BYD: Flash-Charging mit 400 kW startet endlich in Europa

seitliche Frontansicht des roten BYD Great Tang
Quelle: BYD
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Mich nervt die europäische Modellpolitik von BYD seit Monaten: Gute Verarbeitung und faire Preise helfen wenig, wenn der Ladevorgang an der Autobahn zur Geduldsprobe verkommt. Der chinesische Marktführer beendet diese künstliche Drosselung nun und kündigt das erste Serienmodell mit vollem Flash-Charging für Europa an. Damit landet eine Ladetechnik auf unseren Straßen, die den Akku in unter 10 Minuten auf 97 Prozent peitscht.

In China gehört dieses Tempo längst zum Alltag der Mittelklasse. Europäische Käufer wurden dagegen bisher mit zähen Ladekurven abgespeist, die im Alltag frustrieren. Wie gravierend dieser Rückstand ausfällt, hat bereits das BYD Seal Facelift mit seiner Ladezeit von 37 Minuten bewiesen. Mit der aktuellen Ankündigung zieht der Konzern den Stecker aus dieser unseligen Sparpolitik.

Ultraschnelles Laden blieb bei uns bislang unbezahlbaren Prestigeobjekten vorbehalten. Die Technologie debütierte hierzulande nur im sportlichen Denza Z9 GT sowie später im Denza Z – beides Autos im sechsstelligen Preisbereich. Dass BYD mit dem Denza Z9S die Luxusklasse attackiert, nützt normalen Familien auf der Suche nach einem praktischen Reise-SUV herzlich wenig. Jetzt wandert die Spitzen-Hardware erstmals direkt in ein bezahlbares Modell mit dem klassischen BYD-Schriftzug.

400 kW Ladeleistung lassen deutsche Autobauer alt aussehen

Die technische Ansage bricht mit den ungeschriebenen Gesetzen des europäischen Lademarkts. Das neue Modell soll fremde Schnellladesäulen mit satten 400 kW Leistung bis zum Anschlag ausreizen. Kein anderer Hersteller in dieser Fahrzeugklasse bietet derzeit ein vergleichbares Bordnetz.

Auf dem Heimatmarkt stützt der Konzern diese Spitzenwerte mit eigener Lade-Infrastruktur. Über 10.000 Flash-Charging-Stationen von BYD belegen dort den flächendeckenden Rollout der Technik. In Europa vertraut der Autobauer zwar auf bestehende Fremdnetze wie Ionity oder EnBW, doch die Ladeelektronik zieht die volle Leistung ohne Drosselung ab.

Für die deutschen Premium- und Volumenmarken ist das ein Schlag ins Kontor. Volkswagen, Skoda, BMW und Mercedes-Benz benötigen für den Standard-Hub von 10 bis 80 Prozent durchweg über 20 Minuten. Wenn ein chinesischer Mittelklasse-Stromer denselben Ladehub in einem Bruchteil dieser Zeit absolviert, schmilzt der technologische Vorsprung der Europäer dahin. Lediglich überlegene Autobahn-Reichweiten bieten den deutschen Herstellern vorerst noch eine schmale Verteidigungslinie.

Tang L oder Atto 8: Schluss mit dem Namens-Quatsch

Hinter dem Teaser verbirgt sich aller Voraussicht nach der neue Tang L, den BYD kürzlich in China präsentiert hat. Dass die Plattformen des Konzerns den Markt aufmischen können, zeigte vor Kurzem der BYD Sealion 08 mit aggressiver Kampfpreis-Ansage. Der Tang L führt diese Linie fort, zielt jedoch direkt auf europäische Familienbedürfnisse.

Im Cockpit bricht der Hersteller mit alten Marotten. Eine neue Display-Zeile zieht sich direkt entlang der Windschutzscheibe und liefert alle fahrrelevanten Daten ins unmittelbare Blickfeld. Das zentrale Infotainment wächst deutlich in die Breite und wird um einen eigenen Bildschirm für den Beifahrer ergänzt. BYD verabschiedet sich damit schrittweise vom einsamen Dreh-Display zugunsten einer ergonomischen Mehrschirm-Landschaft.

Völlig absurd bleibt hingegen die Nomenklatur. Gerüchte sprechen davon, dass das Modell in Europa als Atto 8 an den Start rollen könnte. Das wäre ein überfälliger Schritt. Der aktuelle Mischmasch aus Atto 3 Evo, Tang, Sealion 7 und Seal U verwirrt Autokäufer unnötig und schadet der Wiedererkennung.

Der Preis entscheidet über den Durchbruch

Die MEB-Plattform von VW und Skoda wirkt gegen das neue BYD-Chassis wie Technologie von gestern. Auch die teuren Architekturen aus Stuttgart und München geraten unter Erklärungsnot, wenn sie doppelt so lange am Kabel hängen. BYD beweist mit dem Flash-Charging, dass Reichweitenangst nicht mit riesigen, schweren Akkus, sondern schlicht mit maximaler Ladegeschwindigkeit besiegt wird.

Trotzdem ist der Erfolg in Europa kein Selbstläufer. Kunden verlangen verlässliche Software, funktionierende Assistenzsysteme und einen schnellen Service vor Ort. Liefert BYD diese Basics und preist den Tang L marktgerecht ein, gerät die europäische Konkurrenz massiv ins Wanken.

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