VW ID. Tiguan R: 400 PS fegen den braven ID.4 GTX weg

Bisher wirkte der elektrische Tiguan wie der nächste berechnende Schachzug aus Wolfsburg, um verunsicherte Stammkunden mit gewohnter Optik zu beruhigen. Doch hinter den Kulissen plant Volkswagen den Bruch mit der eigenen Vorsicht. Für Ende 2027 bereiten die Wolfsburger ein elektrisches Power-SUV mit Allradantrieb, zwei Motoren und satten 400 PS vor: den VW ID. Tiguan R.
Wer aktuell den nagelneuen Konfigurator für den VW ID. Tiguan öffnet, sieht das übliche Pflichtprogramm für den deutschen Dienstwagen-Alltag. Solide Technik, zahme Leistungswerte. Schon als sportlich verpackte R-Line klettert die Anzeige mit wenigen Kreuzen bei den Sonderausstattungen zügig auf 70.000 Euro. Das ist eine Ansage für ein kompaktes Familienauto.
Das dicke Ende kommt erst noch. Volkswagen hat intern bereits durchblicken lassen, dass gegen Ende 2027 die eigentliche Speerspitze der Baureihe folgt. Ein GTI scheidet konstruktionsbedingt aus, weil Wolfsburg dieses traditionsreiche Kürzel nicht mit Allradantrieb koppelt. Es bleibt schlicht nur das R-Badge übrig. Wer auf das Topmodell schielt, bekommt einen völlig anderen Charakter serviert.
400 PS gegen das Phlegma: Wolfsburg beerdigt den GTX-Kompromiss
Bislang markierte der ID.4 GTX mit seinen 250 kW (340 PS) die elektrische Obergrenze im kompakten Konzernregal. Begeisterung kam am Steuer allerdings selten auf. Das Fahrgefühl blieb synthetisch und brav, wie mein direkter Vergleich zwischen dem VW ID.4 GTX und dem Tesla Model Y deutlich herausarbeitete. Wolfsburg fehlte der Mut zu echten Ecken und Kanten.
Mit dem ID. Tiguan R vollzieht VW den überfälligen Schnitt. Zwei E-Maschinen drücken künftig 400 PS über alle vier Räder auf den Asphalt. Das lässt nicht nur den bisherigen GTX alt aussehen, sondern deklassiert auch den alten Verbrenner. Der klassische Tiguan R mit Ottomotor musste sich mit deutlich weniger Leistung begnügen.
Gegen die brachiale Längsdynamik eines Tesla Model Y Performance reicht das auf dem Papier zwar noch nicht ganz heran. Trotzdem verpasst Volkswagen dem Auto damit endlich den Antritt, den Käufer von einem echten R erwarten. Wolfsburg will Emotionen verkaufen, statt Kunden nur mit kühlen Leasingraten zu ködern.
Dass die Niedersachsen ihre Nomenklatur komplett umkrempeln, unterstrich bereits die offizielle Weltpremiere des ID. Tiguan Anfang Oktober. Die kühlen Ziffern der ersten ID-Generation haben an Strahlkraft verloren. Autokäufer wollen vertraute Namen und klare Charaktere. Genau diese Sehnsucht soll das R-Branding jetzt auch im Elektro-Zeitalter bedienen.

700 Kilometer Reichweite: Der Riesen-Akku wird zum Kurven-Prüfstein
Reine PS-Schlachten beeindrucken am Stammtisch, entscheiden aber keinen Alltagstest. Das eigentliche Ausrufezeichen setzt Volkswagen beim Akku. Glatte 700 Kilometer Reichweite soll der ID. Tiguan R schaffen. Ein gewaltiger Sprung gegenüber den aktuellen ID-Modellen, die auf der Autobahn viel zu früh an die Zapfsäule müssen.
Um diesen Wert zu erreichen, muss Wolfsburg ein spürbar größeres Batteriepaket in den Unterboden quetschen. Genau hier zahlt sich der Wechsel auf die optimierte MEB+-Architektur aus, mit dem VW die zahnlosen GTX-Modelle schrittweise aufs Altenteil schiebt. Die neue Basis nutzt den Bauraum besser aus und erlaubt dichtere Zellchemien.
Die Kehrseite der Medaille wiegt schwer. Ein massiver Akkublock treibt das Leergewicht gnadenlos nach oben. Ein agiles Kurven-Setup beißt sich physikalisch mit zwei Tonnen Lebendgewicht. Wer ein echtes Sport-SUV verspricht, muss dieses Gewicht im Fahrwerk kaschieren. Jedes Kilo zu viel radiert beim Einlenken über die Vorderräder.
Dazu gesellt sich die berechtigte Kritik an der Ladeleistung der neuen Plattform. Ein Akku für 700 km Strecke darf an der Schnellladesäule keine Kaffeefahrt erzwingen. Wer einen dicken Akku spazieren fährt, erwartet eine blitzsaubere Ladekurve ohne plötzliche Einbrüche. Bleibt Volkswagen hier hinter modernen 800-Volt-Systemen zurück, verpufft der Reichweitenvorteil auf der Langstrecke komplett.
Preis-Schock absehbar: Wolfsburg kratzt an der Luxusklasse
Eine bissige Front, fette Lufteinlässe, markante Schweller und große Leichtmetallräder sind für ein vollwertiges R-Fahrzeug gesetzt. Volkswagen wird das Topmodell auch optisch klar vom gewöhnlichen Vertreter-Tiguan trennen. Wer tief in die Tasche greift, will den Unterschied schließlich auf den ersten Blick sehen.
Beim Blick auf die Preisliste droht allerdings Schnappatmung. Der alte Verbrenner-Tiguan R verabschiedete sich mit einem Grundpreis von 66.560 Euro. Diese Schwelle wird der elektrische Nachfolger mühelos pulverisieren.
Wenn schon eine gut ausgestattete R-Line regulär an die Grenze von 70.000 Euro stößt, landet das 400-PS-Kraftpaket zielsicher zwischen 75.000 und 80.000 Euro. Das ist ein happiger Batzen Geld für ein kompaktes SUV mit VW-Logo. In diesem Preisbereich stehen längst Premium-Konkurrenten bereit, die deutlich mehr Prestige ausstrahlen.
Zudem tickt die Uhr gegen die Niedersachsen. Bis Ende 2027 fließt noch verdammt viel Wasser die Elbe hinunter. Die Konkurrenz aus Übersee schläft nicht und drückt Reichweiten und Ladezeiten in immer erschwinglichere Segmente. Wenn Volkswagen erst in gut zwei Jahren mit seinem E-Flaggschiff vorrollt, könnten 400 PS und 700 km Reichweite längst gewöhnlicher Branchen-Standard sein.
Schmidtis Blog zu Deiner bevorzugten Quelle bei Google hinzufügen
Links mit einem * sind Partner-Links. Durch einen Klick darauf gelangt ihr direkt zum Anbieter. Solltet ihr euch dort für einen Kauf entscheiden, erhalte ich eine kleine Provision. Für euch ändert sich am Preis nichts. Danke für eure Unterstützung!

400PS sind vollkommener Unsinn in einem E-Auto. Reichweite und schnelles Laden sind das A und O.
Wann kommen endlich 800Volt bei VW in Europa? Wann kann man endlich auch einen VW mit 400kW laden? Mercedes und BMW machen das vor.
Hammer Design aber zu teuer, da gibt’s jede Menge Alternativen.
Schade VW