Denza: City-Autopilot startet 2027 per Update in Europa

schräge Frontansicht BYD Denza Z9 GT
Quelle: BYD
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Die Pariser Messepremiere von Denza liefert eine deutliche Ansage an die europäische Konkurrenz: BYD bringt sein urbanes Assistenzsystem ab 2027 offiziell auf hiesige Straßen. Wer geglaubt hat, chinesische Hersteller überlassen das Feld der teilautonomen Navigation kampflos den deutschen Premiummarken, sieht sich getäuscht. Denza nutzt den Pariser Autosalon, um den Startschuss für das sogenannte City Navigation on Driving Assistant (CNOA) zu verkünden. Als Vorreiter dient der Denza Z9GT, dessen Auslieferung bekanntlich bereits läuft.

Das Besondere an diesem Schritt liegt in der technischen Umsetzung: Die gesamte Hardware steckt bereits ab Werk in jedem ausgelieferten Fahrzeug. Käufer müssen weder Sensoren nachrüsten noch teure Zusatzpakete buchen, wenn die Software marktreif ist. Der Marktstart des Denza Z9GT in Deutschland markierte den ersten Schritt der Marke auf unserem Markt. Jetzt folgt die Software-Offensive, die bisherige Fahrassistenten alter Bauart ziemlich alt aussehen lassen soll.

CNOA im Stadtverkehr: Hardware wartet bereits im Serienmodell

Herkömmliche Fahrassistenten fühlen sich auf schnurgeraden Autobahnen wohl, scheitern aber regelmäßig an der ersten komplexen Kreuzung. Genau an dieser Stelle setzt CNOA an. Das System navigiert von Punkt zu Punkt durch dichten Stadtverkehr und übernimmt anspruchsvolle Fahraufgaben. Autos mit dieser Technik stoppen selbstständig an roten Ampeln, gewähren an Kreisverkehren die Vorfahrt und beachten lokale Tempolimits. Hinzu kommen ungeschützte Linksabbieger, das Umfahren von Fahrzeugen in zweiter Reihe und das sichere Manövrieren auf engen Fahrspuren.

Für die Umgebungserkennung greift der Z9GT auf ein umfangreiches Sensorpaket zurück. Neben einem LiDAR-Sensor arbeiten 11 Kameras am Fahrzeug – darunter vier Seitenkameras, vier Rundumsichtkameras, zwei Frontkameras und eine Heckkamera. Hinzu kommen drei Millimeterwellen-Radare sowie 12 Ultraschallsensoren. Wie bereits beim God’s Eye System mit LiDAR-Unterstützung anderer Konzernmodelle ersichtlich wurde, kombiniert BYD verschiedene Sensorarten, um auch Fußgänger und Radfahrer in unübersichtlichen Ecken zuverlässig zu erfassen. Die Verantwortung verbleibt dennoch beim Fahrer. Das Auto überwacht Blickrichtung, Kopfhaltung und die Hände am Lenkrad ohne Pause.

Zulassungshürde UN R171: Europa diktiert den Zeitplan

Chinesische Hersteller können Software in der Heimat extrem schnell ausrollen, stoßen in Europa aber auf bürokratische Hürden. Denza befindet sich nach eigenen Angaben in der finalen Kalibrierungsphase für die Typgenehmigung nach dem internationalen Regelwerk UN R171. Dieser Standard regelt Fahrerassistenzsysteme streng und verlangt lückenlose Sicherheitsnachweise für jede automatisierte Lenkbewegung. Genau deshalb peilt BYD den Marktstart erst für das Jahr 2027 an.

Stella Li, Executive Vice President von BYD, begründet den Schritt mit dem Abbau von Alltagsstress im Berufsverkehr. Die Verlagerung der Entwicklung und Anpassung nach Europa ist für den Konzern elementar, um Genehmigungsbehörden zu überzeugen. Das Update erreicht bestehende Fahrzeuge drahtlos über die Luftschnittstelle (OTA). Wer heute einen Z9GT kauft, erhält die Funktion später aufgespielt, sobald die Behörden ihr Siegel erteilt haben.

Hypercar Z und BAO 5: Paris zeigt das volle Arsenal

Neben den Autonomie-Plänen nutzt die Marke die französische Messebühne für eine echte Leistungsschau. Das neue Hypercar Denza Z feiert sein europäisches Messedebüt in drei Varianten: als Coupe, Spider und Racing. Technisch basiert der Flachmann auf der e3 Sports Car Platform. Drei Elektromotoren – einer vorn, zwei hinten – wuchten gemeinsam 1.604 PS und 1.240 Nm Drehmoment auf den Asphalt. Das Denza Z mit seinen drei Elektromotoren sprintet als Coupe in 2,25 Sekunden auf Tempo 100 und rennt 300 km/h Spitze. Die Racing-Version knackt mit optionalen Semi-Slicks sogar die Zwei-Sekunden-Marke: 1,96 Sekunden für den Standardsprint und 350 km/h Höchstgeschwindigkeit.

Die beiden Heckmotoren sind Teil eines integrierten 15-in-1-Antriebssystems, das mit bis zu 30.000 U/min rotiert. Fahrwerksseitig setzt Denza auf magnetorheologische Dämpfer vom Typ DiSus-M, kombiniert mit Luftfederung bei Coupe und Spider. Den Energiespeicher bildet eine 76 kWh fassende Blade-Batterie der zweiten Generation, die per Cell-to-Body-Verfahren (CTB) direkt in das Chassis integriert ist. Sie erlaubt Reichweiten von 410 Kilometern (Coupe), 400 Kilometern (Spider) und 380 Kilometern (Racing). Das Megawatt-Laden der Blade Battery 2.0 ermöglicht dank FLASH Charging Ladeleistungen von bis zu 1.500 kW. Der Akku füllt sich von 10 auf 97 Prozent in neun Minuten. Selbst bei arktischen -30 Grad Celsius dauert ein Ladevorgang von 20 auf 97 Prozent lediglich 12 Minuten.

Den Messeauftritt komplettiert der BAO 5, ein 4,9 Meter langes Hybrid-SUV auf Leiterrahmen. Angetrieben wird der Fünfsitzer von der Plattform Super Hybrid DMO, bestehend aus einem 1,5-Liter-Turbobenziner und zwei E-Maschinen mit 544 PS Systemleistung sowie 760 Nm Drehmoment. Der Spurt auf 100 km/h gelingt in 4,8 Sekunden. Im Gelände hilft das Hydraulikfahrwerk DiSus-P, das die Bodenfreiheit um 90 Millimeter auf beachtliche 310 Millimeter anhebt. Ein 31,8-kWh-Blade-Akku liefert 90 Kilometer rein elektrische Reichweite, während die Gesamtreichweite nach WLTP bei 835 Kilometern liegt – bei einem kombinierten Verbrauch von 4,2 Litern auf 100 Kilometer.

Denza beweist mit diesem Auftritt reichlich Selbstbewusstsein. Ob die europäischen Regulierer bei der Freigabe von CNOA im Jahr 2027 mitspielen, wird sich zeigen. Die Botschaft steht jedenfalls: BYD liefert die Hardware schon heute und zwingt etablierte Hersteller damit zum Handeln.

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