mit komplexen M-Sonderwünschen zu blockieren. M-Fahrzeuge verlangen nach spezifischer Fahrwerksabstimmung, größer dimensionierten Bremsen und individuellen Kühllösungen.

Zur M60-Ausstattung gehören unter anderem eigenständige 22-Zoll-Aerodynamikräder, gelb akzentuierte Lichtsignaturen an der Front sowie das Panoramic iDrive auf einem 17,9 Zoll großen Zentralbildschirm. Auch die zentrale Rechnerarchitektur „Heart of Joy“ muss im Großserienbetrieb erst beweisen, dass sie Antriebs- und Bremsmomente ohne spürbare Verzögerung synchronisiert.

Teures Prestigeprojekt: Der M60 sprengt jedes Vernunftbudget

Offizielle Listenpreise für den BMW iX3 M60 xDrive behält der Hersteller noch für sich. Ein Blick auf die Modellhierarchie liefert jedoch klare Anhaltspunkte. Da der BMW iX3 40 als heckgetriebenes Einstiegsmodell bereits mit 63.400 Euro startet und der iX3 50 xDrive bei 70.900 Euro beginnt, dürfte das M-Modell kaum unter 85.000 bis 90.000 Euro den Besitzer wechseln.

Damit verabschiedet sich BMW in Preisregionen, die für Familien und gewöhnliche Dienstwagenfahrer völlig unrealistisch sind. Der M60 ist kein Vernunftauto, sondern ein gezielter Prestigeträger gegen Porsche und Audi. Wer einfach nur ein modernes, langstreckentaugliches Elektro-SUV sucht, findet im schwächeren Basismodell die weitaus schlauere Alternative.

Google bevorzugte Quelle Schmidtis Blog Schmidtis Blog zu Deiner bevorzugten Quelle bei Google hinzufügen

Links mit einem * sind Partner-Links. Durch einen Klick darauf gelangt ihr direkt zum Anbieter. Solltet ihr euch dort für einen Kauf entscheiden, erhalte ich eine kleine Provision. Für euch ändert sich am Preis nichts. Danke für eure Unterstützung!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert